Beiträge von Vaalser4

    Kapitel 10


    Wahrend Heinz sich auf seinem Fahrrad einen Weg durch die Trümmer Berlins rang, lief die fast neun Kilometer große Giga-Riesin in ihrem typischen, langsamen Schritt gen Indien. Wie ein Roboter stampfte sie quer durch Europa, auf alles tretend das sich unglücklicherweise in ihrem Weg befand. Ganze Dörfer endeten unter ihren Sportschuhen, die etwa anderthalb Kilometer langen, dreiviertel Kilometer breiten Latschen bedeckten die Orte vollständig.

    Es war so bizarr. Den einen Moment war da ein Dorf, vier, fünf Straßen mit Häusern, Kirche in der Mitte. Bäume und Autos standen überall. Und dann erschien ein gewaltiger Fuß, an dessen Sohle sogar denrherausragenden Kirchturm nicht herankam, um innerhalb einer Sekunde die gesamte Idylle zu bedecken. Alles wurde zertreten, alles in den Boden gedruckt unter dem unfassbaren Gewicht der Riesin. Als sich der Fuß wieder erhob, sah man in den etwa 50 Meter tiefen Abdruck nur noch Schutt und Trümmer.

    Nichts konnte sich der gigantischen Basketballspielerin widersetzen. Sie plättete Hügel wie Maulwurfshügel, viele Quadratkilometer Wald zerkrachte zu braunem Matsch unter den schier unzerstörbaren Sohlen ihrer Sportschuhe. Um jene herum bildeten sich Risse in der Erde worin ganze Landschaften verschwanden, wenn diese nicht schon durch die gewaltigen Beben ihrer Schritte grundlegend verändert waren.

    Der Basketball, jetzt etwa einen Kilometer Durchmesser, schlug ebenfalls mit enormer Wucht auf den Boden. Die Riesin dribbelte einfach weiter, alle zwei, drei Sekunden ließ sie, ohne hinzuschauen, den Ball fallen und fing ihn geschickt wieder auf.

    Da, wo dieser landete, plättete er alles. Sogar die solidesten Häuser flogen auseinander, als ob man eine reife Tomate voller Wucht mit einem Vorhammer schlug, wenn der Ball auf sie traf. Sowohl er, als seine Eigentümerin, schienen nicht aus Leder, Fleisch und Blut zu sein, sondern aus einem Material härter als Diamant. Auch die Schuhe und Basketballkleidung.

    Die Riesin verließ Deutschland und lief in die Tschechische Republik. Sehr zum Leidwesen der Tschechen befand sich die schöne Stadt Brno auf ihrem Weg.

    Die alte, touristische Universitätsstadt bebte und zitterte als die Riesin langsam (verhältnismäßig) am Horizont erschien. Als ob sie auf einer Rolltreppe stand, so schien es als sie immer näher kam. Zwei, drei Schritte, die ersten Bauwerke hatten kaum Zeit, unter den Beben einzustürzen, und schon trat sie völlig uninteressiert auf Brno.

    Ein gewaltiger Donnerschlag. Ein riesiges Beben. Kilometerlange Staubwolken. Dann erhob sich der Sportschuh wieder. Ganze, völlig zerbröselte Stadtteile fielen von der Sohle runter. Das, was von Brno übriggeblieben war, wurde zu allem Überfluss auch noch von einem Orkan erwischt, entstanden aus einem Luftzug welche ebenfalls der gewaltigen Masse der neun Kilometer großen Riesin zu verdanken war während sie sich fort bewog.

    Der Schutt Brnos wirbelte wie wild herum, Millionen Tonnen Gestein wurden einfach wie Staub zur Ferse der weiterlaufenden Riesin gesogen. Sie hatte eine solche Macht! Einfach indem sie an einer Stadt vorbeiging wäre jener Luftzug schon ausreichend, und diese völlig aus dem Boden zu saugen. Und trotzdem hatte sie nur einen Gedanken, ein Ziel. Nach Indien gehen, da, wo der Pfeffer wachst. Das hatte sich der Trainer schließlich gewünscht....


    Fortsetzung folgt.

    Kapitel 9

    BUMM!

