Elisa blickte fassungslos aus dem Fenster der Straßenbahn. Sie konnte gerade eben noch zwischen den Fingern der Riesin erkennen, wo sie sie hingetragen hatte. Die meisten Menschen in Elisas Nähe starrten betreten zu Boden, lagen sich weinend in den Armen oder drehten einfach komplett durch und schrien panisch um Hilfe. Elisa war alleine unterwegs, und sie hatte ihr Schicksal bereits akzeptiert. Sie hoffte nur, es würde schnell gehen. Das Metall unter ihren Füßen bog und wand sich, gab beunruhigende Geräusche von sich. Die Bahn würde das alles nicht mehr lange mitmachen. Elisa hörte noch ein lautes Lachen in der Ferne, bis sie bemerkte dass die Reifen des Zuges die Wasseroberfläche bereits durchbrochen hatten. Blitzschnell lief das Wasser durch alle Lücken und Öffnungen der Straßenbahn. Elisa blieb einfach auf ihrem Platz sitzen und sah dem Wasser dabei zu, wie es zuerst sanft ihre Sandalen umspielte und innerhalb weniger Sekunden ihre Schienbeine bedeckte und ihre Jeans durchnässte. Sie bereitete sich auf das Schlimmste vor und fing an vor Angst zu zittern. Sie wollte nicht sterben, aber die Situation war ausweglos. Vorsichtig nahm sie ihr Handy aus dem Rucksack und plante, eine Abschiedsnachricht an ihre Eltern zu schreiben. Als sie gerade ihre App öffnen wollte, sank der Wasserspiegel plötzlich wieder, und die Bahn schien sich zu erheben. Das Wasser floss wieder dahin zurück, woher es gekommen war. Eine laute Frauenstimme ertönte. Elisa fühlte sich, als würde ihr jemand mit einem Megafon direkt ins Ohr brüllen, und es tat weh. "DAS WAR NUR EIN TEST! SEID IHR BEREIT FÜR DIE RICHTIGE FAHRT?" Elisas Ohren klingelten von dem höhnischen Lachen, das durch jedes Abteil waberte. Es fühlte sich beinahe so an, als würden die Fenster vibrieren. Diese blöde Riesenbitch. Elisa merkte, wie ihr Herz noch schneller schlug als sowieso schon und sie dachte, dass sie jeden Moment bewusstlos werden würde. Sie fühlte sich so hilflos. Jemand wollte sie ertränken, wusste nicht einmal wer sie war und hatte auch noch einen Mordsspaß dabei. Es war so unfair. Wieder blickte Elisa zu Boden, als das Wasser grob und ungebremst durch die Straßenbahn preschte. Doch diesmal machte es keinen Halt bei ihren Knien. Immer höher stieg das kühle Nass. Elisa hielt die Luft an, als das Wasser langsam aber sicher die Decke der Bahn erreichte. Die Gigantin ließ sich offenbar eine Menge Zeit; als würde sie den Moment richtig auskosten wollen. Jeder in der Bahn schrie um sein Leben, bis alle Stimmen in sekundenschnelle zu einem unheimlichen Blubbern verkamen. Elisa trieb nun schwerelos durch die durchflutete Straßenbahn. Ein Entkommen war unmöglich, die Riesin hatte ihre gewaltigen Hände immer noch fest um die Bahn geklammert. Türen und Fenster waren schlicht unbenutzbar. Elisa blickte sich noch einmal um, überall schwebten Körper, die regungslos gegen Sitze und Griffe klatschten. Einige wenige hämmerten wie wild an die Scheiben, doch sie zerbrachen nicht. Elisa konnte die Luft nicht mehr anhalten, "das war's", dachte sie. Als sie gerade die Augen schloss und ihr Herz sich schmerzhaft zu verkrampfen schien, spürte sie eine Bewegung im Wasser und konnte plötzlich wieder atmen. Hustend und keuchend fiel sie wie ein nasser Sack zu Boden, zusammen mit den restlichen Gefangenen. Was war los? Sie konnte nicht einmal mehr sagen, wie lang sie unter Wasser gewesen war. Sekunden? Minuten? Sie hustete heftig und bekam ein unangenehm brennendes Gefühl in ihrer Nase. Hatte sie überlebt? Vielleicht würde die Riesin sie ja jetzt gehen lassen. Ihre Gedankengänge wurden jedoch von der lauten Stimme unterbrochen. "NA, DAS HAT DOCH SPAß GEMACHT, ODER? BEREIT FÜR RUNDE 2?"
