Hier noch so ein tolles Foto für die Phantasie!
Sich vorzustellen, man würde als Winzling auf einer Wiese herum irren, zwischen Grasshalmen und Gänseblümchen, die einem wie hohe Bäume erscheinen... Dann schwillt ein zunehmend heftiges Grollen und Dröhnen an, und plötzlich haut es mir komplett den Boden unter den Füßen weg, als der gigantischer Sneaker, am Fuß einer hübschen jungen Lady, knapp neben mir „einschlägt“! Aus allernächster Nähe muss ich mit ansehen wie gnadenlos alles zermalmt wird, was zufällig unter die Sohle ihres Sneakers gerät: Gräser, Gänseblümchen… Auch eine Biene mitsamt der Kleeblüte, auf der sie gerade Nektar sammelt, wird unter dem riesigen Schuh einfach dem Erdboden gleich gemacht! Sogar der Boden selbst gibt unter dem unvorstellbaren Druck des riesigen Körpergewichtes der Dame nach, und ich spüre, wie sich die Erde unter mir leicht nach oben wölbt, währen sich die Sohle ihres Sneakers in den Untergrund hineindrückt!
Und fast hätte es mich selbst erwischt! Im Vorbeigehen schaut sie nach unten und ich erschrecke als sich unsere Blicke treffen, aber offenbar hält sie mich für ein vergessenes Spielzeugmännchen, dem man keine Bedeutung schenken muss - auch nicht im Anbetracht dessen, was sie gleich vorhat…
Ich schaue mir fasziniert die Zerstörung an, die sie mit einem einzigen gewöhnlichen Schritt verursacht hat. Interessiert klettere ich in die tiefe Mulde des Sohlenabdrucks herab: Alles pflanzliche wurde niedergedrückt und in den weichen Boden gepresst: Gräser, Blümchen und auch die Biene lagen in ihrem eigenen herausgequetschen Saft, während sich über die gesamte betroffene Fläche das Profilmuster der Sneakersohle hinweg zog. Ich musste aufpassen, nicht über die mit ungeheurer Gewalt in den Boden gepressten Rillen zu stolpern. Es war einfach surreal!
Als nächstes vernahm ich allerdings ein Geräusch, das mir das Blut in den Adern gefrieren lies: Von fern hörte ich das Starten eines kleinen Benzinmotors! Nachdem mich die Dame auf dem Weg zum Gartenschuppen schon fast zertreten hatte, hat sie nun den Rasenmäher gestartet! Zur Flucht von der Wiese ist es zu spät. Panisch versuche ich daher, mich ein wenig in den weichen Boden zu graben, um mich vor dem rotierenden Messer ihres Rasenmähers zu retten. Dazu musste ich aber aus dem Sohlenabdruck heraus klettern, denn der Tritt hatte den hier Boden so sehr verdichtet, dass ich zum Graben keine Chance hatte.
Schneller als befürchtet näherte sich bereits ein ohrenbetäubendes Dröhnen. Ein paar mal schob sie ihren Rasenmäher an mir vorbei - ich sah jeweils die Maschine in einiger Entfernung an mir vorbei rollen, und dahinter die Schritte der Lady, die über das frisch geschnittene Gras wandelt…
Dann aber schob sie dem Mäher genau auf mein Versteck zu. Der Lärm wurde unerträglich, es wurde dunkel, und ein gewaltiger Luftzug erfasste mich. Ich krallte mich wie wahnsinnig in meiner kleinen Kuhle fest. Sollte ich den Halt verlieren, würde mich der Sog geradewegs in die rotierenden Messer ziehen!
Nach endlosen Sekunden lies der Lärm nach und es wurde wieder hell. Aber ich hatte keine Zeit mich zu freuen: Wie in Zeitlupe sah ich nun die Sohle ihres Sneakers auf mich zukommen, die jetzt abermals den Himmel über mir verdunkelte! Ich lies mich auf den Rücken fallen, wollte mich noch unter ihrem Fuß wegdrehen, aber es war zu spät! Zunächst spürte ich, wie mich die weiche Sohle fast zärtlich nieder drückt. Unter ihrem Sneaker klebt das frisch gemähte Gras, und es duftet wunderbar! Dann beginnt sich die elastisch Sohle um meinen Körper zu schmiegen, und der Druck wird schnell übermächtig. Ich spüre noch, wie mein Körper in den weichen Boden gepresst wird und höre das Knacken der ersten Knochen, die unter dem Druck zerbrechen. Dann strömt ein warmer Schauer durch meinen Körper, bevor mein Bewusstsein endet - für immer ausgelöscht unter dem Tritt einer jungen hübschen Dame.
Die hat unter ihrem Fuß deutlich gespürt, dass sie auf etwas getreten ist. Sie hat sogar einen Augenblick zuvor das vermeintliche „Spielzeugmännchen“ gesehen, dass unversehrt unter ihrem Rasenmäher hervor kam. Dass sie dann genau drauf trat, geschah nicht direkt absichtlich, aber das billige „Plastikfigürchen“ erschien ihr zu unbedeutend, um deswegen das Tempo ihrer Arbeit zu bremsen und hat folglich einfach so drauf getreten, wie es ihr unter die Sohle geriet. Und im Gegenteil fühlte es sich für sie sogar irgendwie gut an, als das „Männlein“ unter ihrem Fuß knirschend nachgab. „Sollen die Kinder eben ihren Kram wegräumen!“ dachte sie mit Genugtuung, hatte die unbedeutende Sache aber kurz darauf schon wieder vergessen.
Als sie das gemähte Gras kurz darauf mit einem Rechen zusammen kehrt, tritt sie nochmals unbemerkt auf meine sterblichen Überreste, die aber kaum noch erkennbar sind, denn der zerquetschte kleine Körper ist nur noch eine schmutzige blutige Fleischmasse, an der das geschnittene Gras klebt. Teile davon bleiben eine Zeit lang unter ihrer Sohle kleben, und verteilen sich in der Folge über die ganze Wiese. Den Rest kehrt sie mit dem Grasschnitt zusammen, der schliesslich in der Grünen Tonne entsorgt wird.
Ups, da ist die Phantasie aber wohl endgültig mit mir durchgegangen, was? 😁