    Der erste Schritt der fast neun Kilometer großen Riesin ließ ganz Berlin zittern. Kleinere, unstabile Bauwerke stürzten ein, Bäume fielen um, der Boden riss auf. Riesige Spalten bildeten sich und verschlangen Autos, Menschen und ganze Gebäude. Heinz hatte kurz den Eindruck, er stünde auf einem Wasserbett bevor er erneut rückwärts fiel. Sein eigenes Haus kollabierte. Die meisten anderen in der Gegend ebenfalls.

    Ein kleineres Beben folgte als sie mit dem Ball dribbelte. Der Bundestag war eines jener Gebäude, die er erwischte und völlig vernichtete.

    BUMM!

    Zweiter Schritt. Weil die Riesin jetzt ein Stück weiter entfernt war, gab es weniger Schaden in Heinz' Umgebung, aber umso mehr da, wo sie gerade hintrat.

    Heinz sah wie sich die Riesin von ihm entfernte, weit weg inzwischen aber immer noch den Horizont dominierend mit ihrer unfassbaren massiven Gestalt.

    Heinz stand auf und hielt die Affenpfote hoch.

    "Verschwinde! Ich will, das du dich in nichts auflöst!" schrie er.

    Nichts.

    "Ich wünsche, das es dich niemals gegeben hat, du größte Spielerin!", rief er.

    Wieder nichts.

    Der Trainer verzweifelte. Die Affenpfote bewog sich nicht, und wie er es auch formulierte, die Riesin war immer noch da, langsamen Schrittes laufend, wie eine untergehende Sonne hinter den Horizont verschwindend. Die Beben ließen auch nach, obwohl Heinz sie immer noch spüren konnte.

    Er tastete schwer atmend in seine Hosentasche und holte sein Handy heraus. Er musste Gustav sprechen!

    "Du hast doch gesagt, das Ding wäre nicht länger verflucht?", jammerte Heinz, nachdem er seinen alten Kameraden alles erklärt hatte.

    "Ist es auch nicht, ich habe es mir selber gewünscht. All meine Wünsche sollen so erfüllt werden, wie..."

    "Warte! All deine Wünsche?"

    "Ja, das... oh. Scheiße!" fluchte Gustav.

    "Logisch, dass diese verdammte Pfote mir so ein Monstrum auf den Hals hetzt! Und das sie mir nur drei Wünsche gewährt! Jetzt haben wir hier ein Monster, Gott weiß, wie groß, das auf dem Weg ist nach, ja wohin?"

    "Die Gewürzinseln im Indischen Ozean... oder Indien selber," antwortete Gustav leise und entsetzt. "Da wächst der Pfeffer."

    "WAS? Soll das heißen, das dieses Wesen, das ganze Dörfer auf einmal zertreten kann, auf den Weg nach Asien ist? Weißt du was das heißt?" schrie Heinz.

    "Scheiße, ja.... Es gibt nur eine Lösung. Komm zu mir, dann wünsche ich sie weg. Nein, besser, ich wünsche uns zurück in die Zeit, und das du dir die Affenpfote niemals ausgeliehen hast. Dann können wir alles wieder gerade biegen... hoffentlich." sagte Gustav.

    "Ja. Ja, das ist gut. Bin unterwegs," sagte Heinz, schaltete das Handy aus, nahm das Fahrrad und machte sich auf den Weg.


    Fortsetzung folgt.

    Kapitel 8


    Heinz sah sich nervös um. Die wild hin und her schwenkende Pfote hatte sich wohl von der Kette gelöst als er hingefallen war. Er sah neben das Gebüsch und sah sie liegen. Seufzend vor Erleichterung hob er sie auf.

    Auf einmal wurde es dunkel, als ob Wolken vor der Sonne trieben. Heinz drehte sich um.

    Erst wusste er nicht, was es war, was er in der Ferne sah.

    Etwas weißes.

    Und es streckte sich über fast den gesamten Horizont aus.

    Mit Schrecken erkannte der Trainer es als einen gigantischen Sportschuh.

    Seine Augen glitten ihn hoch, riesige Socken entlang, gefolgt von einer Mauer aus Fleisch.

    Er drehte sich etwas und legte sein Kopf im Nacken. Das größte Gesicht, das er jemals gesehen hatte, sah ihm an. Es war dieselbe Riesin.

