Ach Kinners... ich schreibe etwas darüber, dass Unterbewusstsein und auch Triebe Einfluß auf das tägliche Leben und jede Entscheidung mit "Spielraum" haben, und ihr seht es gleich als plakative These das absoluten Idealismus... Lol! Da habt ihr den Thread-Trash-Lehrartikel prima umgesetzt...
Was Liebe angeht: Vielleicht ist es unromantisch, aber das Stirnhirn hat da eben so seine Funktionen, was Sozialverhalten angeht. Es hat da so seinen Einfluß, und das ist alles im Widerstreit miteinander. Der Mensch wägt ab, auch nach Gefühl und auch mit Gefühl.
Was dabei herauskommt, wenn das Stirnhirn ausfällt, oder wenn es z.B. beim Dialyse-Patienten langsam vor sich hinkümmert, ist in durchaus erschütternden Fallbeispielen belegt. Wenn es Euch interessiert, lest Euch ein.
Übrigens, auch das Stirnhirn und seine Funktionalität verdankt seine Existenz der Evolution - es trägt also zum Erfolg der Art "Mensch" bei.
Interessant wäre jetzt mal, wie weit das soziale Empfinden da so geht. Bei der Bindung Mensch zu Mensch gelten schon mal andere Grenzen, als bei der Bindung zwischen Mensch und Tier, wobei man noch das reine Haustier vom Nutztier trennen muss. Als was würde der Mensch nun gefühlsweise einen Winzling sehen? Ein Haustier wird bei einem Teil der Bevölkerung geradezu als Kinderspielzeug gehalten. Das Kind soll Verantwortung lernen - wenn ich "Käfighaltung" auf einer Eierpackung lese, kommt mir der Verdacht, dass es dem Huhn da besser gehen könnte, als manchem Kaninchen oder Meerschwein.
Also, welchen Status bekommt der Winzling? Ich glaube das hängt sehr stark von den Kommunikationsmöglichkeiten ab. Nehmen wir mal die gern gewählte Größe 2" also ca 5cm. Bis zu dieser Größe herunter wird der Winzling gut wahrgenommen und kann sich wohl schreiend auch verständlich machen. Ein Gespräch ist möglich und somit kann eine recht vielschichtige Beziehung aufgebaut werden. Jedenfalls über das reichen von Futter gegen Streicheln hinaus. Geht man mit der Größe weiter herunter, dann kommt man bei einem Zoll also 2,5cm recht zügig in den Bereich, in dem normale Kommunikation sehr schwer wird. Der Winzling wird leicht übersehen und überhört, vom Boden aus wird er von einem stehenden Menschen nicht verstanden, der Mensch müsste sich bücken oder niederknien und es braucht eine ruhige Umgebung. Auch die Mimik wird schwer erkennbar. Das leichte übersehen führt auch zu entsprechenden körperlichen Gefahren, die einen sorglosen Umgang miteinander verbieten. Sofort stellt sich die Anforderung an den normalen Menschen, sein Verhalten der Existenz des Winzlings erheblich anzupassen oder eben dessen Verletzung und Tod aus Unachtsamkeit "billigend in Kauf zu nehmen". Diese Anpassung erfordert schon eine recht weitgehende Anerkennung.
Gehen wir jetzt mal in den Extrembereich herab, nämlich auf Ameisengröße. Körperlänge 5mm, jedoch stehend, aber von oben aus relativer Nähe gesehen ein Querschnitt von weniger als 2mm. Eine Verständigung in Sprache ist selbst mit technischen Hilfsmitteln schwierig. Der "Mann im Ohr" ist ein nettes Bild, aber wer seine Ohren dafür sauber genug hält, bekommt vom HNO wohl einen Rüffel. Das bedeutet für den Winzling akute Lebensgefahr. Man kann das gar nicht alles aufschreiben in so einem Beitrag. Selbst auf weiss gefliestem Kachelboden kann man sich nicht sicher sein, einen solchen Fleck zu bemerken, selbst wenn man ein Auge auf den Boden hat. Es ergeben sich stets Alltagssituationen, wo das nicht geht. Hereinkommen in die Wohnung mit Einkäufen, auf dem Weg Post unter den Arm geklemmt, irgendwie durch die Tür gestolpert, usw. Die nötige Form der Rücksicht wäre extrem und würde ein normales Leben für den normalen Menschen unmöglich machen oder den Winzling irgendwo "hinsperren", wo er nicht unter die Füße kommen kann. Ein solcher Zustand, egal welche Variante, ist für beide Seiten unbefriedigend. Somit fragt sich auch, wie eine Beziehung aufgebaut werden soll. Von einem gesellschaftlichen "Umdenken" mal ganz zu schweigen.
