Kapitel 4
Jessica bückte sich und schnappte sich den Kerl wieder, dieses Mal bei den Beinen. Auf dem Kopf, wie ein Fisch der beim Schwanz festgehalten, ging der Imbissbudenbesitzter wieder in die Höhe. In seiner Wut merkte er allerdings nur vage dass er nicht nur hochgehoben wurde, sondern dass die Riesin wieder angefangen hatte zu wachsen.
Der Mann sah den Boden und ihre enorm langen Beine, die in ein paar Füße endeten die ungefähr so groß waren wie ein normaler Mensch lang war. Jessica war nun schon zu 15 Meter herangewachsen und drehte ihm langsam in ihrer Hand um, als ob er nicht schwerer war wie ein Hering den sie gleich verspeisen würde. Er sah nun ihr riesiges Gesicht.
"Ich hatte mich wohl nicht klar genug ausgedrückt, wie?" knurrte Jessica, die ihre Wut kaum zurückhalten konnte.
Wieder lief sie zum Imbiss, obwohl sie jetzt dafür gerade mal zwei Schritte brauchte. Sie war ja 15 Meter groß. Angekommen trat sie kräftig gegen die Wand des Gebäudes. Ihr gigantischer Fuß krachte mit ein riesiges Donnern durch Fenster und Mauerwerk. Schutt und Splitter flogen in jede Richtung, der Radau konnte man noch drei Blocks entfernt hören.
Jessica trat zu, fünf-, sechs-, siebenmal. Der kleine Kerl hielt sie währenddessen hoch bei seinen Armen, mit dem Gesicht zum Gebäude damit er alles sehen konnte. Jessica scherte sich nicht darum das es nicht nur seine Imbissbude und Wohnung war die sie zerstörte, sondern auch noch das Zuhause von elf Familien die nichts mit der ganzen Sache zu tun hatten. Auch ihre Zimmer wurden zerstört, die Möbel vernichtet und Leben genommen.
Nach etwa ein dutzend Tritte brach das Bauwerk donnernd in sich zusammen. Jessica sprang auf den Schutt und zertrampelte ihn ordentlich. Nichts außer kleine Steine, Holzsplitter und verbogenes Metall mit den blutigen Überresten der Bewohner blieb übrig.
Jessica drehte den Kerl zu sich. "Bist du JETZT still?" fragte sie. Der Mann sah sie nur schockiert an.
"MACH' DEINEN VERDAMMTEN MUND AUF!!!" schrie sie als keine Antwort kam.
Da tat der Mann das Unfassbare. Er fing wieder an zu fluchen und drohen, er würde sie vors Gericht bringen, sie umbringen, ihre Bude anfackeln, blah, blah, blah.
Jessica war zugleich beleidigt und erstaunt. Was für ein frecher, kleiner Wurm! Kaum so groß wie ihr Zeigefinger aber immer noch eine große Schnauze! Sie würde ihn eine weitere Lektion erteilen. Mit den Kerl immer noch in ihrer Hand, wuchs sie wieder.
18 Meter ... 20 ...24 .... Jessicas Körper expandierte schnell. Jedes der Bruchstücke des demolierten Gebäudes die größer als eine normale Hand waren zersplitterte nun unter ihr immer größer werdendes Gewicht. Jessica wuchs zu 30 Meter heran und schaute auf ihren immer kleiner werdenden Feind. Er blieb rumfluchen und drohen, offenbar bemerkte er gar nicht, dass sie wieder wuchs.
Jessica erreichte die 50 Meter, ihre Schultern waren jetzt auf gleicher Ebene wie ein Bürogebäude das in der Nähe stand. Ihr Schatten verdunkelte zehn Häuser, und die Sohlen ihrer Flip Flops bedeckten das ganze Fundament des vor ein paar Minuten zerstörten Imbisses.
65 Meter. Jessica stoppte das Wachstum. Der Mann erschien sie nun kaum zwei Zentimeter groß. Sie nahm ihm bei die Rückseite seines Hemds zwischen Daumen und Zeigefinger und hielt seine winzige Gestalt dicht an ihrem Gesicht. Er war endlich aufgehört mit das nutzlose rumgezetere. Zwar trat er immer noch wild um sich, aber nicht mehr aus Wut, sondern um weg zu kommen.
Die Riesin sah ihm an. Wie stark sie war! Sie konnte einen erwachsenden, etwas dickeren Mann einfach zwischen Daumen und Zeigefinger halten! Sie, die heute Morgen noch ein kleines, unwichtiges Mädchen gewesen war, die es gerade mal schaffte, ein Kind hoch zu heben. Nun spürte sie kaum das Gewicht eines Erwachsenen wenn sie ihn hochhob und vors Gesicht hielt wie ein Legomännchen.