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"In Ordnung, dann steht es also fest. Wenn diese Sache vorüber ist, kümmern Sie sich mit Ihrer Firma um den Wiederaufbau der zerstörten Gebäude und öffentlichen Einrichtungen. Meine Sekretärin wird Ihnen im Laufe der Woche die entsprechenden Unterlagen zukommen lassen."
Der Mann im Anzug lächelte.
"Allerdings", setzte sein Geschäftspartner fort, "erwarte ich im Gegenzug eine schnelle Zahlung meiner Boni."
"Verlassen Sie sich drauf. Ich werde mich um alles kümmern." Der Mann im schwarzen Anzug grinste hämisch. "Wenn ich mal offen sein darf: Ich hätte nicht gedacht, dass sich selbst höhere Regierungsangestellte gerne 'beschenken' lassen."
"Ich war immerhin verzweifelt genug, ihrem wahnwitzigen Plan zuzustimmen. Aber ich hatte keine Wahl. Ich brauchte eine zusätzliche Finanzspritze. Allerdings tut es mir nun wirklich leid, was Sie mit ihr vorhaben. Und die ganze Leute, die schon ihr Leben gelassen haben."
"Es tut Ihnen leid? Das hier ist ein Krieg. Wir sind nur diejenigen, die hinterher den Müll wegräumen. Tun Ihnen tote Soldaten auch leid, wenn Sie später Profit mit ihnen machen? Anna tut das alles nicht, weil--"
"Weil Sie sie dazu getrieben haben? Und ob sie das getan haben."
"Hmpf."
"Wer ist sie überhaupt? Warum gerade sie? Und was haben sie mit ihr gemacht? Ist diese Technologie nicht gefährlich?"
"Gut, ich werde Ihnen alles erzählen."
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Anna hielt die Straßenbahn ein zweites Mal unter Wasser. Da sie die Reaktionen ihrer Opfer aber nicht miterleben konnte, wurde es ihr zu langweilig und sie ließ das Gefährt einfach auf den Grund des Rheins sinken. Sie zuckte mit den Schultern. "Hm. War jetzt nicht so geil irgendwie. Na ja, Zeit für etwas Anderes."
Sie hatte eine fantastische Idee. "So, ich tu jetzt mal so als wäre ich so groß wie ihr. Ich werd' gar nicht mehr auffallen", kicherte sie. Behäbig setzte sie sich in Bewegung und achtete penibel darauf, nur auf den Bürgersteigen zu laufen. Dass ihr großer Zeh so breit war wie die Bürgersteige selbst interessierte sie gar nicht. Auf Zehenspitzen tippelte sie nun durch die Straßen und zerquetsche dabei ungezählte Mengen an parkenden Autos, was sie sowieso kaum noch bemerkte. Durch die komplette Gewichtsverlagerung auf ihre Zehen hinterließen diese bei Berührung tiefe Abdrücke im Zement. Die meisten Bürgersteige bestanden nach wenigen Sekunden nur noch aus tiefen Löchern, gefüllt mit zermatschten Autos, Menschen und Bäumen. An jeder Ampel hielt sie an, bückte sich und wartete, bis auf grün geschaltet wurde. Erst dann stampfte sie weiter. Fast so als wenn man bei GTA versuchte, mal so wie die NPCs zu fahren: Wirklich
ernst nahm man das nicht. Nach einiger Zeit stand sie vor einer Autobahnbrücke, auf der hunderte kleiner Autos im Stau standen und sich keinen Millimeter bewegten. Die Brücke war etwa so hoch wie Annas Knöchel und nicht breiter als ihre Füße lang waren. "Was mach ich denn jetzt? Normale Leute gehen doch auch nicht einfach über Brücken hinweg."
Aber Anna ging trotzdem weiter. Ihr Spann drückte mit einer unfassbaren Kraft gegen den Rand der Autobahnbrücke. Diese leistete einen kurzen Moment Widerstand und brach dann, gehüllt in eine dichte Staubwolke, in sich zusammen. Autos und Menschen, die inzwischen ausgestiegen waren, fielen auf Annas Riesenfüße hinab. Manch einer krachte sogar durch die Ritzen zwischen Annas Zehen. Die Riesin interessierte das Drama weiter unten aber gar nicht. Sie ging einfach weiter, als wäre nichts passiert.
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"Wollen Sie mich verarschen? Kommen Sie, das ist Bullshit."
"Ich sage es Ihnen. Außerirdische Technologie."
Der Mann im schwarzen Anzug klappte seinen Aktenkoffer auf und warf ein Stück Papier auf den Tisch. "Sehen Sie selbst."
"Das ist... unmöglich..."