Beiträge von Ruffy

    THUD.

    THUD.

    Meine Knie verwandelten sich in Pudding. Was, wenn es schiefgehen würde? Nein... derlei Gedanken waren nun fehl am Platze.

    THUD.

    THUD.

    Ich konnte sie nun sehen. Anmutig kamen die Riesinnen genau auf mich zu. Sie waren nur noch wenige Sekunden entfernt und steuerten genau auf die Weide zu, auf der ich stand.

    THUD.

    Die blonde Gigantin blieb genau vor mir stehen. Ihre braunhaarige Freundin folgte kurz hinter ihr und sah ebenfalls auf mich hinab. Ich machte mir nun beinahe in die Hose. Oh Gott! Das war ein schlechter Plan!

    Ich atmete tief ein, während ich den Blick der Riesinnen auf mir spürte. Du kannst das! Du kannst das! Komm schon!

    Ich hob einen Arm und winkte ihnen zu.

    „S-S-Seid g-gegrüßt, G-Gigantinnen...!“

    Die blonde Riesin wirkte verwundert und kniete sich nun vorsichtig hin, um mich genauer betrachten zu können. Scheinbar schien sie keine bösen Absichten zu haben, sonst wäre ich vermutlich schon tot gewesen. Ihre gigantischen Zehen sanken genau vor mir tief in die Erde, als sie ihr gesamtes Gewicht auf sie verlagerte. Es war absurd. Wie viel sie wohl wog?

    Trotz meiner nun sehr akuten Todesangst war der Anblick nicht weniger als atemberaubend. Meine Panik wich fast schon einer Art Ehrfurcht. Ich konnte kaum an mich halten, als sie ihren Mund öffnete. Sie war... wunderschön!

    „Du...! Du warst doch gestern auf dem Marktplatz! Wer bist du? Wo ist deine Frau?“

    Ich zitterte. Es war kein schönes Gefühl, von so einem mächtigen Wesen direkt angesprochen zu werden. Verdammt noch eins!

    „Oh, äh... ja...! I-Ihr habt recht! D-Das war ich!“

    Die Riesin musste plötzlich lächeln. Ich verstand nicht ganz, was sie beabsichtigte.

    „Du musst keine Angst haben. Wir tun dir nichts. Versprochen!“

    Ich atmete ein wenig auf. Meine Anspannung war immer noch deutlich zu spüren, aber ich fühlte mich etwas lockerer. Ich fand es fast schon beeindruckend, dass sie meine Körpersprache so gut lesen konnte, obwohl ich im Vergleich zu ihr so winzig war.

    „Ich... möchte mich mit euch unterhalten. Es ist wichtig!“

    Die blonde Riesin drehte sich zu ihrer braunhaarigen Freundin um, die immer noch hinter ihr stand und einfach nur zuzuhören schien. Dann wandte sie ihre Aufmerksamkeit wieder mir zu.

    „Unter... unterhalten...? Es tut mir leid, aber Anina erlaubt uns nicht, mit euch zu sprechen. Eigentlich dürfte ich auch jetzt nicht mit dir reden! Wenn sie uns sieht, macht sie uns fertig. Und dich auch! Also gehst du jetzt am besten in dein Haus zurück. Wir holen nur ein paar Rinder und sind wieder weg.“

    So ein Mist! Nein! Das war nicht gut! Ich rang nach Worten.

    „O-oh, ähm...“ stotterte ich. „B-Bitte! Ich möchte euch helfen. Nein - UNS helfen...!“

    Die beiden Gigantinnen lächelten. „Helfen? Wie willst du uns bitte helfen? Du kannst uns nicht helfen, Kleiner.“

    „I-Ich habe einen Plan! Aber dafür müssen wir reden! Ihr müsst mir glauben!“

    Ich ging nun ein Risiko ein. Ich legte meine Karten auf den Tisch - ich musste es einfach probieren!

    Zitternd sprach ich weiter. „Ich weiß, dass Anina euch unterdrückt! Ihr wollt das hier alles gar nicht, oder? Ihr seid keine Monster wie sie!“

    Die blonde Riesin wurde plötzlich still und sah erneut zu ihrer Freundin, die jetzt verwundert und nachdenklich in die Ferne blickte.

    „Ich kann euch wirklich helfen! Aber dafür müssen wir zusammenarbeiten! B-Bitte...! Lasst uns reden!“

    Die blonde Riesin setzte eine ernste Miene auf. Sie schien nachzudenken und sah mich dann mit traurigen Augen an.

    „Ich... ich kann mir zwar nicht vorstellen, wie jemand wie du uns helfen könnte. Aber... ich möchte dir glauben. Du... du hast recht. Wir können das hier nicht mehr länger mit ansehen! Es tut uns weh, die Menschen so leiden zu sehen!“

    Mein Herz setzte kurz aus. Ich hatte es geschafft! Hah! Gerade, als ich zur Erklärung ansetzen wollte, unterbrach mich die blonde Riesin jedoch.

    „Wir können es nicht hier tun. Wenn Anina uns sieht, haben wir keine Chance! Wir treffen uns heute Nacht am Strand. Ist das für dich in Ordnung? Ich werde alleine kommen, dann sollten wir sicher sein. Ich möchte euch so gern glauben...“

    Plötzlich fiel mir etwas ein, als sie den Strand erwähnte. Das Schiff und meine Crew...! Obwohl ich um alles in der Welt wissen wollte, was mit ihnen geschehen war, schluckte ich diese Frage herunter. Es war der falsche Zeitpunkt dafür.

    „In Ordnung“, antwortete ich ihr. „Ich werde da sein.“

    Die blonde Gigantin lächelte mild und stand dann wieder zu ihrer vollen Größe auf. Ich konnte trotz meiner Angst nicht genug von diesem Schauspiel bekommen. Es war einfach faszinierend. Einnehmend. Eindrucksvoll.

    Ich sah den Riesinnen dabei zu, wie sie etwa ein Dutzend Rinder mit ihren Fingerspitzen einsammelten und sie in ihren riesenhaften Händen hielten, fest eingeklemmt zwischen ihren Fingern. Ich konnte mir nur ausmalen, was die Tiere denken mussten. Realisierten sie überhaupt, was gerade mit ihnen passierte?

    Ich blickte den Gigantinnen noch eine Weile hinterher, als sie in der Ferne verschwanden. Als sie schließlich nicht mehr zu sehen waren, brach ich atemlos in mich zusammen. Uff. Eine unglaublich große Last fiel von meinen Schultern. Ich hatte es tatsächlich geschafft. Unfassbar. Immer noch zitternd, aber freudig gestimmt machte ich mich auf den Weg zurück ins Haus der alten Dame, um allen von meinem Treffen zu berichten. Was Fiona wohl denken würde?

    - - -

    „Ich kann echt nicht glauben, dass du dich einfach vor sie gestellt hast! Du bist doch krank!“

    Ich lachte laut auf. Fiona konnte es immer noch nicht begreifen. Immer und immer wieder fragte sie, wie ich dieses Treffen organisiert hatte. Wir waren inzwischen zusammen auf dem Weg zum Stand, die Sonne war bereits untergegangen und der Mond schien schwach durch die Baumkronen des Waldes.

