Kapitel 2
"Die da," sagte Henry, auf ein Mädchen Anfang zwanzig zeigend, dass zwei Tische von den Beiden entfernt saß. "Sie scheint mir genau richtig."
Sie hatten sich auf einer Terrasse einer Studentenkneipe gesetzt, die sich drei Straßen vom Hauptgebäude der Universität entfernt befand. Sie wollten etwas Abstand vom Universitätsgebäude halten, nicht nur, weil man sie sonst mit das Ganze in Verbindung bringen könnte, sondern auch für einen extra dramatischen Effekt. Die Riesin sollte auf der Universität zulaufen, langsam und bedrohlich.
Ihr kleiner Lastwagen, womit sie gefahren waren, stand um die Ecke geparkt. Gleich würden sie sich darin zurückziehen und alles von dort aus steuern.
Das Mädchen war schon da gewesen als sie ankamen, zusammen mit einen Jungen der gerade in die Kneipe hinein gegangen war, wahrscheinlich zur Toilette. Ellen sah sich das Mädchen genau an. Sie hatte schulterlanges, blondes Haar, ein verträumtes Lächeln auf dem Gesicht und schien gedanklich abwesend zu sein. Sie war etwa zwanzig und normal gebaut. Ellen konnte nicht sehen wohin ihr potentielles Ziel sah, da sie eine Sonnenbrille mit sehr dunkle Gläser trug. Ellen fand das Mädchen auch perfekt.
"OK," sagte sie leise. "Ich injektiere sie mit den Nanobots."
Sie zielte heimlich mit das kleine Pfeilgewehr auf den Arm des Mädchens. Der war entblößt, da sie nur ein T shirt trug. Zielsicher traf Ellen sie und zog schnell den Draht. Das Mädchen kratzte sich kurz, als ob ein Insekt sie gestochen hatte. Jetzt wo die Nanobots in ihren Blutkreislauf waren, würde es nicht lange dauern, bis diese sich auf die Sehnerven installiert hatten und auf die Funkbefehle des Vergrößerers warteten.
"Gut, jetzt bin ich dran," sagte Henry. Er richtete unauffällig die Schüssel des Vergrösserers auf das Mädchen und drehte den Knopf um den Strahl ab zu feuern. Der traf das Mädchen genau im Rücken. Er sah rüber zu Ellen.
"OK, auch getroffen," sagte Henry leise. "Los, verschwinden wir."
"In Ordnung. Nach einer Minute müssten wir Kontrolle über sie haben und dann...." sagte Ellen grinsend. Henry rief den Kellner, bezahlte und beide gingen weg. Zurück in den kleinen Lastwagen, sicher vor ungewollte Aufmerksamkeit, bereiteten sie sich auf ihre Rache vor.
"Fertig?" fragte Henry, mit vor Vorfreude glänzenden Augen. Gleich würde das Mädchen anfangen zu wachsen, und die Nanobots sorgten dafür, das man sie so einfach wie ein Modelflugzeug steuern konnte. Ah, die Zerstörung! Endlich Rache!
Henry und Ellen sahen gespannt auf den Bildschirm des Vergrößerers. Aber nach einer Weile war immer noch nichts zu sehen.
"Immer noch kein Signal," sagte Ellen. "Bist du sicher, dass du sie getroffen hast?"
"Ja," antwortete Henry, der verwirrt auf den immer noch schwarzen Bildschirm starrte. "Ich bin mir 100% sicher... und du?"
"Ja, ich auch... ich verstehe nicht, warum..."
Als sie auf einmal Schreie hörten, rannten beide aus ihr Fahrzeug und um die Ecke.
Es war ein grauenhafter, bizarrer Anblick. Eine riesige, nackte Frau stand da, wild mit den Armen gestikulierend und um Hilfe schreiend. Ihre Kleidung war zerrissen und runter gefallen, genau wie ihre Sonnenbrille. Die war zerbrochen als ihr Kopf zu groß wurde.
Die Augen des Mädchens erklärten Henry und Ellen warum die Nanobots kein Signal sandten. Die waren klein, wässrig, und bewogen sich kaum, obwohl das Mädchen wild mit den Kopf schlug.
"Scheisse..." sagte Ellen leise. Henry wurde ganz flau im Magen.
Das Mädchen war blind.
Fortsetzung folgt.