"Halten Sie den Kurs!", befahl uns der Captain und ich steuerte das Schiff vorsichtig durch den riesigen Raum, der so groß war, dass ich mir das überhaupt nicht vorstellen konnte. Das riesige Lebewesen mit dem Namen Lily lag mit ihrem Kommunikationsgerät (in ihrer Sprache nannten sie es Smartphone) mit dem Bauch auf dem Bett und wir hatten den Auftrag bekommen, sie weiter zu untersuchen. Natürlich mussten wir bestimmte Regionen von ihr meiden und uns der Titanin vorsichtig nähern, damit sie uns nicht wieder entdeckt und weitere Crewmitglieder mit ihrem Gas tötet.
Unser Wissenschaftsoffizier fand heraus, dass das Gas der Riesin aus tödlichen Schwefelwasserstoffverbindungen (H2S) bestand und die Dosis viel zu viel war. Allerdings schien Lily das nur als Verteidigung eingesetzt zu haben. Deswegen wurde beschlossen, dass wir uns Lily dieses Mal nur dann nähern, wenn sie vollkommen ahnungslos ist. Und da sie zurzeit ihre Social Media Kanäle durchforstet und gerade verschiedene Einträge über ihre Vorlieben ließt, ist das der perfekte Zeitpunkt.
Wir wurden gerade von dem ersten Offizier zu den Transportern beordert und wir bereiteten uns auf den Abstieg vor. Mein Anzug sollte für die Umgebung mehr als genug angepasst sein und als wir uns in den Transporter stellten, wurden wir sogleich auf die Oberfläche der fremden Welt geschickt...
Ich berührte den Boden und er war ziemlich weich, warm und elastisch. Die ersten Schritte zeigten, dass der Boden unter mir sogar ganz leicht nachgab. Der Geruch war ziemlich angenehm gewesen und selbst mit den Händen im Schutzanzug fühlte sich das alles sehr weich an. Natürlich konnte ich es mir nicht entgehen lassen, meinen Scanner herauszuholen und das Mineral zu scannen, aus dem diese Oberfläche geformt war. Durch den schwarzen Boden schimmerte etwas weißes und ich hatte das Gefühl gehabt, als ob es glänzen würde. Dieser Boden schien eine Art Mantel oder so etwas zu sein...
"Sieh dir mal diese riesigen Hügel an!", sagte der andere zu mir. "Das muss ja eine gewaltige Welt sein!"
"Einfach nur beeindruckend!", fügte noch ein anderer hinzu. "Diese Welt ist landschaftlich einfach nur der Wahnsinn. Aber sagt mal, wo ist eigentlich diese riesige Lily abgeblieben?"
Ich sah mich ebenfalls nach ihr um und hatte sie vollkommen vergessen gehabt. Das riesige Wesen war nirgendwo zu sehen, dabei sollte man eigentlich meinen, dass man Lily gar nicht übersehen könnte. Als ich mir kurz die Hügel ansah, fiel mir auf, dass diese ebenfalls von diesem schwarzen Mantel bedeckt waren und das sie sich leicht bewegten. Auch der Boden bewegte sich ganz langsam und sogar rythmisch unter uns - auf und ab, auf und ab und auf und ab. Dann kniete ich nieder und sah mir diesen sonderbaren Boden etwas genauer an.
"Das sind Fasern!", rief ich. "Diese Fasern sind unheimlich lang und ziehen sich durch die ganze Landschaft!"
Glücklicherweise zog ich mein Lasermesser und konnte einige Fasern sogar durchtrennen, um die darunter liegende weiße Schicht zu untersuchen. Auch hier zeigte mir mein Scanner an, dass es sich hierbei um Fasern handelte. Langsam überkam mich ein ungutes Gefühl und gleichzeitig auch ein schwerwiegender Verdacht. Wenn Lily nirgendwo zu sehen war - und man konnte sie gar nicht übersehen - und der Boden aus Fasern bestand, dieser sich in einem Rythmus bewegte und noch dazu auch noch warm war, dann konnte das nur eines bedeuten. Ich zog meinen Scanner, schnitt mit meinem Lasermesser vorsichtig auch die weiße Schicht auf und sah eine weitere Schicht, die defintiv organisch sein musste. Ich schluckte hart, begann nervös aufzustehen und sagte:
"Lily ist nicht weg... wir stehen im wahrsten Sinne des Wortes auf Lily!"
"Wirklich?!", sagte ein Kamerad zu mir. "Na dann..."
Ohne richtig zu reagieren zog er sein Lasermesser heraus und spieste es auf den Boden.
"Für meinen gefallenen Freund!"
"WARTE!", rief ich, doch es war zu spät...
Sofort spürten wir, wie sich der Boden unter uns bewegte und eine riesige und gewaltige Hand auf uns zu kam. An der Stelle, wo mein Kamerad noch stand, fuhren mehrere Finger über ihn her und zerquetschten ihn nahezu. Er hatte nicht den Hauch einer Chance gehabt, Lilys gewaltigen Fingern zu entkommen. Mein anderer Kamerad fiel in einer tiefen Schlucht und ich versuchte mich zu erinnern, wo wir gerade waren und wo wir uns befinden könnten. Sie lag auf dem Bauch... was trug sie noch mal? Aber leider blieb mir auch dafür keine Zeit, denn ich fiel ebenfalls in diese Schlucht...