Ich war gerade dabei, mich auf ein anderes Zimmer zu bewerben, als der Anruf von Luna kam. Wir wollten dir mitteilen, dass wir dir das Zimmer geben, sagte sie zu mir. Dann fügte sie noch hinzu, dass ich eben vorbeikommen sollte, um noch einige Kleinigkeiten zu klären. Es war ihr ziemlich wichtig gewesen, sodass ich mich gleich auf dem Weg machte.
Luna empfing mich sofort am Eingang und sie trug wieder ihr übliches Outfit. Wir hielten ein wenig Smalltalk, ehe sie anfing, über Lil Peep und Eminem zu reden. Deutschrap aus der heutigen Zeit kann sie überhaupt nicht leiden, denn das hätte überhaupt keinen Stil. Sie schloss die Wohnung auf und wir setzten uns auf das Sofa, ehe sie ihre Stiefel auszog und ihre Füße auf den Tisch legte. Ihre schwarzen Socken waren dreckig und vermutlich verschwitzt, deswegen stanken sie so. Doch ich war auf der Suche nach einem Zimmer und beschloss daher, nichts zu sagen. Jade war hingegen nirgendwo zu sehen und Luna erklärte mir, dass sie noch einige Dinge im Skaterpark zu klären hätte, ehe sie kommt. Deswegen stand sie auf und ging in ihr kleines Studio. Sie lud mich ebenfalls ein, doch ich wollte mich noch etwas auf dem Sofa ausruhen und blieb dort sitzen. Dann fielen mir ihre weißen Stiefel auf, die sich einfach so dort hin geworfen hatte. Ich nahm sie auf und wollte sie an der Wand legen, doch auch ihr Geruch war äußerst unangenehm gewesen. Just in dem Moment wurde die Tür aufgeschlossen und Jade kam herein. Sie sah mich verdutzt an und fragte mich, was ich mit den Stiefeln von ihrer Freundin wollte. Ich antwortete nur, dass ich sie wieder an ihrem Platz legen wollte. Jade kicherte und fragte nach ihrer Freundin, bis diese wieder aus ihrem Studio herauskam und sich auf das Sofa setzte. Auch Jade zog ihre verschwitzen Schuhe aus und setzte sich auf das Sofa und legte ihre Füße in ihren braunen Strumpfhosen hoch. Sie rochen sogar noch strenger als die von Luna, aber wenn sie den ganzen Tag lang im Skaterpark war, war das nicht verwunderlich gewesen.
Kommen wir nun zur Sache, sagte Luna zu mir und stellte mir diese merkwürdigen Frage erneut: Glaubst du an Vampiren und an Hexen? Ich verneinte dies und sagte, dass das alles nur Märchenfiguren waren, doch ich sollte an diesem Tag eines besseren belehrt werden. Luna zuckte nur mit den Schultern, während Jade mit ihren Zehen wackelte und ihren einen Fuß mit dem anderen kratzte. Ich weiß nicht, wie lange ich sie nicht direkt angeschaut hatte, aber Jade hatte anstelle ihrer braune Augen plötzlich giftgrüne Augen einer Katze gehabt und als sie gähnte, kamen ihre spitzen Zähne zum Vorschein. Als Luna meine Reaktion sah, begann sie zu lachen. Alles gut, sagte sie zu mir, denn sie würde mich nicht angreifen oder beißen. Ich dachte, dass sie in irgendeiner esoterischen Szene unterwegs waren, doch mein Gefühl sagte mir, dass dem nicht so war und ich wirklich eine Hexe und eine Vampirin vor meiner Nase sitzen hatte. Spätestens als Luna mit ihren Zauberstab die stinkenden Turnschuhe von Jade in die Ecke schweben ließ, wurde mir klar, dass das keine normale WG war.
Anschließend erzählte Luna mir, dass sie die Hexenschule mehr schlecht als recht abschloss und sie das Schuljahr dort auf gar keinen Fall wiederholen wollte, sondern sich in der Hip Hop Szene versuchen wollte. Jade stammt aus einem in Mexiko beheimateten Syndikat aus Vampiren, denn das erklärt auch ihren mexikanischen Akzent. Sie versicherte mir aber lächelnd, dass ich vor ihren Schwestern keine Angst haben muss, denn sie kommen sehr selten vorbei.
Ich wollte gerade aufstehen, doch just in dem Moment stand auch Jade auf und setzte sich einfach auf meinen Schoss. Danach sagte sie mir, dass ich ihr kleines Geheimnis unter gar keinen Umständen weitererzählen sollte, denn sonst droht mir ein kleines Unheil. Luna holte ihre Stiefel und zeigte mir das Innere. Ich traute meinen Augen nicht, denn dort drin lag ein geschrumpfter Mann. Er hatte wahrscheinlich nicht lange in ihren Stiefel überlebt, denn dort drin muss es heiß, feucht und eng gewesen sein. Luna erklärte mir, dass es ihr Vermieter der Wohnung war. Er hatte die ganze Zeit schon ein Auge auf Jade geworfen und vermietete ihnen die Wohnung so günstig, weil Jade ihm besondere Leistungen versprach. Ich wollte wegrennen, doch noch immer saß Jade auf meinem Schoss und plötzlich bemerkte ich einen fürchterlichen Gestank. Ich dachte mir schon, was passiert war, wobei das Jade in einem ganz einfachen Nebensatz auf ihr Chili schob.
Nach einiger Bedenkzeit gaben sie mir klar und direkt zu verstehen, dass ich dieses Geheimnis unter keinen Umständen weitererzählen sollte, weil mir sonst selbiges drohen würde. Gleichzeitig würden sie Verständnis dafür haben, dass ich das Angebot womöglich ablehnen würde. Doch ich entschied mich trotzdem, das Angebot anzunehmen und den Mietvertrag zu unterschreiben. Eine Vampirin und eine Hexe im Freundeskreis hat sicherlich auch seine Vorteile. Dann fragte mich Jade grinsend, ob ich ihre Füße massieren könnte. Ich wusste nicht, was mich ritt, aber ich stimmte dem zu...
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