Ich bin mir sehr sicher, dass eine sehr große Zahl von Menschen dazu nicht bereit ist, und schon bei einem der geringeren Größenunterschiede nicht zu einer "Anerkennung" bereit wäre. Man kann darüber streiten, ob Winzlinge ihr "Reservat" bekämen und ob es wirklich "geschützt" würde. Ich denke, es würde Schutzbemühungen geben, aber
1. erst nachdem Mißbrauch pressewirksam breitgetreten wurde, auf Basis von Spenden und eher dürftigen Staatsgeldern
2. nie in dem Maße, dass der Mißbrauch gänzlich verhindert werden würde.
Die Story "Shortcut" hat ein ähnliches Szenario.
Dass ein Winzling sich frei in unserem "Lebensraum" bewegen könnte, ist schon bei 5cm Größe sehr anzuzweifeln. Es würde sich einfach keine Mehrheit finden, auf so vieles zu verzichten. Wollt ihr die Ampelphasen so umgestellt haben, dass bei grün für Fußgänger kein Auto fährt, weil man im Dunkeln und bei Regen Winzlinge nicht sehen kann? Wollt ihr dann statt 20 Sekunden grün für Fußgänger eine 10 Minuten Grünphase für Winzlinge, damit auch die älteren Winzlinge ohne Herzinfarkt die Straße überqueren können (einfach mal nachrechnen, 180cm / 5cm = Faktor 36)? Oder wollt ihr bezahlen, dass auf jeder Kreuzung eine beleuchtete Unterführung für Winzlinge da ist? Und bitte den Ausgang nicht dort, wo die großen Hintreten, aber auch nicht an der Hauswand, wo die Großen ihre Hunde...!
Somit nochmal mein Standpunkt untermauert: Das wird die Gesellschaft nicht bezahlen wollen und das heißt, wenn Winzlinge "unter uns" leben wollten, würden sie auch zahlreich unter uns sterben. Und dann stellt sich für den Winzling die Frage nach den Alternativen. Ich selbst habe ein Story-Projekt in dieser Richtung, dass schon gut 6 Jahre unvollständig ist, indem die Winzlinge einfach eine ausreichende Vermehrungsrate haben und eine andere Einstellung zum individuellen Überleben. Aber zu dieser anderen Einstellung gehört definitiv auch der Mangel an Alternativen, also in diesem Falle an alternativen Lebensräumen.
Im ersten Moment scheint es die zu geben, aber mit etwas nachdenken kommen mir da Zweifel. Ich könnte mir Vorstellen, dass sehr kleine Winzlinge in der Stadt einen günstigeren Lebensraum vorfinden, als in von Menschen unberührter Natur. Kulturland kommt eventuell in Frage als Mittelding, eine Zwergensiedlung unter den Wurzeln eines uralten Baumes am Bauernhof wäre ja im Prinzip ganz gut geschützt, müsste sich natürlich gegen Ameisen, Vögel und "Kleinsäuger" verteidigen. Meine Story "Elricond" fällt mir dazu ein. Aber würde ein Baum am Straßenrand nicht weniger "tierische Gefahren" anziehen? Ameisen in der Stadt sind kleiner, Mäuse heute seltener, Ratten wühlen nicht unter Bäumen herum, weniger Vögel... Als Nahrungsquelle gleich der Mülleimer neben dem Baum erschlossen, da ist schon was denkbar.
Alles andere fällt aus. Eine einsame Insel ohne Tiere - also das gibt es nicht, Insekten krauchen überall herum - gut wer sich in der Stadt gegen sie durchsetzt, kann das auch auf einer einsamen Insel, aber wenn die mal überflutet wird ist Ende und das Gedankenspiel beginnt ja doch erst mit dem Kontakt zu unserer Zivilisation, oder?