Danke wieder einmal für die Kommentare. Ich merke schon jetzt, dass ich viel mehr wörtliche Rede benutze, als bei jeder anderen Geschichte bisher. Ich hoffe aber, dass das gut bei euch ankommt. Aber die Nacht kommt ja langsam näher und da kann ja so einiges passieren, was nicht viel Gerede bedarf 
Walpurgis Heimkehr
Als Oktavia wieder ins Zimmer kam, hielt sie ein Telefon in der Hand. Sie schloss die Tür hinter sich und ging langsam zum Schreibtisch, wo sie Johannes bereits erwartete. Sie setzte sich, ehe sie den Winzling fragte: „Wie lautet deine Telefonnummer?“
Er gab sie ihr und hörte, wie sie auf die Tasten drückte. Als sie alles eingetippt hatte, legte sie das Telefon vor Johannes. Selbst das Gerät, das ihm vertraut war und eigentlich nicht besonders groß war, wirkte neben ihn nun riesig.
Er hörte genau das Tuten, welches zwei Mal kam, ehe jemand abhob. Es meldete sich eine Frau, seine Mutter: „Schmitz.“
„Hallo Mama, ich bin es, Johannes.“, sagte der Winzling sofort. Er hoffte, dass seine Mutter nicht den Unterschied bemerkte.
„Oh hallo, Johannes. Wieso rufst du an?“, erklang es aus dem Telefon.
„Ich wollte nur Bescheid geben, dass ich heute nicht nach Hause komme. Ich übernachte noch bei einem Freund.“
„Okay, danke für den Anruf. Ich wünsche dir viel Spaß.“
„Danke Mama.“
Seine Mutter legte als erstes auf. Erleichtert atmete Johannes auf, ehe er zurückschreckte, weil Oktavias riesiger Arm nach den Telefon griff. Als sie aufstehen wollte, klopfte es an der Tür, ehe diese geöffnet wurde.
Johannes sah vom Schreibtisch aus, wie Walpurgis in das Zimmer trat. Anscheinend hatte sie sich umgezogen, da sie jetzt ein kurzes, schwarzes Kleid trug, welches einen großen Ausschnitt hatte.
„Ich hoffe, ich störe nicht, Oktavia.“, sagte ihre Mutter mit sanfter Stimme. Sie kam zum Schreibtisch, strich kurz ihrer Tochter über die rechte Schulter, ehe sie sich auf den Stuhl setzte.
Johannes bezweifelte, dass die Hexe ihn bereits bemerkt hatte. Jetzt wo sie in seiner Nähe war, fiel ihm noch mehr auf, wie aufreizend der Ausschnitt von Walpurgis war. Dazu waren ihre Brüste größer als die von Oktavia und kamen deshalb auch mehr zur Geltung. Doch Johannes widmete seine Aufmerksamkeit schnell wieder auf die deutlich jüngere Hexe.
„Selbst wenn du stören würdest, wäre es dir vermutlich egal. Aber was verschafft mir die Ehre, oh große Walpurgis?“, fragte Oktavia fast schon zynisch.
Ihre Mutter spielte kurz die beleidigte Leberwurst, ehe sie antwortete: „Ich wollte mir dir noch einmal wegen heute Nachmittag sprechen. Es tut mir Leid, was ich gesagt habe.“
Oktavia antwortete sofort: „Du solltest dich nicht bei mir, sondern bei Johannes entschuldigen. Dabei sagst du immer, wenn du mir Zauberer vorstellst, dass ich nicht zu voreingenommen sein soll...“
Walpurgis sah erstaunt auf Johannes. Für einen kurzen Augenblick trafen sich ihre Blicke und der Winzling schien schon fast zu spüren, wie mächtig die Hexe war. Ihre Augen wirkten trotz des jungen Anblicks alt und weise.
„Verzeih mir mein Verhalten, junger Mensch. Es war nicht richtig, vor deinen Augen so zu reagieren. Ich hoffe, Ihr könnt meiner jüngeren Tochter nachsehen, dass sie eine solche Dummheit angestellt hat.“
Johannes wusste nicht, was er darauf antworten sollte. Er hatte das Gefühl, dass es Walpurgis nur darum ging, die Wogen zwischen ihr und ihrer Tochter zu glätten. Er war sich sicher, dass es ihr immer noch vollkommen egal war, ob er jemals wieder seine normale Größe erreichen würde.
„War das alles, was du sagen wolltest?“, fragte Oktavia mit ruhiger Stimme.
Ihre Mutter schüttelte den Kopf, wobei ihr Vorbau stark wackelte. Johannes konnte deutlich sehen, wie die großen Brüste gegeneinander klatschten. Er errötete, weil ihn der Anblick ein wenig erregte.