    „Ich hab' ihnen einfach gesagt, was Sache ist!“

    Fiona schnaufte. „Ja, klar. Erzähl doch keinen Mist!“

    Ich resignierte schließlich. „Ja, ja. Du hast ja recht. Mir haben die Knie gezittert. Aber sie waren wirklich freundlich. Unsere Vorahnungen haben sich also bewahrheitet!“

    Wir setzten unseren Weg fort und erreichten erneut den Waldrand. Wir versteckten uns zwischen ein paar Büschen und machten uns darauf gefasst, eine lange Zeit zu warten. Es wurde immer später, und ich merkte, wie Fiona unruhiger wurde.

    „Mach dir keine Sorgen. Uns wird nichts passieren.“

    Sie lachte. „Das sagst du so leicht.“

    Weitere zwei Stunden vergingen, ehe wir die typischen Beben wahrnahmen.

    THUD.

    „Das muss sie sein“, flüsterte ich.

    THUD.

    THUD.

    Es dauert nicht lange, bis die blonde Riesin auftauchte und sich vorsichtig auf dem Sand niederließ. Nicht weit von uns entfernt. Fiona stand der Mund offen. Sie konnte immer noch nicht fassen, wie groß diese Frau war.

    Ich packte ihren zitternden Arm und zog sie nach oben. „Komm, gehen wir zu ihr.“

    Langsam stolperten wir auf die Riesin zu. Sie hatte uns bereits entdeckt und nickte uns freundlich zu. Als wir genau vor ihren Füßen stehen blieben, hob sie ihre Hand zum Gruße.

    Sie lächelte freundlich. „Guten Abend. Ich hoffe, ihr seid wohlauf.“

    Wir nickten ihr zu, ehe der Blick der Gigantin auf Fiona fiel.

    „Du...! Du warst doch auch auf dem Markplatz, nicht wahr?“

    Fiona fiel fast in Ohnmacht. „J-J-Ja, w-war ich...!“

    Die Riesin lächelte sanft. „Hab keine Angst. Bitte. Ich tue dir nichts. Wir sind hier um zu reden, oder?“

    Das war mein Zeichen. Ich ging in die Initiative.

    „Ja, richtig. Vielleicht wäre es angebracht, dass wir uns erstmal vorstellen. Ich bin Rykard, Schiffskapitän. Neben mir steht Fiona, meine Expertin für Botanik. Wir grüßen euch.“

    Die Riesin lächelte erneut. „Seid gegrüßt. Ich bin Ava.“ Sie machte eine kurze Pause. „Du erwähntest, dass du Kapitän bist. Heißt das, dass ihr beide...“

    „Genau. Wir sind gestern auf dieser Insel gestrandet. Wisst ihr vielleicht, was mit unserem Schiff passiert ist? Es ist verschwunden. Es lag hier draußen samt Crew vor Anker. Auch unser Landungsboot hat sich scheinbar in Luft aufgelöst.“

    Die Gigantin sah zu Boden. Scheinbar war ihr das Thema unangenehm. „Ich... ich denke schon. Anina hat uns befohlen, das Schiff und die Crew zu entführen...“

    Ich bekam einen Schreck. „Ent... Entführen?!“

    „Macht euch keine Sorgen. Eure Crew ist wohlauf...! Wir haben sie auf die andere Seite der Insel gebracht. Anina wollte sie... befragen.“

    Fiona war plötzlich hellwach, ihre Angst schien wie weggeblasen. „B-Befragen? Was meint ihr damit?“

    Ava senkte erneut ihren Blick. „Das ist eine lange Geschichte...“

    Fiona breitete fordernd ihre Arme aus. „Dann erzählt sie uns! Was geht hier überhaupt vor? Wie seid ihr so gigantisch geworden?“

    Ava sah uns nun traurig an. Sie tat mir fast leid.

    „Bis vor Kurzem waren wir noch so groß wie ihr...! Ja. Wir waren ganz normale Menschen. Aber alles änderte sich, als wir hier ankamen.“

    Fiona und ich lauschten gespannt. Keiner von uns wagte es, sie zu unterbrechen.

    „Auf unserer Heimatinsel gab es einen grausamen Krieg. Es ist eine recht kleine Insel, dennoch haben sich dort zwei völlig unterschiedliche Kulturen entwickelt. Mit der Zeit haben sich diese Kulturen in verfeindete Nationen entwickelt, und...“

    Sie schluckte merklich.

    „...vor wenigen Wochen haben sie uns angegriffen. Alles stand in Flammen. Freunde, Familie... ich glaube, sie haben es nicht geschafft...“

    Ich sah, wie Avas Augen feucht wurden und versuchte schnell, sie zu beruhigen. „Das... das tut mir Leid. Ihr habt mein Mitgefühl.“

    Die Riesin wischte sich die Tränen aus den Augen und versuchte, zu lächeln.

    „Schon... schon in Ordnung.“ Sie machte eine erneute Pause und seufzte. „Als... als es fast schon zu spät war, wurde ich zusammen mit Anina und Melina auf ein Boot verfrachtet. Ein seltsamer Mann war mit uns an Bord. Ich hatte ihn noch nie zuvor gesehen, aber er versprach uns, uns von der Insel und in Sicherheit zu bringen. Wir glaubten ihm. Zwei Tage später landeten wir hier an einer Küste... auf der anderen Seite der Insel. Alles schien in Ordnung, er hatte uns gerettet. Seine Navigation war tadellos.“

    Ich musste sie kurz unterbechen. „Ist Melina eure braunhaarige Freundin?“

    Ava nickte sanft und fuhr fort.

    „Wenige Stunden nach unserer Ankunft verhielt sich der Mann merkwürdig. Er redete nur noch wirres Zeug über Vergeltung. Rache. Er hatte scheinbar eine Art Plan. Er sagte, dass er uns dafür brauchen würde. Zu der Zeit verstanden wir noch nicht, was er meinte.“

    Die Geschichte nahm plötzlich eine dunkle Wendung. Was mag wohl passiert sein?

    „Dann geschah es. Er reichte uns schließlich seine Feldflasche und sagte, dass uns das Wasser guttun würde. Wir nahmen alle ein paar Schlücke und... wachten gefesselt wieder auf. Er hatte uns an einen Baum gebunden und starrte uns mit einem wahnsinnigen Blick an.“

    Fiona erschrak. „Das... das ist ja grauenhaft! Was geschah dann?“

    „In seiner Hand hielt er ein dünnes Fläschchen mit einem Zerstäuber. Er lachte und sagte uns, dass wir die letzte Hoffnung für alle seien. Wir verstanden ihn nicht. Dann richtete er die Flasche auf uns und benetzte uns mit einer bläulich leuchtenden Flüssigkeit...“

    Ich konnte mir nun denken, wohin das Ganze führte, ließ Ava aber ausreden.

