Teil V
Voller Vorfreude begab sich Nicki
wieder in den Wald, um den Fortschritt seines kleinen Volkes zu
begutachten. Im Kopf ging er bereits durch, was er sich für heute
vorgenommen hatte und der Weg erschien ihm dadurch kürzer als sonst.
Aber bereits in mittlerer Entfernung bemerkte er, dass jemand dort
war, aber ihm den Rücken zugewandt und mit etwas anderem beschäftigt
war. Besorgt verschnellerte er seinen Schritt, bis er auf zerstörte,
mit entsetzlich entstellten Leichen übersäte Siedlungen fand. Auch
die halbzerquetschten Überlebenden sah er, doch bei seiner Größe
konnte er ihnen nicht helfen, was Nicki innerlich das Herz brach.
Jetzt rannte er, das Einzige, was er
noch tun konnte war, die Person aufzuhalten, die seine Freunde
umbrachte. Als er die überraschte Frau herumriss und erfolglos
versuchte, sie zu Boden zu zwingen, wurden seine Unterarme von zwei
starken Händen ergriffen, die ihn gegen den nächsten Baum knallten
und dort festhielten. Nicki versuchte, sich in ohnmächtiger Wut zu
befreien, aber er war körperlich vollkommen unterlegen.
„Nicki, bist du das? Sag mal, hast du
eigentlich komplett den Verstand verloren, was zum Teufel sollte das
gerade?!“
Da sah er hoch und erkannte das Gesicht
der Frau, die seinen Traum zerstört hatte. Es war Vanessa. Sie waren
damals gemeinsam zur Schule gegangen und hatten sich seitdem nicht
mehr gesehen. Er war damals heimlich verliebt in sie gewesen, aber
hatte sich nie getraut,es auszusprechen. Auch damals war sie schlimm
zu den schwachen Kindern gewesen, aber Nicki war lange Zeit unter
ihrem Radar gewesen, zumindest bis er sich vor lauter Hoffnung etwas
näher an sie herangewagt hatte. Danach war sie die mit Abstand
schlimmste Mobberin, die Nicki jemals ertragen musste. Die anderen
hatten ihm zwar wehgetan, aber Vanessa hatte ihn zerstört. Die
Situation, seine Hilflosigkeit und das wiederkehrende Trauma waren
mehr als Nicki ertragen konnte und er fing an, jämmerlich zu weinen.
Es war wieder wie früher, warum konnte er nicht einfach in Frieden
gelassen werden und seinen Interessen nachgehen? Warum waren es immer
die Brutalen und Rücksichtslosen, die immer alles bekamen, was sie
wollten? Die Lehrer hatten immer nur eingegriffen, wenn die Gemobbten
sich gewehrt hatten, dann mussten sie sich entschuldigen und wurden
dafür, dass sie einmal für sich aufgestanden waren, noch tiefer in
den Staub getreten. Auch später im Job war es vollkommen egal, wie
hart man arbeitete oder wie viele Überstunden man machte. Immer
waren es die Machiavellisten, die die Beförderung bekamen, die
Konkurrenz ausstachen und die Karriereleiter hochkletterten. Nicki
würde für immer zu den Fußabtretern gehören und das wusste er
auch ziemlich genau. Doch jetzt, wo er dass erste Mal seit Jahren
wieder vollkommen glücklich sein konnte und einen Ort gefunden
hatte, an dem er sich wohl fühlte, musste auch dieser Ort zerstört,
seine Freunde umgebracht und seine Oase in Trümmern gelegt werden?
Irritiert verfolgte Vanessa den
Gefühlsausbruch, der vor ihr stattfand. Sie ließ ihn los und
schaute sich nochmal um. Dann machte es Klick in ihrem Kopf. Das hier
war Nickis kleines Reich gewesen. Er wollte sie aufhalten und konnte
doch nichts mehr retten, es war schon so vieles zerstört. Da kamen
Schuldgefühle in ihr hoch. Die kleinen Insekten waren ihr immer noch
ziemlich egal, aber sie bedeuteten anscheinend Nicki sehr viel und er
musste wohl auch sehr an ihnen hängen. Da erbarmte Vanessa sich,
nahm den schluchzenden Jungen in die Arme und drückte ihn ganz fest.