    Aber dieses Mal war sie noch größer.

    Viel, viel größer!

    Sogar mit den Beinen verhältnismäßig kurz auseinander stehend konnten dutzende Züge nebeneinander unter diesen hindurchfahren. Die Giga-Riesin ragte so hoch in den Himmel, dass die Wolken um ihre Hüfte spielten. Der Ball, unter ihrem Arm, passte noch nicht einmal in die größte Sporthalle. Und das Gesicht zeigte auch jetzt keine Emotion.

    "Nein...", jammerte Heinz kopfschüttelnd und fast weinend. "Nein, nein, nein!"

    Was hatte diese verfluchte Pfote den jetzt getan? Heinz erinnerte sich an Gustavs Worte, das er entweder die Pfote oder die Kette berühren musste, wenn er sich etwas wünschte. Er realisierte sich, dass die Pfote von der Kette gefallen sein musste durch den Aufprall ihres Balles, und das deshalb der von ihm ausgesprochene Wunsch nur Teilweise in Erfüllung gegangen war. Eine Spielerin die alles überragte... ja, nach dem Wort „überragt“ muss sich die Pfote wohl gelöst haben.

    Statt eine 250 Meter Riesin welche mit ihren wohlgeformten Beinen durch Hochhäuser, soliden Häuserblocks und uralte Kathedralen laufen konnte und diese wie nichts zerbröselte, hatte er jetzt eine Riesin da stehen welche hunderte Bauwerke unter einen einzigen Schuh wie nichts zertreten konnte, als ob es Streichholzschachteln wären.

    Eine Riesin welche genau 8.850 Meter maß, einen Meter größer als der Mount Everest.

    Sie überragte so alles.

    "Gegen wen spielen wir?", fragte sie.

    Der Trainer sah sie an und musste fast weinen. Das war doch unmenschlich, ungerecht!

    "Hau'ab, verdammt noch mal! Weg! Du sollst dahin gehen, wo der Pfeffer wächst!" schrie er vor Wut.

    Als Heinz spürte wie sich die Affenpfote in seiner Hand kurz bewog, erschrak er erneut.


    Fortsetzung folgt.

    Kapitel 7


    Unter den Linden ist breit. Die Riesin konnte, ohne Gebäude zu zerstören, über der Straße gehen, auch wenn es ihr bisher nicht gekümmert hatte, Gebäude zu zerstören.

    Ein imposanter Bagger, mächtig und stark genug um ein ganzes Wohnviertel abzureißen, verschwand widerstandslos unter ihrer Sohle, zusammengepresst wie nichts. Die starke Maschine konnte sich die Masse der Riesin nicht widersetzten, ein stummer Beweis für ihre Macht. Auch einen imposanten LKW, mit zwei großen Anhängern aus Stahl, zertrat sie wie eine Getränkedose aus dünnem Metall. Der Fahrer konnte sich noch gerade aus der Kabine retten bevor der Fuß der Riesin sein LKW flacher als einer Münze presste.

    Bumm! Die Riesin lief gegen einen Baukran, welche ihr kaum bis ans Knie reichte. Das Ding fiel um, landete auf ein mehrstöckiges Hotel, richtete allerdings nur wenig Schaden an. Konnte man nicht von der Riesin sagen, die gerade das Reiterstandbild des Friedrich den Großen unter ihren Sportschuh begrub. Ihr Ball hatte inzwischen eine Straßenbahn und zwei Dutzend Straßenlaternen zerstört.

    "Nur noch eine Straße," dachte Heinz, immer noch wie wild radelnd. Dann war er zu Hause.

    Er wollte sich hinter sich sehen, tat es aber nicht. Er hörte die Menschen schreien, und manche Schreie verstummten urplötzlich als die Riesin die Schreienden zertrat. Ohne Rücksicht auf Leben lief sie einfach weiter, nur auf Heinz und Basketball fixiert. Die unzähligen Opfer unter ihren Schuhen, dessen Überreste unter ihren Sohlen klebten, schienen nicht existent für sie.

    Heinz nahm eine Kurve und sah seine Wohnung in der Ferne. Endlich! Angekommen sprang er vom Fahrrad, machte so schnell es ging die Tür auf und rannte ins Wohnzimmer. Da lag die Affenpfote in jener Schachtel, welche Gustav ihn gegeben hatte. Er nahm sie und ging wieder nach draußen.