    „Als wir wieder zu uns kamen, waren wir Riesen. Wir konnten es nicht fassen. Der Mann stand zu unseren Füßen und lachte wie ein Verrückter. Er schrie uns an. Wir sollten zurück zu unserer Heimatinsel und alle Feinde plattmachen! Ich... ich beachtete ihn und sein Gerede aber nicht. Ich sank zu Boden und fing an zu weinen... schließlich hatte er uns in Monster verwandelt!“

    Mal wieder konnte ich nicht glauben, was passiert war. Das klang wie eine Geschichte aus einem Märchenbuch! Auch Fiona wirkte sichtlich geschockt. Sie hatte ihre Hand über den Mund gepresst und lauschte gebannt.

    „Anina war... wütend. So wütend, dass sie ihn auf der Stelle...“

    Ava sah erneut zu Boden und schwieg.

    Trotz aller Sentimentalität konnte ich nun nicht mehr anders. Ich musste es einfach ansprechen.

    „Und seitdem seid ihr hier und... terrorisiert die Dorfbewohner?“

    Ava sah mich schockiert an.

    „N-Nein...! So ist es nicht!“

    Fiona wurde nun auch etwas mutiger. „Wie würdet ihr das heute morgen denn sonst bezeichnen?“

    „Das ist Aninas Schuld! Ihr müsst mir glauben! Melina und ich würden nie... Sie zwingt uns dazu! Wir können nichts tun! Sie ist viel stärker als wir! Wir sind auf sie angewiesen!“

    Ich wusste zunächst nicht, wie ich reagieren sollte, nickte aber schließlich verständnisvoll. Ich glaubte ihr tatsächlich.

    „Keine Sorge, ich glaube euch“, antwortete ich ihr. „Aber wieso seid ihr nicht zu eurer Heimatinsel zurückgekehrt?“

    Ava wirkte frustriert. „Ich... ich würde gehen und helfen, aber... wir würden den Weg niemals ohne einen Navigator finden! Anina hat uns verboten, zu gehen! Sie genießt ihre Macht und sagte, dass es das Beste sei, was ihr je passiert ist...!“

    Das war mein Stichwort. „Ich verstehe. Aber genau da kommen wir ins Spiel. Wir haben einen Vorschlag für euch.“

    Die Riesin schaute gebannt auf meinen für sie winzigen Körper hinab. „Ja...?“

    „Fiona hat eine Phiole mit Schlangengift! Wir glauben, dass wir Anina damit vergiften könnten. Ihr wärt frei, und die Dorfbewohner könnten zu einem normalen Leben zurückkehren! Was sagt ihr?“

    Ava schien geschockt.

    „Das... das geht leider nicht.“

    „Wieso?“, fragte ich sie herausfordernd.

    „Sie ist meine große Schwester. Ich werde meine eigene Schwester nicht vergiften – und IHR werdet das auch nicht tun. Haben wir uns verstanden?“

    V-Verdammt! Das konnte doch nicht wahr sein!

    „Und was schlagt ihr vor, Ava? Was sollen wir tun?“

    Die Gigantin sah wieder zu Boden. „Ich... ich weiß es nicht...“

    - - -

    Und wieder hockte ich mit Fiona im dunklen Zimmer der alten Dame.

    Fiona starrte mit leerem Blick aus dem Fenster. „Das ist ja super gelaufen, Captain.“

    „Wer konnte das denn auch ahnen? So ein großartiger Mist! Wir sind am Ende!“

    „Immerhin ist unserer Crew nichts passiert. Sie sind am Leben. Das ist doch immerhin etwas Positives.“

    „Ja. Das ist es. Ich würde gern mit ihnen sprechen...“

    „Ava erwähnte, dass Anina sie befragen möchte. Wahrscheinlich denkt sie, sie wären vom Feind gesandt...“

    „Halte ich auch für möglich“, antwortete ich. „Aber wir können nicht einfach zu den Riesen spazieren und sie danach fragen.“

    Fiona dachte kurz angestrengt nach. „Captain. Eine Idee hätte ich vielleicht doch noch. Es ist eigentlich unlogisch, aber vielleicht doch möglich.“

    Ich blickte ungläubig zu ihr herüber. „Ach ja? Lass hören.“

    „Was wäre, wenn wir Avas Rettungsboot finden und es untersuchen? Was ist, wenn der wahnsinnige Mann noch mehr von dieser Flüssigkeit dabei hatte?“

    War sie nun völlig durchgedreht? „Und was sollte das bitte bringen?“

    „Nun. Es gäbe eine Möglichkeit, wie wir Anina in Schach halten könnten, wenn wir ihr schon keinen Schaden zufügen dürfen...“

    „Warte. Warte. Verstehe ich das gerade richtig? Du willst Ava und Melina noch größer machen, damit sie sich Anina schnappen und verschwinden?“

    Fiona lächelte beinahe diabolisch. „Korrekt, Captain.“

    Es war sinnlos, weiter danach zu suchen. Das Schiff war weg. Hatte meine Crew uns einfach hier sitzen lassen? Ich konnte es mir nicht vorstellen. Irgendetwas musste passiert sein, und ich fürchtete, dass es nichts Gutes war.

    Ich saß mit Fiona am Waldrand, im Schutz der Bäume. Ich sah sie eindringlich an.

    „Und? Irgendwelche Ideen?“

    Sie lächelte gequält. „Nein. Ich schätze, wir sitzen hier erstmal fest.“

    „Sieht so aus...“

    Keiner von uns ließ es sich anmerken, doch von „schlechter Stimmung“ zu sprechen war noch weit untertrieben.

    Wir beschlossen dennoch, zurück zum Dorf zu gehen und der alten Dame noch ein paar Informationen zu entlocken. Irgendetwas mussten wir schließlich tun.

    Die Sonne war inzwischen untergegangen, und die Wanderung durch den Wald war weitaus angenehmer als am Nachmittag. Außerdem boten uns die Bäume Schutz vor den Riesinnen, die uns aber glücklicherweise nicht über den Weg liefen. Sie waren nicht einmal zu hören. Gut.

    Es mag wohl nicht die höflichste Art und Weise gewesen sein, wie wir mitten in der Nacht bei der Frau anklopften, dennoch öffnete sie die Tür, sichtlich erleichtert.

    „Da seid ihr ja! Und? Wie sieht es aus? Habt ihr einen Plan?“

    Fiona und ich blickten uns kurz in die Augen.

    „Nun...“, begann ich, „es gibt da wohl ein Problem.“

    Die alte Frau bat uns hinein, und wir setzten uns gemeinsam an den großen Holztisch in der Mitte ihres Hauses. Sie reichte uns Gläser mit frischem Wasser.

    „Euer... euer Schiff ist weg?“

    Ich traute mich fast nicht, ihr in die Augen zu sehen. Schließlich hatten wir Hilfe versprochen.

    „Ja, es war nirgends zu sehen. Und ich glaube nicht, dass meine Mannschaft mich je im Stich lassen würde. Was meinen Sie? Könnten die Gigantinnen es zerstört haben?“

    Die alte Frau dachte nicht lange nach. „Durchaus. Vermutlich haben sie es entdeckt und...“

    Wir schwiegen alle für ein paar Sekunden.