„Er ist schon ziemlich niedlich. Vielleicht sollte ich mir auch mal einen süßen Menschen schrumpfen. Was hast du mit ihm vor?“, sprach Walpurgis, womit sie vermutlich vom eigentlichen Thema ablenken wollte.
Doch Oktavia funkelte sie wütend an. „Da du mir anscheinend nicht dabei helfen willst, ihn wieder wachsen zu lassen, wäre ich dafür, dass du augenblicklich mein Zimmer verlässt. Denn so langsam stört mich deine Anwesenheit gewaltig! Und nebenbei wird er heute Nacht in diesem Haus schlafen und ich sage dir jetzt schon, dass ich sehr, sehr, sehr böse werde, wenn ihm irgendetwas passiert!“
Zu Johannes Überraschung sprang Walpurgis auf, wobei ihr Vorbau erneut heftig wackelte, und stemmte ihre Hände gegen die Hüften. „Ich habe dir erlaubt, dass er dich besuchen kann, damit ihr Mathematik lernt und jetzt soll dieser Mensch hier in unserem Haus übernachten. Am besten noch in deinem Bett, habe ich recht? Nein, Oktavia. Das erlaube ich nicht! Das geht zu weit! Er ist ein Mensch. Er weiß jetzt schon zu viel über uns und wenn er noch mehr herausfindet, weißt du, was das für ihn heißt.“
Oktavia zitterte leicht. Johannes sah kurz, dass ihre Augen vor Wut funkelten, ehe die junge Frau diese schloss. Er spürte etwas, was er vorher noch nie gespürt hatte. Von Oktavia ging eine unglaubliche Ausstrahlung auf, die ihn erzittern ließ.
Plötzlich wurde die Tür aufgerissen, doch es trat niemand in das Zimmer. Stattdessen kamen mehrere Messer in das Zimmer gesaust, die sich alle auf Walpurgis richteten. Nach und nach schossen weitere Messer in das Zimmer, während Oktavia mit ihren langen Fingernägeln über den Schreibtisch kratze.
Mit dunkler Stimme sagte die junge Hexe: „Ich hätte nichts dagegen gehabt, wenn du es verboten gehabt hättest, wenn er noch seine normale Größe gehabt hätte, Mutter. Aber in seiner jetzigen Form lasse ich nicht zu, dass du ihn aus diesem Haus schmeißt. Solltest du dennoch darauf bestehen, werde ich ebenfalls das Haus verlassen.
Wenn du mich aufhalten solltest, werde ich gegen dich kämpfen und das würdest du bereuen. Ich erinnere dich gerne daran, was das letzte Mal passiert ist, als du mich wütend gemacht hast, Mutter.“
Der Boden begann leicht zu beben und Johannes meinte in der Luft ein Knistern zu hören. Im Moment hatte er große Angst vor Oktavia, deren Augen noch immer geschlossen waren. Er hatte sie noch nie so wütend gesehen und er hoffte, dass er sie auch nie wieder so wütend würde sehen müssen.
Spätestens jetzt war ihm bewusst, dass die junge Frau nicht gelogen hatte, als sie gesagt hatte, dass sie eine mächtige Hexe sei. Als er zu Walpurgis sah, wich er noch weiter vor der jungen Hexe zurück.
Ihre Mutter hatte die Augen ängstlich geweitet und starrte auf die vielen Messer, die auf sie gerichtet waren. Die schöne Frau schien vor Angst zu zittern und kurze Zeit später sank sie auf den Boden.
„Bitte, Oktavia. Hör bitte auf mich. Ich will doch nur das Beste für dich.“, stammelte sie verzweifelt.
Die vielen Messer sausten auf Walpurgis zu, die nun ängstlich aufschrie und die Augen schloss. Johannes aber konnte seinen Blick nicht abwenden. Er sah, wie die Messer wenige Millimeter vor dem Ziel stehen blieben und dann auf den Boden fielen.
Als Walpurgis tief durchatmete, hoben sich ihre Brüste deutlich. Johannes hörte, wie jemand ins Zimmer stürmte. Als er den Blick von Walpurgis abwandte, sah er den erschrockenen Ausdruck auf Patricias Gesicht.
