"Traxa möchte gerne einen Plattenpanzer haben, damit sie sich mit ihrem ganzen Körper auf ein Haus stürzen und es so auf einmal völlig zerstören kann. Oder sie zerbröselt es indem sie sich einfach darauf setzt. Sie glaubt, es wäre ein wunderbares Gefühl, wenn so ein kleines Gebäude unter ihren Hintern und Gewicht nachgibt. Es wäre großartig so durch die Mauern zu brechen und alles unter ihre riesige Masse zu plätten. Das wäre eine aufregende Erfahrung von Macht. Denkt sie jedenfalls.
Ach ja, das erinnert mich daran. Sie hat es einmal tatsächlich versucht, sich auf ein für den Abriss bestimmtes Haus zu setzen. Sie trug nur einen Overall aus Jeansstoff. Ja, das Haus gab unter ihrem Gewicht nach. Aber es war keine großartige Erfahrung. Der Stoff ihres Overalls war hier und da zerrissen und Traxa selber hatte sich an mehreren Stellen gekratzt und geschnitten. Zerbrochener Stein kann sogar die Haut eines Riesen aufreißen, die, wie sie vielleicht wissen, etwa anderthalb Zentimeter dick ist. Schade, dass sie bis jetzt keine Firma gefunden hat, die einen Plattenpanzer in ihrer Größe herstellen will.
Nun, obwohl es sich so liest, als ob meine Freundin das Zerstören liebt, ist das nicht der Fall. Sie ist eine ganz liebe und nette Person. Sie spendet z. B. jedes halbes Jahr Blut, und das sind jedes mal etwa 15 Liter. Ja, das Blut eines Riesen und Menschen ist kompatibel, unsere DNS ist sich ja ähnlicher als die eines Menschen und Bonobo-Affen.
Und dann ist da noch diese Geschichte mit dem Grizzlybären, der vor ein paar Monate aus den Lübecker Zoo ausgebrochen war. Man gab die Einwohner den dringenden Rat, zu Hause zu bleiben während Polizei und Jäger das gefährliche Tier suchten. Aber Traxa ging gleich selber mit jagen, völlig freiwillig. Und in der Tat fand sie das Tier, schnappte es beim Fell im Nacken und trug es wie eine ungehorsame Hundewelpe zurück zum Zoo. Der Bär schlug wild mit den Pfoten um sich herum und brüllte, aber Traxa konnte er nichts anhaben.
Das war schon ein Anblick. Der Bär, groß und schwer, sah aus wie ein Meerschweinchen im Vergleich zu ihr und baumelte harmlos 5 Meter in der Luft. Traxa konnte das 550 kg schwere Tier mit einer Hand ohne Probleme tragen. Als Traxa ihm dann zurück im Käfig setzte, drehte der Grizzlybär sich brüllend zu ihr um, als ob er sie angreifen wollte. Aber als meine Freundin mit den Fuß auf den Boden stampfte und "PSSCHT" machte, rannte er schnell in seiner Höhle.
Sie war die Heldin des Tages.
So ist Traxa eine respektierte Person. Na ja, bei den meisten von uns, denn wie erfolgreich und nett sie auch sein mag, es kann ja immer was passieren. Und das hat es auch.
Voriges Jahr fuhren Traxa und ich im Urlaub, von Lübeck nach Kopenhagen. Wir fuhren mit der Bahn, denn es ist ja klar das sie nicht das Auto oder Flugzeug nehmen kann. Und nach Dänemark laufen ist sogar für sie zu weit. Ein großes Schiff wäre auch noch eine Möglichkeit, aber da Traxa entweder an Deck oder im Frachtraum bleiben müsste, zieht sie der Bahn vor. Das ist zwar auch nicht ideal, denn sie muss ein ganzer Viehwagon mieten, aber es ist machbar.