    „Ich weigere mich zu glauben, dass meine Crew tot ist! Ich muss herausfinden, was passiert ist!“

    Fiona warf mir einen bedrückten Blick zu. „Und wie willst du das anstellen? Wir wissen nichts über die Insel. Und wir haben keine Chance gegen die Riesen.“

    Ich dachte kurz nach und sprach die alte Dame an. „Sie sagten vorhin, dass die jüngeren Riesinnen harmlos seien. Was meinten sie damit?“

    „Sie... sie sind nicht gewalttätig. Wenn die ältere nicht da wäre, würden sie uns vermutlich in Frieden lassen. Warum fragt ihr?“

    „Vielleicht... vielleicht können wir ja mit ihnen sprechen.“

    Fiona entwich ein seltsames Geräusch. „B-Bitte was? Bist du wahnsinnig?“

    „Hast du eine bessere Idee? Ich habe jedenfalls keine Lust, den Rest meines Lebens in Sklaverei zu verbringen! Eher sterbe ich!“

    Fiona wirkte außer sich. „Das kann nicht dein Ernst sein! Wie stellst du dir das vor? Sollen wir sie einfach nett darum bitten, uns zu helfen?“

    Ich grinste. „Genau das. Erinnerst du dich nicht? Sie haben versucht, uns zu retten. Und wir haben es nur wegen ihnen geschafft, oder nicht?“

    Beide Frauen sahen mich an, als wäre ich komplett verrückt geworden.

    - - -

    Ich saß mit Fiona im zweiten Stock des Hauses der alten Dame. Sie hatte uns ein kleines Zimmer zur Verfügung gestellt. Eine einsame Kerze erleuchtete den Raum, und ihr Licht flackerte Schwach in der Dunkelheit der Nacht.

    Ich lag auf dem Bett und starrte angestrengt an die Decke.

    „Die alte Dame hat gesagt, dass die Dorfbewohner nur ihrem Tagesgeschäft nachgehen dürfen. Das heißt, dass sie die Zeit von nachmittags bis morgens in ihren Häusern verbringen müssen.“

    Ich hörte ein Schnaufen aus Fionas Richtung. „Ja, und?“

    „Die Riesinnen kommen zweimal am Tag ins Dorf. Einmal morgens, einmal Nachmittags. Wir müssen sie irgendwie abfangen.“

    „Wie stellst du dir das vor? Es tut mir leid, aber ich denke immer noch, dass du verrückt bist.“

    „Ich weiß. Vielleicht bin ich es auch. Aber ich sehe keine andere Lösung. Wir müssen es zumindest versuchen. Also lass mich dich nochmal fragen. Hast du eine bessere Idee?“

    „Nein... nein. Habe ich nicht. Ich habe nur kein gutes Gefühl bei der Sache. Ich möchte nicht, dass du dich in derlei Gefahr begibst.“

    „Zum dritten Mal. Was zur Hölle sollen wir sonst tun? Uns die nächsten 50 Jahre in diesem Haus verstecken? Eher trinke ich Gift!“

    Plötzlich fiel mir etwas ein. Gift. Gift! Ja!

    „Fiona. Warte mal. Was hast du alles für die Expedition eingepackt? Irgendetwas, das uns weiterhelfen könnte?“

    „Ich wüsste nicht, wie uns ein paar Glasphiolen und Pinzetten helf--“

    Sie unterbrach sich selbst.

    „Nein, vergiss das. Vielleicht gibt es doch etwas.“

    Sie sprang auf und lief zu ihrem Rucksack, der neben der Tür stand. Sie wühlte kurze Zeit darin herum und zog eine Phiole mit einer durchsichtigen Flüssigkeit daraus hervor.

    „Das hier“, sagte sie stolz.

    „Und was zum Teufel soll das sein?“

    „Schlangengift. Ich trage es immer bei mir, wenn wir eine Insel erkunden. Es dient einerseits der Abwehr, andererseits kann man darin andere Flüssigkeiten auflösen und neutralisieren.“

    Meine Augen leuchteten auf. Es war fast so, als hätte sie meine Gedanken gelesen. „Und... und was heißt das jetzt?“

    „Vielleicht könnten wir eine von den Riesinnen damit abmurksen!“

    Ich sah misstrauisch auf den kleinen Glasbehälter. „Und das reicht? Ist nicht gerade viel, oder?“

    Fiona setzte einen gemeinen Blick auf. „Ein Tropfen reicht locker aus, um einen Menschen in wenigen Momenten zu töten. Das hier sollte ausreichen, um eine von ihnen fertig zu machen! Ich bin mir sicher!“

    „Das ist doch schon mal etwas. Allerdings stellt sich mir die Frage, wie wir sie dazu bekommen sollten, es zu trinken.“

    Wieder sah mich Fiona eindringlich an. „Die Menschen hier stellen den Gigantinnen Wasser zur Verfügung, oder? Wenn du tatsächlich mit ihnen reden möchtest, könntest du sie davon überzeugen, die ältere Riesin damit zu vergiften. Da hast du deinen Plan!“

    Ich lachte laut auf. „Das klingt wahnsinnig! Hahah! Probieren wir es!“

    Selbst Fiona musste nun lachen. Es gab einen Hoffnungsschimmer. So dünn und schwach wie er auch war, es war ein Anfang. Nun mussten wir nur noch einen Weg finden, ungestört mit den jüngeren Riesinnen zu sprechen. Und ich hatte bereits eine Idee.

    - - -

    Wir wurden unsanft aus dem Schlaf gerissen.

    THUD.

    THUD.

    THUD.

    Das Geräusch war unverkennbar, Die Riesinnen waren auf dem Weg in das Dorf, und ich blickte verschlafen aus dem Fenster. Die Sonne war gerade aufgegangen. Doch bevor ich einen klaren Gedanken fassen konnte, klopfte es an der Tür. Es war die alte Dame. Sie wirkte angespannt.

    „Guten Morgen, ihr beiden.“

    Ich flüsterte ihr ein grummeliges „Morgen“ zu.

    Die alte Dame verlor jedoch keine Zeit und sprach schnell. Jetzt wirkte sie nicht mehr nur angespannt, sie war es auch.

    „Ich... ich muss jetzt zum morgendlichen Appell. Ihr bleibt hier und versteckt euch, habt ihr verstanden? Ihr dürft unter keinen Umständen das Haus verlassen. Egal, was passiert!“

    Ich sah die Frau argwöhnisch an. „Appell? Was?“

    „Keine Zeit für Erklärungen. Wir sehen uns später! Bitte vertraut mir!“

    Ohne auf eine Antwort zu warten schloss sie die Tür und machte sich wieder auf den Weg in das Erdgeschoss. Kurze Zeit später konnte ich hören, wie sie die Haustür öffnete und wieder abschloss.

    Fiona, immer noch verschlafen, gähnte laut. „Appell? Was das wohl heißt?“

    „Keine Ahnung, Warten wir es ab.“

    Ich zog mich an und schnappte mir einen Stuhl. Ich platzierte ihn genau vor einem Fenster und hatte einen direkten Blick auf den Marktplatz, auf dem wir gestern noch um unser Leben fürchteten. Eine eindrucksvolle Anzahl an Menschen hatte sich bereits dort versammelt und schien auf irgendetwas zu warten. Auch die alte Frau war auf dem Weg dorthin. Was passierte nun?