Oktavia öffnete ihre Augen und stand auf. Sie blickte zu ihrer Schwester und meinte mit sanfter Stimme: „Ich wollte dich nicht erschrecken, Patricia. Es tut mir Leid.“
Walpurgis schien sich währenddessen von dem Schrecken langsam zu erholen. Sie erhob sich und sagte: „Deine Schwester und ich hatten eine kleine Meinungsverschiedenheit. Ich habe es wohl etwas übertrieben. Ich werde dann mal das Essen kochen.“
Sie bückte sich und hob die meisten der Messer auf, ehe sie mit diesen aus dem Zimmer ging. Patricia sah ihr kurz hinterher, ehe sie Oktavia besorgt musterte. „So einen schlimmen Wutanfall hattest du noch nie. Was ist los mit dir?“
Johannes merkte, dass sie kurz zu ihm blickte. Erst jetzt bemerkte er, dass er zitterte und schwitze. Als er zu Oktavia blickte, bildete sich ein Knoten in seinem Hals. Womöglich hatte er sich doch in ihrer Person geirrt. Die Oktavia, die sich ihm gerade gezeigt hatte, gefiel ihn überhaupt nicht.
Er hatte verstanden, dass sie wütend war, aber ihre Reaktion war viel zu heftig gewesen. Sie musste ihre Mutter wirklich hassen, wenn sie so weit ging und diese fast verletzte.
„Du verlierst die Kontrolle, habe ich recht?“, fragte Patricia, während Johannes sich gegen die Wand lehnte. Seine Atmung beruhigte sich langsam, doch so langsam wurde ihm bewusst, dass sich sein Traum langsam in einen Albtraum verwandelte.
Oktavia setzte sich wieder an den Schreibtisch, ehe sie Johannes traurig anschaute. „Ich verliere nicht die Kontrolle. Ich wollte nur jemanden beschützen, der wegen mir in Schwierigkeiten steckt.“
Johannes sah aus den Augenwinkeln, wie Patricia stumm nickte. Eine Weile sagte niemand auch nur ein Wort. Doch sagte die jüngere Schwester: „Ich gehe dann wohl besser wieder auf mein Zimmer. Wir sehen uns beim Essen.“
Danach verließ sie stumm den Raum und ließ Johannes alleine mit Oktavia, die den Laptop öffnete und irgendetwas tippte. Johannes sah sie dabei an und sagte leise: „Du hättest das nicht tun sollen.“
Sofort hörte die junge Hexe auf zu tippen und sah ihn an. Mit trauriger Stimme sagte sie: „Ich werde dafür sorgen, dass du wieder groß wirst. Anstelle des Buches werde ich erst einmal das Internet befragen. Vielleicht gibt es dort den ein oder anderen Anhaltspunkt.“
„Ich habe Angst vor dir.“, gab Johannes offen zu, als er sich leicht von der Wand abstieß und ein paar Schritte nach vorne machte. Es ging vorbei an mehreren Stiften, die in einem Glas aufbewahrt wurden. Sie ragten rechts von ihm in den Himmel.
Links von ihm befand sich der riesige Laptop, vor dem die riesige Oktavia gerade befand. Unter ihren Augen schimmerten leichte Tränen, die langsam ihre Wangen herunterflossen. Obwohl er Angst vor ihr hatte, tat es ihm weh, dass sie am weinen war. Umso schlimmer war es, dass sie wegen ihm am Weinen war.
„Du hast deine Mutter also schon einmal besiegt? Hattest du nicht gesagt, dass deine Ausbildung noch nicht fertig wäre?“, fragte der Johannes verwirrt.
Oktavia schien ihre Lippen aufeinander zu [lexicon='pressen',''][/lexicon] und sie wandte den Blick ab. Deshalb fuhr er fort: „Was hast du mir noch verschwiegen? Es scheint da ja noch das ein oder andere über dich zu geben, dass ich wissen sollte. Schließlich bin ich für die komplette Nacht dir Schutzlos ausgeliefert.“
Er sah, wie sie begann leicht zu zittern und weitere Tränen liefen ihre Wangen herab. Ihm war bewusst, dass er ihr gerade weh tat und etwas in ihm wollte ihr weh tun. Ein Teil von ihm hasste Oktavia für die Dinge, die bereits geschehen waren und noch geschehen würden.
„Ich habe die Wahrheit gesagt, als ich sagte, dass meine Ausbildung noch nicht abgeschlossen ist. Bloß weil ich bereits stärker als meine Mutter bin, heißt das noch lange nicht, dass ich eine komplett ausgebildete Hexe bin.“, sagte Oktavia traurig.
Sie wischte sich die Tränen aus dem Gesicht, ehe ihre Finger wieder über die Tasten des Laptops flogen. Mit nun entschlossener Stimme sagte sie: „Es ist mir egal, ob du mich hasst oder nicht. Ich werde einen Weg finden, dich wieder zu deiner normalen Größe wachsen zu lassen.“
„Du solltest nichts versprechen, was du nicht halten kannst, Oktavia. Aber ich bin dir dankbar, dass du das alles für mich machst. Du musst nur verstehen, dass es für mich halt nicht einfach ist.“, sagte Johannes nun traurig. Er bereute seine Worte und hasste sich dafür.