Nicki erwiderte die Umarmung und weinte sich an der Schulter seiner
Peinigerin aus.
„Waren das deine Leute?“
„Ja“, weinte Nicki ganz leise.
„Hast du sie schon länger gekannt?“
„Ja.“
„Komm her, es ist nicht schlimm, wenn
du traurig bist. Hör mal, es tut mir wirklich leid. Wenn ich gewusst
hätte, dass sie mit dir zu tun haben, hätte ich sie in Ruhe
gelassen.“
Keine Antwort. Vanessa nahm Nicki die
Brille ab und legte sie auf den Boden. Dann kramte sie ein
Taschentuch aus ihrer Hosentasche hervor und trocknete ihm damit die
Tränen. Allmählich beruhigte Nicki sich wieder und er blickte
hilfesuchend zu Vanessa auf, die freundlich zurücklächelte. Sie
hatte sich sehr verändert, dachte Nicki.
„Weißt du, das hier sind nicht die
einzigen Winzlinge hier im Wald, es gibt mindestens noch eine kleine
Zivilisation hier von der ich weiß. Kopf hoch, die vermehren sich
wie die Karnickel, das kann ich dir aus Erfahrung sagen. Du musst dir
wirklich keine Gedanken machen, schau, ein paar Dörfer sind noch
komplett unversehrt und die Stadt“, sie schaute rüber zu den
Ruinen, „ ... reden wir lieber nicht über die Stadt. Wenn du
willst, zeig ich dir meine kleinen Sklaven, sie denken, ich wäre
eine Göttin, kannst du das zu glauben?“
Nicki sah auch zur Stadt hinüber, das
Trümmerfeld brachte ihm fast wieder die Tränen in die Augen.
„Die Kathedrale habe ich mitgebaut.“
„Echt, die hat wirklich beeindruckend
ausgesehen. Du kannst stolz auf dich sein. Die nächste wird bestimmt
noch besser.“
„Warum hast du alles zerstört?“
Diese Frage fing an, Vanessa peinlich
zu berühren. Es war ohnehin nicht gerade ihre glänzenste Tat und
dass Nicki so viel Herzblut in den kleinen Staat investiert hatte,
machte alles nur noch schlimmer. Aber sie ließ sich nichts anmerken
und ging stattdessen in die Offensive.
„Hast du nicht den Eindruck, dass du
dich ein bisschen zu sehr in diese Sache hineinhängst? Ich glaube
nicht, dass der Zauber hier einem Orkan wirklich viel
entgegenzusetzen hat, früher oder später wäre so was in dieser Art
doch ohnehin passiert.“
„Ist es aber nicht.“
„OK, aber sie haben mich beleidigt
und dann konnte ich einfach nicht anders, als mich ein wenig
auszutoben, wieso kannst du das nicht auch mal aus meiner Perspektive
sehen. Wir sind immerhin Menschen und das hier sind doch nur
Insekten, ich denke doch auch nicht darüber nach, wenn ich eine
Ameise zertrete, du etwa?“
Nicki seufzte. Er hatte keine Lust,
sich auf einen Streit einzulassen, den er nicht gewinnen konnte.