    THUD.

    THUD.

    Die Riesen waren schneller da, als ich erwartete. Sie stellten sich direkt vor die Menschen auf dem Marktplatz und blickten auf sie hinab. Der Anblick war immer noch unglaublich. Ich fühlte mich, als wäre ich in einem Traum. Ich konnte wirklich nicht anders, als diese unbegreiflichen Geschöpfe einfach nur anzustarren. Ihre unfassbare Kraft, ihre schiere Größe... wie aus einem Märchen! Allein ihre Beine waren massiger als die dicksten Baumstämme, die ich in meinem Leben je gesehen hatte. Ich hatte Probleme, ihre Gesichter klar zu erkennen, so weit oben im Himmel waren sie. Es hatte etwas Faszinierendes, etwas Übernatürliches. Als wären sie nicht von dieser Welt. Es sah seltsam aus, wie die Menschenmassen vor ihnen nicht einmal bis zu ihren Knöcheln reichten und wie aufgeschreckte Mäuse herumwuselten.

    Als ich die Gigantinnen so beobachtete, bekam ich erneut Angst. Vielleicht war mein Plan doch nicht so intelligent...? Ich versuchte, den Gedanken zu verdrängen.

    Die ältere Riesin, Anina, begann nun zu den Menschen zu sprechen.

    „Guten Morgen, meine Kleinen! Habt ihr alle gut geschlafen?“

    Niemand antwortete.

    „Ja, ja. Wie auch immer. Durchzählen!“

    Fiona, die inzwischen neben mir stand, schreckte kurz auf. „Jetzt verstehe ich! Sie zählen jeden Morgen die Dorfbewohner!“

    „Wahrscheinlich, damit keiner abhaut“, ergänzte ich.

    Anina wartete geduldig, bis der letzte Mann seine Zahl nannte. 407.

    „Schön. Es sind also alle da. Das freut mich.“

    Sie setzte einen arroganten Blick auf. Nicht, dass er nicht vorher schon überheblich gewesen wäre, aber ich konnte einen Anflug von Wut in ihren Augen entdecken.

    „Kommen wir nun zu etwas weniger Schönem. Wo ist der Schmied? Vortreten!“

    Ein älterer Mann trat aus der Menge hervor, sichtlich zitternd und mit gesenktem Kopf trat er genau vor die Zehen der Riesin Anina. „Hier“, rief er ihr zu.

    Anina sah abschätzig auf ihn hinab. Wie auf ein unartiges Hündchen. „Du hast gestern schlechte Arbeit geleistet. Was sollte das? Nur ein dünner Goldring? Willst du dich über mich lustig machen?“

    Der Mann schien in Panik auszubrechen. „Ich... Es tut mir leid! Das... das Rohmaterial geht uns aus! Ich weiß nicht, wo ich--“

    Anina stemmte erneut die Hände in die Hüften. „Genug! Schweig!“

    Sie hob langsam ihren riesigen Fuß, holte leicht aus und stieß dem alten Schmied mit dem großen Zeh gegen die Brust. Dieser schrie sofort laut auf und fiel rücklings zu Boden. Nun lag er da, und ängstlich starrte er hoch in den Himmel. „Bitte! Verschont mi--“

    Die Riesin ließ ihm keine Zeit, auszusprechen. Sie setzte ihre Ferse vor ihm auf den Boden und senkte ihre gewaltige Fußsohle so über ihn, als würde sie ihn zertreten wollen. Der Schmied schrie, als hätte man ihn mit einer Flinte angeschossen. Seine Panik konnte ich bis in das Haus der alten Dame spüren.

    Anina senkte ihren Fuß weiter und positionierte ihn nun so, dass der Kopf des Schmiedes zwischen ihrem großen und zweiten Zeh hinausschaute. Ihre weiche Fußsohle hielt den Rest seine Körpers unter Kontrolle und drückte ihn sanft in den weichen Boden.

    Die Menschen auf dem Marktplatz schrien aufgebracht. Es war schlimm, dieses Schauspiel aus der Ferne zu beobachten. Wieder breitete sich Wut in mir aus.

    Die Riesin begann erneut zu sprechen.

    „Das ist deine letzte Warnung. Hast du verstanden? Nächstes Mal zerquetsche ich dich einfach wie ein Insekt! Wenn du auch nur noch einmal so eine schlechte Arbeit ablieferst, bist du dran! Kapiert?! Deine Frau und deine Kinder können sich dann auch auf etwas gefasst machen, das kannst du mir glauben!“

    Der Schmied antwortete nicht. Er schnappte nach Luft und schien kurz vor dem Ersticken zu sein.

    Anina wartete noch wenige Sekunden und hob dann endlich ihren Fuß von dem Mann, der sich sofort an den Hals fasste und zusammengekrümmt auf dem Boden liegen blieb.

    Die Riesin lachte. „Keiner hilft ihm! Ihr bleibt, wo ihr seid!“

    Dabei stampfte sie fest auf den Boden, um ihren Worten Nachdruck zu verleihen.

    KRACH!

    Das Haus der alten Dame wackelte brutal. Erneut konnten wir die unglaubliche Kraft der Gigantinnen direkt spüren.

    „So, und jetzt auf die Knie! Alle!“

    Fiona und ich sahen hilflos dabei zu, wie die Menschen auf dem Marktplatz auf die Knie gingen und ihre Gesichter gen Boden senkten. Regungslos verharrten sie mehrere Minuten in dieser unwürdigen Position, während Anina amüsiert kicherte.

    „Gut, gut. Ihr macht das fein, meine Kleinen!“

    Es war grauenhaft, schrecklich...! Wie konnte sie die Leute nur so behandeln? Es war mir ein Rätsel. Ich drohte, in meinen Gedanken zu versinken, doch Fiona stieß mir plötzlich mit dem Ellbogen in die Brust.

    „Schau! Du könntest recht haben! Sieh dir die jüngeren Riesinnen an!“

    Ich schüttelte die Gedanken ab und sah erneut herüber zum Platz. Die beiden anderen Gigantinnen standen einfach nur da, hinter Anina, und sie wirkten fast beschämt. Keine von ihnen sagte auch nur ein Wort. Ganz offensichtlich schien ihnen dieses Verhalten nicht zu gefallen. Als wäre es ihnen unangenehm. Es mag meine Fantasie gewesen sein, aber ich glaubte, in ihren Augen Mitleid zu erkennen.

    Fiona wirkte euphorisiert. „Du hast tatsächlich recht. Es könnte funktionieren...!“

    Bevor ich antworten konnte, war das „Gebet“ vorbei. Anina verabschiedete sich mit einem frechen Grinsen und stampfte davon, die anderen beiden Riesinnen im Schlepptau. Die Menschen blieben noch einige Sekunden regungslos stehen und verteilten sich dann im Dorf, um ihrer Arbeit nachzugehen. Die Erde bebte, als die Gigantinnen am Horizont verschwanden.

    So wütend ich war – ich war nun sicher, dass ich zumindest eine kleine Chance hatte. Fiona und ich sahen uns in die Augen und nickten.