    Die Riesin lief langsam auf Heinz' Haus zu und lies weiterhin ihren Ball auf den Boden prallen. Von unter ihren hochragenden Schuhspitzen tropfte Öl und Blut. Mit der Ferse trat sie auf der Motorhaube eines Autos.

    Heinz stand in seinem Vorgarten, die Affenpfote an der Kette festhaltend. Beim jeden Aufprall des Balls verlor er fast sein Gleichgewicht. Er sah, dass sich im Asphalt riesige Gruben gebildet hatte, wo der enorme Ball gelandet war.

    Er hielt sich fest am Holzzaun und hielt die wegen den Beben wild hin- und her schwenkende Affenpfote an der Kette hoch.

    "Verschwinde!" rief er. "Ich will eine Spielerin..."

    BOING! Er fiel fast um, als die Riesin wieder dribbelte und einen weiteren Schritt auf ihm zu tat.

    "... welche alles überragt..."

    BOING! Heinz fiel rückwärts. Zum Glück landete in einem Gebüsch, das den Sturz linderte.

    "... was ihre FERTIGKEIT im Basketball betrifft!", schrie er.

    Die Riesin war auf einmal weg. Kein Blitz, kein Donnerschlag. Einfach weg.

    Heinz, schwer atmend, krabbelte hoch aus dem Gebüsch. "Verdammte Scheiße!" fluchte er.

    Er sah auf das Loch im Boden wo ihr Ball aufgeschlagen hatte. Das Auto, worauf sie getreten hatte, war reif für den Schrottplatz, die Motorhaube lag plattgedrückt in einen gigantischen Fußabdruck.

    Von denen gab es noch mehr. Da, wo die Riesin gelaufen war, sah man ihre Fußabdrücke, mit darin platte Autos, zerbrochene Bäume oder zerbröseltes Mauerwerk.

    "Oh Mann. Und das alles wegen dieser..." er sah auf die Kette und erschrak.

    Die Affenpfote war weg.


    Fortsetzung folgt.

    Kapitel 6

    Der enorme Fuß, steckend im schweren Sportschuh, traf das Brandenburger Tor. Die Säulen flogen darauf schlagartig auseinander, die Quadriga fiel runter, landete auf dem Schuh und taumelte anschließend den gigantischen Schnürsenkel entlang, mittlerweile in Einzelteile zerfallen, auf den Boden. Das alles begleitet von einem unheimlichen Donnern.

    Die Menschen ums nun zerstörtem Tor rannten in alle Windrichtungen, sie flohen vor der Riesin und um den herumfliegenden Trümmerndes Brandenburger Tores zu entkommen. Die gigantische Basketballspielerin schien das alles nicht zu interessieren. Sie trat sogar auf ein paar Trümmer, worunter zwei Opfer lagen, und erlöste diese so aus ihrem Elend.

    Genau wie am Sportplatz blieb die Riesin ein paar Dutzend Meter von Heinz stehen und sah auf den Trainer herab.

    BOING! Der Ball prallte mit voller Wucht auf den Boden. Heinz konnte sich kaum auf den Beinen halten. Geschickt fing die Riesin ihm ohne zu schauen auf und steckte den Ball abermals unter ihrem Arm.

    "Machen wir Lockerungsübungen?", fragte sie. Ihre Stimme war nicht laut oder tief, es klang so, als ob eine normalgrosse Frau neben Heinz stand.

    Die Riesin sah stumm auf ihm herab. Heinz, schwer atmend, sah sie an. Der Anblick war so surreal. Sein Hirn konnte die gewaltige Masse an Frau, welche da vor ihm stand, kaum verarbeiten, alleine schon ihre Füße waren einfach unglaublich. Unter einer Spitze ihrer Sportschuhe lag ein Mann, unverwundet, der langsam und kreidebleich darunter wegkrabbelte. Mit den anderen Fuß stand sie auf Trümmern einer Steinsäule des Tores, welche unter ihrem Gewicht zu Pulver zerbröselt war.

    Manche Menschen blieben stehen und blickten ebenfalls zu ihr hoch. Ein paar weinten hysterisch, andere waren nur sprachlos. Aber es gab auch ein einige, welche auf die Knie gefallen waren und die Hände zusammengeschlagen hatten, als ob sie die Riesin anbeteten.

