Als erstes würde ich mich um die Katapulte kümmern. Diese schossen noch immer, trafen jedoch bestenfalls meinen Oberschenkel und die Geschosse waren bereits zu klein, um mir noch ernsthaft zu schaden. Lästig waren sie aber allemal. Außerdem prallten sie von mir ab und richteten einges an Schaden in der Stadt an. Das mußte aufhören!
Weitere Wachstumsschübe blieben vorerst aus.Ob das Medallion Zeit brauchte, um sich irgendwie aufzuladen? Oder reagierte es nur auf akute Bedrohungen meiner Person? Wenn ja, würde ich wohl nicht mehr weiter wachsen. Katapulte waren wohl so ziemlich das bedrohlichste Kriegsgerät, was es zu der Zeit gegeben hatte. Wenn also nicht gerade eine echte Göttin aus dem Himmel stieg, mir Zeus höchst persönlich Blitze entgegen schleuderte, oder sich irgend eine andere mythologische Kreatur blicken lies, die man aus schlechten Filmen kannte, war ich wohl jetzt relativ unangreifbar.
Die Katapulte waren in meinen Maßstäben vielleicht gerade mal 7 Meter weg. Doch es ergab sich bereits das erste Problem mit meiner neu gewonnen Größe. Wie dort hin kommen? Dieses Stadtviertel war sehr Dich bebaut und die meißten Gassen waren hier bereits zu schmal für meine Füße. Ich würde ein paar Häuser zertreten müssen, wenn ich hier weg wollte. Doch wie wählt man aus, welche Häuser man zerstört, wenn man die Besitzer nicht kennt? Lieber kleine Häuser zertreten, um wenger Schaden anzurichten... die vielleicht ärmeren Familien gehören und die vielleicht kein Geld besaßen das Haus wieder aufzubauen? Oder größere Häuser der vermeintlich Wohlhabenden? Leute bestrafen, die sich vielleicht mit harter Arbeit etwas aufgebaut hatten?
Wenn ich mich weiter so verrückt machte, würde ich nur Migräne bekommen.
Wie sagte mein Vater immer? Wenn Du was im Leben erreichen willst, weniger denken und mehr handeln. Ich wußte nicht, ob er den Spruch in dieser Situation auch empfohlen hätte, da er an sich ein sehr friedliebender, sozialer Mensch war, aber es war das beste, was mir derzeit einfiel.
Also stapfte ich los. Häuser stürzten ein. Mal große, mal kleine. Menschen, die zwischen Häusern herumirrten und eine unglückliche Route für ihre Flucht gewählt hatten, landeten ebenfalls unter meinen Füßen. Ich überließ es schlicht dem Zufall, beziehungsweise meiner natürlichen Schrittlänge. Sollte das Schicksal entscheiden, wer oder was unter meine Füße geriet. Er würde es schon verdient haben. Ich sah gar nicht mehr nach unten, was und wer da unter meinen Füßen verschwand, sondern fixierte nur mein Ziel - die Katapulte.
Als ich nach etwa einem Dutzend Schritten vor Ort war, hob ich demonstrativ meinen rechten Fuß hoch über das erste Katapult und trat mit voller Wucht darauf. Es zerbarst in tausend Einzelteile. Die Erde bebte. Einige Soldaten wurden von ihren Füßen gerissen. Der Soldat der das Katapult bedient hatte, versuchte wegzurennen. Ich trieb ein grausames Spiel mit ihm. Ich hob meinen Fuß und hielt ihn dicht über dem armen Mann in der Luft, so dass er immer im Schatten meiner Sandale stand, die über ihm schwebte. Wenn er beim Laufen die Richtung wechselte, folgte ihm mein Fuß. Als ich Gefahr lief, dass er mir entkam, trat ich zu und zerquetsche ihn unter meiner Sohle. Mmmmh! Das fühlte sich gut an. Ich ertappte mich dabei wie ich sadistisch grinste.
Die anderen Katapulte räumte ich ebenfalls aus dem Weg. Weitere Soldaten gerieten unter meine Sandalen... nicht immer nur zufällig. Besonderen Spaß hatte ich noch mit einem Fackelträger. Ich twistete ihn aus wie eine Zigarette.
Verdammt! Was tat ich da? Was war mit mir geschehen? Ich löschte hier echte Menschen aus. Leute, die eine Familie hatten. Die nur Befehlen gehorchten... und es machte mir... Spaß!? Ja, ich fühlte mich gut... ich fühlte mich mächtig... aber so durfte ich nicht sein. Das war unmenschlich! Veränderte das Medallion meine Persönlichkeit? Oder war dieser Wesenszug schon immer in mir gewesen?
Eines wußte ich bestimmt, ich durfte nicht weiter wachsen - um meiner Seele willen nicht! Würden Menschen für mich nur noch so klein wie Ameisen sein, würde ich jedweden Bezug zu den kleinen Lebewesen verlieren. Wer machte sich schon groß Gedanken über Ameisen, die zufällig unter seine Füße gerieten oder wer käme je auf die Idee mit Ameisen etwas auszuhandeln? Ich war da keine Ausnahme. Schließlich wußte ich, was ich mit Ameisen bei mir zuhause machte, die sich in mein Haus verirrt hatten... das durfte hier nicht geschehen! Es waren Menschen!