Egal, wie gut seine Argumente waren, Vanessa würde immer etwas neues
finden, um ihn zu kontern und einfach durch schiere Ausdauer
gewinnen. Dann konnte er es auch gleich sein lassen. Für den
Augenblick war er einfach froh, dass ihn jemand lieb hielt, auch wenn
es die Person war, die ihn in erster Linie verletzt hatte. Er hatte
doch sonst niemanden. Stattdessen blickte Nicki hinab, bis sein Blick
an ihren Füßen hängenblieb. Zwischenzeitlich hatte Vanessa Zeit
gehabt, sie in einer Pfütze zu waschen, sodass sie nicht mehr
blutverschmiert und sogar ziemlich sauber waren. Vanessa merkte, dass
Nicki nicht nur aus Trauer nach unten schaute und drückte seinen
Kopf jetzt leicht auf ihre Brüste. Sie war immer noch unglaublich
heiß von ihrer Zerstörungsorgie und sie bedauerte schon die ganze
Zeit, dass sie die kleinen Männer nicht nehmen konnten. Außerdem
war Nicki auch auf seine Art ein ziemlich hübscher Kerl, auch wenn
es keine maskuline, sondern eben eine ziemlich fragile Schönheit
war. Einen Mitleidsfick konnte er jetzt bestimmt ziemlich gut
vertragen. Sie wagte es einfach.
„Wieso starrst du eigentlich meine
Füße so an?“
Nicki lief knallrot an und rang um
Worte. Er versuchte, seine Vorliebe so gut es ging zu verheimlichen,
aber manchmal ließ er sich einfach gehen, wenn er dachte, dass er
mit einem verstohlenen Blick davonkommen würde. Bisher ist es auch
immer gut gegangen, aber jetzt fühlte er sich ertappt wie ein
Schwerverbrecher.
Das brachte Vanessa zum lachen. Sie
nahm sein Kinn in die Hand und richtete seinen Kopf wieder auf, aber
er wich immer noch ihrem Blick aus.
„Ist schon in Ordnung. Du bist nicht
der erste Mann, der darauf abfährt. Irgendwie finde ich es auch
süß.“
„Ehrlich. Denkst du nicht, dass ich
ein ziemlicher Freak bin?“
„Nein, natürlich nicht. Wenn du
wüsstet, wie viele Männer heimlich darauf stehen, würdest du dich
nicht schämen.“
Da drückte sie ihm auch schon einen
Kuss auf die Wange und fing an, ihn zu streicheln. Willenlos ließ
Nicki alles mit sich geschehen und schloss die Augen. Da ging Vanessa
in die Vollen und gab ihm einen langen Zungenkuss. Jetzt war sie sich
sicher, dass er es auch wollte und fing an, an Nickis Sachen
rumzufummeln und sich auch selbst zu entkleiden. Sie glitten zu Boden
und Nickis Schwanz war bereits bretthart als sie dort ankamen.
Vanessa ließ es langsam angehen und steigerte die Intensität ihrer
Bewegungen nur allmählich, wenn es Nicki zu schnell wurde, ließ sie
ihn wieder zu Atem kommen. Dafür, dass Nicki fast keine Erfahrung
hatte, war er mit der Zunge doch überraschend geschickt und er
berührte Vanessa an genau den richtigen Stellen.
Hätte sie doch früher auf die
Sensibelchen umgestellt, die maskulinen Kerle waren im Bett immer nur
an sich selbst interessiert.
Nach zehn Minuten kamen sie beide
gleichzeitig. Eine weitere Viertelstunde lagen sie noch zusammen,
wobei Nicki sich ganz eng an Vanessa ankuschelte. Das drumherum hatte
er komplett vergessen, er war wie verzaubert von Vanessa, die alte
Liebe ist wieder voll zurückgekehrt und brannte stärker als vorher.
Sie dachte nach, wieso sollte sie ihn
denn nicht fragen. Im Moment war sie Single und einen so
unterwürfigen Freund hatte sie vorher noch nie gehabt. Sie hatte ihn
bereits voll um den Finger gewickelt, er würde es nicht wage, ihr
einen Wunsch auszuschlagen. Dafür würde er ja auch auf seine Kosten
kommen.
„Sag mal, willst du zu mir auf einen
Kaffee? Ehrlich gesagt finde ich auch, dass es nicht die beste Idee
ist, nackt mitten in der Öffentlichkeit rumzumachen, das siehst du
bestimmt genauso?“
Überglücklich stimmte Nicki zu und
umarmte Vanessa noch einmal.
„Mal sehen wie du dich in einem
richtigen Bett schlägst. Wenn du gut bist, darfst du mir
anschließend auch eine Fußmassage geben.“