    „Captain, du musst es versuchen! So grauenvoll diese Sache ist – ich bin nun auch überzeugt, dass wir zumindest mit ihnen reden könnten! Aber du musst höllisch aufpassen!“

    - - -

    Seit einigen Stunden wartete ich nun an einem der Bauernhöfe im Norden des Dorfes. Die alte Dame berichtete, dass die jüngeren Riesinnen sich hier täglich einige Rinder mitnahmen, um sie zu verspeisen. Da ich morgens natürlich nicht schnell genug vor Ort sein konnte, hoffte ich nun, dass der nachmittägliche Besuch der Riesinnen mir Glück bringen würde. Fiona wartete im Haus der Dame auf mich und wünschte mir viel Erfolg, nachdem ich sie erfolgreich davon abbringen konnte, mich zu begleiten. Es war einfach zu gefährlich. Falls ich es nicht schaffen würde, wäre sie wenigstens in der Lage, irgendwie weiterzuleben.

    Üblicherweise, so sagte man mir, war Anina für die Wasservorräte zuständig. Deswegen waren die Chancen hoch, die jüngeren Riesinnen hier allein anzutreffen.

    Stunde um Stunde verstrich, und meine Angst stieg mit jedem Augenblick. Was, wenn sie mich einfach zertrampeln würden? Mich ignorieren würden? Verdammt. Ich konnte einfach nicht vorhersagen, was passieren würde.

    Ich unterhielt mich ein wenig mit dem Bauern, der zwar neugierig nach meinem Herkunftsort fragte, mich aber genauso wenig mit aufbauenden Worten unterstützte. Er hielt mich für verrückt. Verständlich.

    Als die charakteristischen Beben schließlich zu hören waren, verkroch er sich in seinem Haus. Ich hätte gerne gesagt, dass ich mich nun mutig zu den Rindern auf die Weide stellte und wartete, aber das wäre gelogen gewesen.

    Ich sackte in mich zusammen, als ich ihnen hinterher sah. Heilige Scheiße! Was war hier los?!

    Neben mir lag Fiona. Sie hatte einen leeren Blick und stierte auf den Boden. „W...W...Was geht hier vor? Wir müssen sofort verschwinden! Sofort!“

    Ich stimmte ihr zu. „Verdammt, ja. Komm, wir gehen! Ich kann es nicht fassen!“

    Zitternd stand ich auf und öffnete die Tür der Scheune. Gegenüber sah ich das zerstörte Haus. Oder das, was davon übrig geblieben war. Was für eine unglaubliche Kraft! Ich half Fiona auf und ging mit ihr ins Freie.

    Wir sahen uns kurz um. Von den Riesinnen war nichts zu sehen. Zeit, aufzubrechen.

    Als wir das zerstörte Haus passierten, hörte ich ein Stöhnen. Nein – jemand rief um Hilfe! Ich blickte hinüber zu Fiona.

    „Hast du das gehört? Wir müssen ihnen helfen!“

    Fiona schüttelte den Kopf. „Nein! NEIN! Captain! Wir müssen gehen! Bitte!“

    „Nein. Geh vor, wenn du musst. Ich schaue, was ich tun kann!“

    Fiona zögerte kurz. „Gah...! N-Na gut!“

    Wir liefen zu dem geplätteten Haus. Es sah wahrlich grauenhaft aus, und ich wusste nicht, wie ich an den aufgestapelten Trümmern vorbeikommen sollte, die den Eingang des Hauses versperrten.

    „Hallo?! Ist hier jemand?“ rief ich in die Ruine.

    Eine schwache Stimme antwortete mir. Es war eine Frau. „Ich... ich bin hier! Bitte! Helfen sie mir!“

    Ich folgte der Stimme, und durch ein intaktes Fenster konnte ich die Silhouette einer jungen Frau erkennen, deren Bein unter einem schweren Holzbalken eingeklemmt war. Selbst Fiona konnte angesichts der Situation nicht mehr an sich halten. „Los, Captain. Helfen wir ihr!“

    - - -

    „Woher kommt ihr? Europa? Wo ist das?“

    Die alte Dame, die uns nach der Rettung der eingeklemmten Frau zu sich einlud und ihr Bett für die Verletzte anbot, stellte einen Topf mit Kartoffeln auf den Tisch.

    „Nun, das ist... sehr weit weg von hier.“

    Die alte Dame nickte verständnisvoll. „So so. Aber jetzt haut rein! Ihr habt es euch verdient.“

    Das ließen wir uns nicht zweimal sagen. Und obwohl ich aufgrund der Geschehnisse hungrig wie nie war, musste ich einfach ein paar Fragen stellen.

    „Können Sie uns sagen, was hier vorgeht? Wer oder was sind diese riesigen Frauen?“

    Die alte Dame seufzte schwer.

    „Sie kamen vor einigen Monaten auf unsere Insel. Die beiden jüngeren allein sind harmlos, aber die ältere ist eine grauenvolle Tyrannin! Sie zwingt unser Dorf, ihr Goldschmuck anzufertigen, sie anzubeten und ihr Essen bereitzustellen! Jeden Tag verschlingen die drei mehrere Rinderherden! Wir sind am Ende...! Die ältere zwingt die anderen beiden dazu, uns zu terrorisieren. Scheinbar macht ihr das Spaß!“

    Fiona wirkte betroffen. „Das ist ja schrecklich! Warum verschwindet ihr hier nicht?“

    „Sie haben unsere Schiffe zerstört und erlauben uns nicht, neue zu bauen. Wir sind nur Spielzeuge für sie!“

    Ich spürte, wie die blanke Wut in mir aufstieg. „Das kann doch nicht wahr sein...! Es muss doch etwas geben, das ihr tun könnt!“

    Die alte Frau senkte den Kopf. „Glaubt ihr wirklich, wir hätten nicht schon alle Möglichkeiten durchdacht? Es ist zwecklos. Wir haben keine Ahnung, woher sie kommen oder wie es etwas wie sie überhaupt geben kann!“

    Es war unglaublich. Diese Riesinnen tauchten also einfach eines Tages auf und fingen an, die Menschen des Dorfes zu terrorisieren? Es war so unfair!

    Die alte Dame seufzte erneut. „Macht euch keine Gedanken. Ihr solltet besser verschwinden, bevor sie zurückkommen!“

    Fiona sah mich an. „Können wir nicht ein paar Leute auf unserem Schiff mitnehmen und mit einer Flotte zurückkehren?“

    Ich dachte kurz nach. „Durchaus...! Am besten kehren wir jetzt zum Schiff zurück und bereiten alles vor.“ Ich sah zur alten Frau. „Wäre das in ihrem Sinne, werte Dame? Wir könnten ein paar von ihren Leuten mitnehmen.“

    Sie lächelte schwach. „Das... das wäre toll. Vielen Dank, Reisende.“

    - - -

    Es fühlte sich falsch an, einfach so zu gehen. Aber es gab nichts, was wir jetzt noch im Dorf tun konnten. Wir machten uns auf den Weg zurück zum Landungsboot. Der Wald wirkte unverändert, doch als wir den Strand erreichten, wurde uns unsere miese Lage schlagartig bewusst.