Jessica begriff nun was für eine Macht und Kraft sie hatte. Sie konnte Autos, Busse, sogar Zugwagen als ob es Spielzeug war hochheben. Sie konnte die größten Bäume wie Unkraut aus den Boden reißen. Vielleicht sogar ein Wolkenkratzer... Sie stellte sich vor wie sie ein Baum aus den Boden riss, dessen mächtige Wurzeln keine Chance hatten gegen ein zucken ihrer Muskeln. Das Fundament eines Hauses konnte sich nicht messen mit die Kraft ihrer Bizeps. Das alles und noch mehr war möglich. Es war so überwältigend. Ihre Wut war inzwischen völlig weg.
Jessica versuchte sich die Kraft ihrer Muskeln vor zu stellen. Wie viel konnte sie eigentlich hochheben? Tonnen, ohne Zweifel. Unzählige Tonnen. Und wie viel Joule an Energie verbrauchten ihre Armmuskeln wohl? Freudentränen bildeten sich in ihre Augen als sie den Umfang ihrer neuerworbenen Macht endlich völlig begriff. Sie war eine Göttin! So stark, so mächtig! Und sie liebte es! Nach ein Leben voller Demütigungen, nach immer den Wurm gewesen zu sein und als Ziel zahlreicherer Hänseleien fungiert zu haben, war sie nun ganz oben. Wörtlich.
Jessica sah auf den immer noch wild tretenden Winzling den sie so leicht festhielt. Auf einmal musste sie lachen. Unkontrolliert Lachen. Sie konnte sich nicht mehr zusammenreißen, aber es war so komisch als sie den kleinen Kerl zwischen ihre Finger zappeln sah. Jessica krümmte sich vor lachen. Sie hielt die andere Hand vor ihrem Mund, als ob sie sich schämte. Es war irrwitzig, den kleiner Imbissbudenbesitzer so hilflos und winzig zu sehen, an sein Hemd von zwei Finger hochgehalten. Die Gigantin versuchte mit dem Lachen auf zu hören, aber immer wenn sie den kleinen Mann sah, bekam sie einen neuen Lachanfall. Ihr Bauch schmerzte schon, aber das war egal. Es fühlte sich großartig an und es war ja auch sehr komisch. Sie wusch sich die Tränen aus den Augen, sie konnte nicht mehr.
Der Spaß endete abrupt als das Hemd des Mannes riss und er herunterfiel. Noch bevor Jessica reagieren konnte, fiel er gegen ihre linker Brust, schlug von dort aus auf ihr Bein und landete schließlich auf ihre Zehen. Der Aufprall seines zerbrechlichen Körpers (gegen Jessicas) auf die großen Zehen der Riesin töteten ihm auf der Stelle.
Etwas schockiert sah Jessica auf ihre Zehen. Die Leiche lag zwischen ihren zweiten und dritten Zeh. Es war nicht ihre Absicht gewesen, den Kerl zu töten, wie frech er auch war.
"Verdammt“, sagte sie leise, und lies der Stofffetzen des Hemdes fallen. Nun hatte sie, obwohl es nicht ganz ihre Schuld war, jemanden umgebracht. Sie dachte nicht an die Menschen im Imbissgebäude. Aber sie hatte ja auch keinen gesehen während sie das Bauwerk zerstörte.
Ihre Gedanken änderten sich jedoch schnell. Er war nur ein kleines, lästiges Insekt gewesen. Und es war nicht ihre Schuld dass sie einen so großen, gewaltigen, phantastischen Körper hatte. Kein Mann konnte daran entlang herunter fallen ohne getötet zu werden auf ihre schönen, mächtigen Zehen. Mit einer kleinen Trittbewegung flog die Leiche auch schon weg und landete zwischen eine Gruppe Schaulustiger.
Jessica, die sich nun umschaute, sah dass sie schon sehr viel Aufmerksamkeit errungen hatte. Klar, sie war ja 65 Meter groß, aber bis jetzt hatte sie sich nur mit dem Imbissbudenbesitzer beschäftigt. Es war eine wunderbare Aussicht, die Käferähnlichen Menschlein um ihre Füße herum stehen zu sehen. Füße die nun locker 10 Meter lang waren. Mini-Männer und -Frauen guckten zu ihr hoch. Manche waren schockiert, andere nahmen Fotos und einer, bemerkte sie, lief in großen Schritten ihren Fuß entlang, offenbar um ihn zu messen. Jessica war für sie alle einen lebendigen Turm, wie den einer Kathedrale, aus Fleisch und Blut. Wie gigantisch sie doch war!
Jessica grinste. Es war Zeit mit ihren kleinen Fans da unten etwas Spaß zu haben.
Fortsetzung folgt (nächste Woche)