- Zusammenfassung
- Manchmal kann der Fetisch auch belastend sein, nämlich wenn er einen im Alltag unwillkürlich begegnet, man ihm nicht ausweichen kann, und er mit den eigenen Wertvorstellungen kollidiert. Darf man das Gedankenkarussell trotzdem geniessen?
- Enthält
- crushing
- Autor
- Selber erlebt
Gestern bin ich wieder durch unseren Wald spaziert. Auf dem unbefestigten Waldweg, der lediglich aus einer Mischung von feinem Kies, Splitt und Sand besteht, waren zahlreiche Mistkäfer unterwegs, und weil der Weg normalerweise für Fahrzeuge aller Art gesperrt ist, und an dem frühen Mittwochnachmittag wenig Wanderer unterwegs waren, blieben die Tiere weitgehend ungestört. Auch ich selber achtete peinlich darauf, keinen Käfer zu zertreten.
Trotzdem lagen hier und da die Reste von einem platt getrampelten oder überfahrenen Tier. Mit tut sowas leid, obwohl ich mir dann trotzdem vorstelle, wie eine junge schöne Frau unbekümmert über den Weg joggt und immer wieder mal, und ohne davon Notiz zu nehmen, so ein kleines Leben unter ihren Sohlen zerdrückt. Oder eine fesche Radlerin prescht mit hohem Tempo durch den Wald, und bemerkt dann erst recht nichts davon, wenn ihr ein paar Mistkäfer unter die Räder geraten.
Aber ich rechtfertige dies dann damit, indem ich mir sage, dass dies eigentlich ganz natürliche „Unfälle“ sind, die nun mal vorkommen wenn kleine Lebewesen den Weg von sehr viel größeren Geschöpfen kreuzen. Und auch eine junge sportliche Frau, die in all ihrer wunderbaren Anmut und Schönheit einen Waldweg entlang läuft, ist für die Kleintierwelt zu ihren Füßen eine tödliche Bedrohung! Denkt unsereiner an ein „süßes Ende unter den zarten Füßen einer schönen Frau“, dann ist es für die betroffene Kleinstfauna einfach nur tödlich…
Dies oder ähnliches philosophiere ich vor mich hin, wenn wieder mal ein zermatschter Käfer vor mir auftaucht.
Plötzlich knirscht es hinter mir: das typische Geräusch, wenn Autoreifen über einen unbefestigten Weg rollen. Im Gedanken an die ganzen Käfer dreht es mir den Magen herum! Noch schlimmer wird es mit mir, als der bekannte Geländewagen einer Mitarbeiterin des örtlichen Forstbüros um die Ecke bog: Eine wunderschöne junge Lady, Anfang 20 - und in der Tat einer der wenigen Berechtigten, die den Weg befahren durften! Ich trat zur Seite, wobei sie auf dem schmalen Weg trotzdem auf den Grünstreifen ausweichen musste. Trotzdem fuhr sie mir fast über die Füße. Sie grüßte und bedankte sich freundlich für‘s platzmachen, und im Vorbeifahren erhaschte ich einen süßen Blick wie sie da bequem in Shorts im Fahrersitz versinkt und ihre hübschen Beine im Fußraum verschwinden. Ich glaube sogar zu erkennen, dass sie lässige weiße Sneaker trägt, aber schon ist sie an mir vorbei…
Ich muss nicht groß erwähnen, dass ich in den Fahrspuren, die das Mädel mit ihrem Geländewagen über den Weg gezogen hat, zahlreiche platt gefahrene Mistkäfer fand! Mit taten die tot gefahrenen Insekten einfach leid, auch wenn es sicherlich genug Mistkäfer gab. Besonders leid tat es mir um ein zuvor offenbar prächtiges Hirschkäfermännchen,, dessen zermalmtes Geweih noch gut zu erkennen war. Aber ich dachte auch an die junge schöne Dame, wie sie da bequem und unbekümmert in ihrem Wagen sass, und der Gedanke ihr selber in Käfergröße zu begegnen, und sich von ihr achtlos zertreten oder überfahren zu lassen, faszinierte mich!
Ich kam mit diesen ambivalenten Gedanken erst mal gar nicht klar und ging auf dem kürzesten Weg nach Hause.