    Der Strand war übersät mit gewaltigen Fußabdrücken. Und unser Boot nirgends zu sehen. Als hätte es sich einfach in Luft aufgelöst. Hatten die Riesinnen es gestohlen? Verdammt!

    Ich drehte mich atemlos zu Fiona um. Sie sah hinaus auf das Meer. Ihr Blick wirkte erneut leer und ausdruckslos.

    „Captain... unser Schiff...! Ich sehe es nicht! Es... es ist weg!“

    Hello,

    mal wieder ein wenig was von mir. Hoffe, es gefällt! ^^

    ~ Insel der Riesinnen ~

    „Captain! Land in Sicht!“

    Endlich. Wie lang hatte ich auf diesen Satz gewartet? Wochen? Monate? Ich konnte mich nicht mehr erinnern. Aber das war jetzt egal – denn nach all der Zeit auf See hatte ich langsam die Schnauze voll von unserer schaukelnden Nussschale. Ein Gefühl wohliger Vorfreude breitete sich in mir aus. Gutes Essen, ein Bett, vielleicht ein paar Drinks... das alles war nun nicht mehr weit weg. Ich hatte keinen Schimmer wo genau wir uns inzwischen befanden, aber ich hoffte auf ein kleines Dorf, oder gar eine Stadt auf der Insel, die allmählich in der Ferne am Horizont auftauchte.

    „Fantastisch!“, rief ich zurück. „Kommt alle her!“

    Meine Crew war nicht sonderlich groß. Wir waren lediglich fünf Leute, die sich auf eine Entdeckungs- und Forschungsreise begeben hatten.

    Ich wartete einige Sekunden, bis sich alle auf dem Deck versammelt hatten.

    „Okay. Hört zu: ihr wisst, wie die Sache läuft. Ich werde gehen. Wer kommt mit mir?“

    Fiona war die erste, die ihre Hand hob. „Ich bin dabei.“

    „Gut. Der Rest bleibt hier und bewacht das Schiff. Man weiß nie.“

    Die Crew verteilte sich auf ihre Posten, während ich zu meiner Kabine spazierte und meinen Rucksack packte. Ein paar Rationen, Wasser, ein Kompass. Das sollte reichen. Ich rechnete nicht damit, länger als ein paar Stunden weg zu sein. Ich schloss die Tür und lief zu unserem kleinen Landungsboot, das mit einer Art hölzernem Kran am Rand des Schiffes befestigt war. Fiona wartete bereits auf mich.

    „Und? Hast du Angst?“ fragte ich sie.

    „Nein, nein. Was soll schon passieren? Ich habe ja meine Flinte dabei.“

    Ich grinste. Fiona war zwar manchmal sehr merkwürdig, aber ich schätzte sie. Sie meldete sich als Forscherin für unsere Reise und kannte sich mit Dingen wie Botanik, Nahrungsmitteln und Tieren mehr als nur gut aus. Sie war noch sehr jung, aber schien mutiger als die meisten meiner Leute. Es bot sich also an, sie zur Insel mitzunehmen. Selbst wenn wir kein Dorf vorfanden, würde sie schon dafür sorgen, essbare Beeren oder Pilze zu finden. Auch wenn unsere Vorräte noch für einige Wochen ausreichten, schadete es nie, diese aufzustocken.

    Wir setzten uns in das Boot und warteten darauf, dass Edward uns mit Hilfe einer großen Winde hinunterließ. Mit einem lauten Platschen setzten wir auf dem Wasser auf. Ich schätzte, dass wir etwa eine halbe Stunde brauchen würden, um zum Stand zu paddeln. Wir winkten Edward zu und machten uns auf den Weg.

    Die Sonne brannte unangenehm. Meine Kleidung aus Leinen schien ungeeignet für diese Temperaturen, aber alles war besser als ein saftiger Sonnenbrand.

    Fiona räusperte sich, kurz bevor wir anlegten. „Was glaubst du, was wir hier finden?“

    „Ich weiß es nicht. Lassen wir uns überraschen, oder? Primär hoffe ich auf ein vernünftiges Bett!“

    Fiona lachte. „Du bist echt ein Träumer. Aber ja. Warten wir es ab.“

    Wenige Minuten später schoben wir unser Boot über den Sand und sicherten es mit einem Seil, das wir um einen länglichen Stein banden. Ich ließ meinen Blick durch die Umgebung schweifen.

    „Nichts hier. Seltsam.“, bemerkte ich.

    „Ja. Etwas unheimlich ist es schon. Kaum zu glauben, dass hier niemand lebt.“

    Der Strand war wie ausgestorben. Er grenzte direkt an einen dichten Wald, und hohe Bäume verdeckten unsere Sicht auf das Innere der Insel. Sie schien sehr flach zu sein. Gebirge oder ähnliche Höhen konnte ich auf den ersten Blick nicht entdecken.

    „Komm, gehen wir los.“

    Zügig erreichten wir den Rand des Waldes. Dort angekommen sprang mir etwas sofort ins Auge.

    „Schau! Ein Weg! Jemand hat hier einen Weg ausgehoben. Es gibt also Menschen hier!“

    Fiona atmete laut aus, sichtlich erleichtert. „Zum Glück! Ich kann es kaum erwarten, ein Bad zu nehmen!“

    „Und du nennst mich Träumer?“

    Wir blickten uns kurz in die Augen, warfen uns ein paar freche Blicke zu und folgten dem Weg in das Herz des Waldes. Dichte Baumkronen schützten uns vor der brennenden Sonne, und es machte das Wandern deutlich angenehmer.

    Nach etwa 30 völlig ereignislosen Minuten erreichten wir den Waldrand – und wir hatten recht!

    Wir standen am Eingang eines Dorfes!

    Erneut breitete sich ein wohliges Gefühl in mir aus. „Hahah! Verdammt nochmal! Hier lebt also wirklich jemand! Ich brauche ein Bier!“

    Ich blickte herüber zu Fiona. Diese schien sich allerdings nicht so sehr zu freuen wie ich.

    „Was ist los?“

    „Siehst du es nicht? Hier ist niemand! Es ist alles wie ausgestorben!“

    Ich drehte mich wieder um. Tatsache. Es war ein recht großes Dorf, aber es war niemand auf der Straße. Oder in einem der zahlreichen Gärten. Oder sonst wo. Was zur Hölle war hier los? Eine Gänsehaut lief mir eiskalt den Rücken hinunter. Meine anfängliche Euphorie war einer Spur Angst gewichen.

    „Du... du hast Recht! Was geht hier vor? Vielleicht sind alle in ein anderes Dorf gezogen?“

    Fiona sah sich vorsichtig um. „Nein. Das kann nicht sein. Hier war vorm Kurzem noch ein Haufen Menschen! Schau! Dort hinten brennt ein Feuer...! Das sieht aus wie die Hütte eines Schmiedes!“

    Ich folgte ihrem Blick und entdeckte das lodernde Feuer in einem großen Steinofen, weiter hinten im Dorf. Meine Knie wurden weich, doch Fiona riss mich aus meinen Gedanken.

    „Das ist wirklich unheimlich. Was machen wir jetzt? Ich habe kein gutes Gefühl.“

    Ich nickte.