Wie dem auch sei, es war ein dreitägiger Urlaub. Die ersten zwei Tagen vergingen ohne Zwischenfälle. Ja, sie zog wieder viel Aufmerksamkeit auf sich, aber da die meisten Kommentare auf Dänisch waren, konnten wir sie eh nicht verstehen und deshalb kümmerte uns das nicht. Und das es regnete war auch nicht so schlimm. Aber am dritten Tag, als wir die Statue der kleinen Meerjungfrau besuchten, passierte es.
Traxa wollte ein Foto von der kleinen Meerjungfrau, mit sie selber daneben gekniet.
Wie sie vielleicht wissen, ist die Bronzefigur, das Wahrzeichen von Kopenhagen, ziemlich klein, sie ist etwa 90 Zentimeter hoch. Also können sie sich vorstellen wie sie aussieht neben eine fast 13 Meter großen Frau. Was sie auch noch wissen sollten ist das es keine Zäune oder sonstiges gibt um die Statue gegen Touristen oder Vandale zu schützten. Sie steht frei am Flussufer der Langelinie Promenade, und wird nur von Felsen umgeben, wodurch sie schwer zu erreichen ist.
Für Menschen.
Für Traxa war es kein Problem, sie war in zwei Schritte neben der Statue. Das Foto wurde gemacht (eine Gruppe japanischer Touristen fotografierten Traxa ebenfalls enthusiastisch) und meine Freundin wollte zurück zum Ufer gehen als sie ausrutschte über einen der Felsen, der nass und glatt war vom Regen. Sie verlor ihr Gleichgewicht und viel rückwärts hin.
Mitten auf der Statue.
Die kleine Meerjungfrau ist schon öfters mal das Ziel gewesen von Vandalismus. Man hat sie z. B. ins Wasser geworfen, den Kopf abgeschlagen oder mit Farbe bekleckert. Schlimm, aber man konnte das alles relativ schnell wieder renovieren. Aber durch Traxa's Sturz war sie völlig zerstört. Sogar die Betonfüllung war keine Partie gegen Traxa's Masse. Als sie aufstand, ihr Rücken schmerzte sehr, konnte man in der Figur keine Meerjungfrau mehr erkennen. Sie sah eher aus wie ein Plattfisch.
Die Dänen waren nicht froh, um es mal milde auszudrücken.
Traxa's Vorschlag, die Statue um zu benennen in "die platte Meerjungfrau" half auch nicht gerade. Und da die Versicherung aus irgendeinen Grund die Renovierung nicht zahlen wollte, musste Traxa alles aus eigener Tasche bezahlen. Es dauerte ein ganzes Jahr, sogar mit ihrem Einkommen, bis sie die Raten der Renovierungskosten bezahlt hatte.
Und noch etwas. Vor ein paar Monate gingen wir nach Italien. Pisa um genau zu sein. Ich werde auch nicht über die Aufmerksamkeit die sie da auf sich zog schreiben, das können sie sich mittlerweile schon denken. Nein, worum es sich geht ist das Traxa immer noch ein paar Sachen über uns Menschen nicht ganz versteht. Wie der Humor.
Sie kennen doch die Fotos von Touristen, die den Finger oder Fuß angeblich gegen den Schiefen Turm halten, nicht? Traxa wollte auch so ein Foto, aber im Gegensatz zu den Touristen die dann etwa 100 Meter vom Turm entfernt stehen, stellte sie sich einfach daneben. Traxa glaubte, dass es so sein musste. Sie hielt ihre Hand gegen den Turm, lehnte sich mit ihr volles Gewicht dagegen und drückte auch noch mit all ihrer Kraft gegen das weiße Gemäuer. Na, das Ergebnis haben sie sicher in der Zeitung gelesen.
Der Schiefe Turm heißt jetzt der "Gerade Turm".
Der Bürgermeister forderte uns auf, Pisa schleunigst zu verlassen.
Ja, sie ist sehr stark. Sogar für jemand ihrer Größe. Traxa hat eine beeindruckende Muskelkraft entwickelt, dank ihres Jobs und ihr Hobby: Gewichtheben. Über Letzteres möchte ich ihnen jetzt erzählen."
Fortsetzung folgt