    Eine Gruppe japanischer Touristen machten Fotos und filmten sie, zwei von denen rieben sich sogar zwischen ihre Beine. Der Trainer sah, dass die Riesin weiterhin unverwundet war. Sogar ihre Schuhe waren makellos, keine Kratzer, nichts. Und das, obwohl sie durch zahllose Gebäude gelaufen war und ihre Beine mehrere Viadukte und Zugbrücken gerammt hatten. War sie tatsächlich unzerstörbar, wie er schon vermutete? Konnte sie problemlos durch das solideste Material hindurch gehen, ohne auch nur ihre Schuhe zu zerkratzen oder ihre Socken zu zerreißen?

    Der Anblick dieses Ungetüm gab Heinz neue Kraft. Ohne zu antworten sprang er auf das Rad und radelte weiter, wie wild die "Unter den Linden" Straße herab. Er brauchte weder die Beben zu spüren vom Aufprall ihres Balles, noch ihre Frage, gegen wen sie spielen würde, zu hören, um zu wissen, dass die Riesin ihm abermals folgte.


    Fortsetzung folgt.

    Kapitel 5

    Eine Straßensperre! Auch das noch! Metallzäune, Rot- weiße Plastikstreifen und ein paar quer geparkte Streifenwagen. Heinz fluchte und sprang aus seinem Wagen. Überall um ihm herum rannten und schrien Menschen, hupten Autos und heulten Sirenen. Polizisten versuchten verzweifelt, die panischen Menschen ordnungsgemäß weiterzuleiten, aber es hatte kaum Sinn. Es herrschte das Chaos.

    Heinz sah hinter sich. Die Riesin kam langsam laufend näher und guckte ihm immer noch an, ihr Gesicht weiterhin ohne Emotion. Was für eine gewaltige Frau! Heinz konnte sich diesen Gedanken einfach nicht verkneifen. Er musste zugeben, wäre sie normallgross, jedenfalls normalgross für eine Basketballspielerin, hätte er sie durchaus mittrainieren lassen.

    "Sie tötet uns alle!"

    Das Jammern einer Frau neben ihm brachte ihn wieder zurück in die Realität. Heinz musste weg, nach Hause. Er sah sich um. Da lag ein verlassenes Fahrrad. Damit konnte er weiter.

    Heinz rannte hin, griff es und radelte, die Befehle schreienden Polizisten ignorierend, blitzschnell durch die Sperre. Ein Polizist versuchte noch, ihm zu greifen, aber Heinz war schneller. Am anderen Ende der Sperre angekommen legte er einen Zahn drauf und radelte, was das Zeug hielt.

    Die Riesin verfolgte ihm weiterhin. Die Straßensperre beendete sie effizient.

    Sie trat darauf.

    Alles, Metallzäune, Polizisten, rotes Band und Polizeiautos, alles verschwand unter einem ihrer Schuhe. Auch Heinz' Auto musste dran glauben. Es quietschte kurz bevor es unter der Ferse des Schuhs zu einer hauchdünnen Scheibe zusammengepresst wurde.

    Langsam laufend ging die Riesin weiter, den Trainer auf seinem Rad folgend, Sätze wie "Wo trainieren wir?" oder "Wann ist das Spiel?" von ihr gebend.

    Ganze Menschengruppen wurden zertreten, ein Viadukt von ihren mit Sportsocken bekleideten Wade demoliert, eine Kreuzung mitsamt Ampeln in den Boden gepresst. Der Ball schlug mit Wucht auf den Boden, die Riesin fing ihn danach geschickt wieder auf. Alles, was er erwischte war ebenfalls verloren. Egal, ob Auto, Mülleimer, Sitzbank oder Mensch, der Ball machte alles genauso platt wie die Schuhe der 250- Meter Gigantin.

    Manche blieben, statt wegzurennen, wie versteinert am Straßenrand stehen, voller Entsetzen zu ihr hochblickend.