Oktavias linke Hand kam zu ihm herüber und legte sich sanft auf seinen Kopf. Die für ihn riesige Hexe streichelte ihm sanft den Kopf, ehe sie meinte: „Es ist meine Schuld. Du brauchst dich dafür nicht entschuldigen. Was hältst du davon, wenn ich dir nach dem Essen noch mehr von mir erzähle, bevor wir müde werden und ins Bett gehen?“
Johannes lächelte und nickte. „Das halte ich für eine gute Idee. Aber auch ich sollte etwas von mir erzählen. Es wäre ja unfair, wenn nur ich dich näher kennenlernen würde.“
Als sie nickte, begann sein Herz leicht schneller zu schlagen. Er verstand nicht, wie er Oktavia in einem Moment hassen konnte und kurze Zeit später mögen. Seine Gefühle schienen vollkommen außer Kontrolle zu sein.
Er fragte sich, ob es wohl der jungen Frau vor sich genauso erging. Zwar wirkte es so, als würde Oktavia ihn mögen, aber wusste nicht genau, wie sehr sie ihn mochte.
Ehe er weiter darüber nachdenken konnte, erklang plötzlich Musik, die vom Laptop stammte. Er schreckte zurück und fiel auf den Hosenboden. Oktavia kicherte leicht, ehe sie den Ton leiser machte.
Sie summte leise zur Melodie, die eindeutig vom einem Film oder einer Serie stammen musste. Die Violinen spielten eine dramatische Musik, die wohl zu einer der späteren Szenen gehörte.
Oktavia tippte währenddessen weiter etwas ein und schien danach zu lesen. Langsam ging Johannes am Laptop entlang, ehe er auf den Bildschirm schaute. „Was ist das für eine Seite?“
Die Hexe sah ihn kurz an, ehe sie sagte: „Es handelt sich um eine Plattform, über die alle Zauberkundigen Wesen kommunizieren können. Ich hatte gehofft, dass hier womöglich jemand ein ähnliches Problem gehabt hatte. Aber bisher konnte ich noch nichts finden.“
In ihrer Stimme hörte er eine gewisse Enttäuschung. Doch Oktavia suchte weiter und las dabei sehr schnell die Seiten. Es schien so, als würde sie die Zeilen nur überfliegen.
„Könntest du nicht einfach nachfragen, ob jemand eine Lösung weiß?“, fragte Johannes neugierig.
Oktavia schüttelte den Kopf und errötete. Schüchtern sagte sie: „Ich benutze geraden Account meiner Mutter. Sie würde mich sicherlich auf einen Scheiterhaufen werfen, wenn ich so etwas schreiben würde.“
Johannes sah sie perplex an. „Sagtest du nicht eben noch, dass du stärker als deine Mutter wärst?“
Oktavia nickte und sagte: „Das bin ich auch. Ich möchte nur nicht noch mehr Ärger mit meiner Mutter, als ich eh schon habe. Schließlich bin ich so schon eine sehr böse Tochter, die nie tut, was ihre Mutter ihr sagt.“
Johannes verstand zwar immer noch nicht wirklich, warum Oktavia in der Hinsicht so viel Angst vor ihrer Mutter hatte, aber irgendwie beruhigte es ihn, dass sie ihre Mutter doch nicht so zu hassen schien, wie sie angenommen hatte.
Er glaubte zu wissen, dass in Wahrheit Oktavia ihre Mutter liebte, dass nur nie offen zeigte. Vermutlich war das Problem, dass sie beide nicht die Ansichten des Gegenüber akzeptieren konnten.
Als Oktavia weiter im Internet suchten, flogen plötzlich die restlichen Messer aus dem Zimmer. Es war unheimlich und obwohl Johannes nichts von Magie verstand, glaubte er zu wissen, dass die Magie von der jungen Hexe ausging.
Bis Walpurgis sie zum Essen rief, fand Oktavia keine Lösung. Aber Johannes hatte auch nicht damit gerechnet, dass es einfach würde. Kurz fragte er sich, ob die Hexe überhaupt eine Lösung finden wollte, doch diesen Gedanken verwarf er, als sie ihn sanft nahm und mit ihm nach unten zum Essen ging.
Er war gespannt, was Walpurgis wohl gekocht hatte und ob er davon auch etwas abbekommen würde. Sein Magen meldete sich jedenfalls und knurrte. Doch er war anscheinend nicht der einzige, der Hunger hatte, da es hinter ihm auch laut knurrte...