    Eine Mutter mit einer sechsjährigen Tochter standen halb verborgen in einer Gasse als die Riesin vorbeilief, drei geparkte Autos auf einmal plättend. Die Mutter sah erstarrt vor Schreck zu ihr hoch und hatte ihre Tochter als Schutz hinter sich geschoben. Das Mädchen jedoch guckte neugierig von hinter ihr zur Gigantin hoch und lachte.

    "Wow! Mama? Darf ich auch Basketball spielen? Ich will später auch so groß werden!" sagte sie voller Enthusiasmus als die Riesin vorbeigelaufen war.

    Nachdem das Mädchen eine schallende Ohrfeige bekommen hatte, zerrte die Mutter sie durch die Gasse weg.

    Heinz radelte wie verrückt weiter. Er musste seine Wohnung so schnell wie möglich erreichen, um sich mithilfe der Affenpfote dieses Monstrum vom Hals zu schaffen. Das war sein einziger Gedanke. Jedes Geräusch von knackenden Bäumen, quietschende Autos und vor allem dumpfes Schmatzen, wenn die Riesin Menschen erwischte, fuhr den Trainer durchs Mark. Während er die Beben hinter sich spürte, wann immer die 250- Meter Riesin mit dem Ball dribbelte, schoss er im Tiergarten-Park hinein.

    Bernd war nervös. Er saß auf einer Bank im Tiergarten und wartete auf seinen Blind Date. Er hatte die junge Frau über einer Webseite kennengelernt, und sich mit ihr im Park verabredet.

    Zum x-ten Mal sah er auf sein Handy und las den Chat.

    "Ich bin Profi-Basketballspielerin" hatte sie geschrieben.

    "Toll, dann bist du ja vielleicht größer als ich. Bin 1,78m"

    "Ja, bin größer :) "

    "Wie groß denn?"

    "Lass' dich überraschen ;)"

    Bernd sah auf als irgendein Bekloppter an ihm vorbeiraste auf seinem Fahrrad. Als ob der Teufel hinter ihm her war, so schnell fuhr der Kerl.

    "Verrückter," dachte er und sah sich um, ob sein Date noch nicht ankam.

    Dann sah er sie. Eine riesige Frau, im Basketballkleidung und mit einem gigantischen Ball dribbelnd kam langsam durch den Tiergarten auf ihn zu.

    Die 250 Meter große Riesin zertrat dutzende Bäume mit jedem Schritt. Sogar die dicksten Stämme brachen wie Streichhölzer unter ihrem unfassbaren Gewicht. Hunderte Vögel flogen wild schreiend aus den noch stehenden Bäume auf, Parkbänke blieben verwandelt in Holzsplitter in den Boden begraben zurück. Enorme Fußabdrücke im nun braunen Grass rundete die Zerstörung ab.

    Bernd sah mit weit offenen Augen zu. Er ließ unbewusst sein Handy fallen. Urin lief sein Hosenbein runter.

    Zitternd sprang er auf und rannte wie wild davon. Er schwor sich, dass er sich demnächst nur noch mit Profi-Turnerinnen verabreden würde....

    Heinz war inzwischen durch den Tiergarten geradelt und näherte sich dem Brandenburger Tor. Es war nicht mehr weit zu seiner Wohnung, aber er war erschöpft. Als er unter die Säulen des Tores geradelt war, konnte er nicht mehr. Er hielt an.

    "Was habe ich da bloß getan?..." dachte er, nach Luft japsend. "Die Affenpfote soll doch die Wünsche erfüllen wie sie gemeint sind... wie ist denn das möglich?" Heinz atmete schwer. Er musste weiter, wohl wissend, dass die Riesin ihn folgen würde. Aber einmal zu Hause angekommen konnte er sie wegwünschen.

    Er drehte sich um und sah sie ankommen. Ein Abteil einer verlassenen Straßenbahn gab quietschend ihrem Gewicht nach als sie gleichgültig drauftrat, der nächste Schritt zertrat einen Straßenkiosk, zwei Motorräder und ein großes Gebüsch.

    Das Brandenburger Tor ist mit 26 Meter Höhe imposant, aber gegen die Riesin erschien es fast komisch klein. Es kam ihr noch nicht einmal bis ans Knie. Heinz sah die Riesin immer näher kommen, das Tor um Längen überragend. Als die Gigantin das Tor erreicht hatte, passierte das Unvermeidbare.


    Fortsetzung folgt.