    „Ich auch nicht. Vielleicht findet hier gerade ein religiöses Ritual statt?“

    Fiona schien nachzudenken. „Das kann sein. Sollten wir dann hier sein? Ich bin mir nicht mehr so sicher, Captain. Irgendwas stimmt hier nicht.“

    Ich nahm allen Mut in mir zusammen, legte meine Hand auf ihre Schulter und versuchte, überzeugend zu klingen.

    „Komm, wir schauen uns mal um. Im schlimmsten Fall haben wir ja dein Gewehr. Was soll schon passieren?“

    Fiona schluckte. „In... in Ordnung.“

    Ich sah dabei zu, wie sie die Flinte aus ihrem Beutel zog und sie vorsichtig lud. Dann drückte sie sie mir in die Hand. „Nimm du sie. Ich bin direkt hinter dir.“

    Ich nahm das Gewehr und blickte wieder in Richtung Dorf. „Gut. Gehen wir.“

    Langsam gingen wir durch die leergefegten Straßen. Es war still. Zu still. Ich versuchte, einen Blick in eins der Häuser zu erhaschen, doch es schien niemand dort zu sein. Das Dorf war nicht gerade klein, und umso wunderlicher schien es, dass wirklich keine Seele vor Ort war. Nach einiger Zeit erreichten wir das Zentrum des Dorfes, ein großzügig geschmückter Marktplatz. Auch er war menschenleer.

    Fiona stand hinter mir. Ich konnte ihre Angst förmlich schmecken.

    „C-Captain...! Sollten wir nicht mal irgendwo anklopfen und nachfragen? Das kann doch nicht wahr sein! Was geht hier vor?“

    Ich versuchte, sie zu beruhigen. „Mach dir keine Sorgen. Es wird schon alles richt--“

    Da passierte es.

    THUD.

    Der Boden unter uns schien sich plötzlich leicht zu bewegen. Wie ein kleines Erdbeben. Ich drehte mich zu Fiona um und sah ihr in die Augen. „Was war DAS? Hast du das gemerkt?“

    „Ja, ich--“

    THUD. THUD.

    Und wieder. Diesmal schienen es mehrere kleine Erdbeben hintereinander zu sein. Rhythmisch, bedrohlich. Die Beben kamen scheinbar näher.

    Fiona wirkte plötzlich panisch. „W-Wie kann das sein? Was ist hier los? Was ist das? Erdbeben? Mehrere? Das ergibt keinen S--!“

    THUD. THUD. THUD.

    Diesmal warf es uns beinahe auf den Boden. Die Beben waren nun so deutlich zu spüren, dass wir Probleme hatten aufrecht stehen zu bleiben. Ich sah mich um, voller Angst. Irgendwas musste doch zu sehen sein!

    THUD. THUD. THUD. THUD.

    „Captain! Wir sollten hier verschwinden! Das ist nicht gut! Gehen wir zurück zum Schiff!“

    Ich versuchte, mir meine Panik nicht anmerken zu lassen. „Noch nicht! Das sind doch nur kleine Beben! Die hören schon wieder auf! Vielleicht ist das auch der Grund, warum niemand hier draußen ist!“

    Gerade, als ich mich wieder umdrehen wollte, sah ich sie hinter Fiona auftauchen.

    Riesinnen.

    Zwei gewaltige Riesinnen, die mit hohem Tempo genau auf uns zukamen und uns scheinbar bereits entdeckt hatten. Das war wohl auch nicht sonderlich schwierig, wenn man bedachte, dass wir mitten auf einem leeren Marktplatz standen.

    Ich blieb wie angewurzelt stehen und konnte nicht anders, als in die Richtung der Gigantinnen zu starren. Sie waren sicher an die 50 Meter groß! „F-Fiona...! H-Hinter dir...!“

    Fiona drehte sich langsam um, blieb für eine Sekunde still stehen und fing dann an, wie am Spieß zu schreien.

    „Aaahh--! Was ist DAS?! R-Riesen? HILF--“

    Ich presste ihr eine Hand auf den Mund und versuchte sie vom Marktplatz zu schleifen, während die Riesinnen immer näher kamen. Ich schaffte es schließlich, Fiona hinter einen steinernen Brunnen zu bugsieren und kauerte mich neben ihr auf den Boden. Sie zitterte, kalter Schweiß lief ihr Gesicht hinunter. Genau wie mir.

    „W-Was zur Hölle sind die?! Haben die uns gesehen?!“ flüsterte sie mir ins Ohr.

    „Ich weiß es ni--“

    Ich wurde jäh von den Worten einer der Gigantinnen unterbrochen, die nun nur noch wenige Meter von uns entfernt standen und auf uns herabblickten.

    „Schnell! Ihr müsst euch verstecken! SIE wird gleich hier sein!“

    Mein Gehirn setzte kurz aus. W-Was?

    „Habt ihr nicht gehört? Los! Versteckt euch irgendwo!“

    Ich konnte es nicht fassen. Vor wem sollten wir uns bitte jetzt noch verstecken? Sie hatten uns doch längst entdeckt!

    „Bitte, kleine Menschen! Ihr müsst euch sofort verstecken, sonst können wir euch nicht mehr helfen!“

    War das ein Trick? Langsam hob ich meinen Kopf über den Rand des Brunnens – ich hatte sowieso keine Wahl. Ich erschrak erneut. Wie konnten diese beiden überhaupt existieren? Sie waren so unfassbar gigantisch...!

    Ich warf einen kurzen Blick auf die Titaninnen. Sie schienen jung – maximal Anfang 20. Beide trugen dreckige Sommerkleider, die ihnen gerade so über die Knie reichten. Ihre fast 9 Meter langen Füße waren nackt und standen genau vor dem Brunnen. Ein unfassbar angsteinflößender Anblick, hätten diese vier Riesenfüße uns doch locker zertreten können! Mein Blick wanderte weiter, hoch zu ihren Gesichtern. Beide trugen ihr Haar sehr lang – die eine war blond, die andere hatte dunklere Haare.

    „Habt keine Angst, Menschen! Wir tun euch nichts...! Aber ihr müsst euch jetzt verst--“

    Eine weitere, noch viel lautere Stimme unterbrach die blonde Riesin, welche sich nun erschrocken umdrehte.

    „Was ist hier los?“

    Was ich jetzt sah, ließ mich fast in Ohnmacht fallen. Eine dritte Riesin war auf dem Weg zu uns. Und sie schien noch größer zu sein als die anderen beiden.

    THUD.

    THUD.

    THUD.

    Ich konnte nur hilflos dabei zusehen, wie diese Gigantin nun auch genau auf uns zulief. Sie schien ein wenig älter zu sein, trug ebenfalls blondes, langes Haar und war von oben bis unten mit Goldschmuck behangen. Es wirkte ein wenig bizarr, wie ihr dreckiges Kleid und ihre nackten Füße den Schmuck kontrastierten. Ich schätzte ihre Größe auf etwa 65 Meter.

    Als sie nach wenigen Momenten bei uns angekommen war, hörte ich ihre Stimme erneut. „Mit wem redet ihr da, hm?“

    „M-Mit niemandem! H-Hier ist keiner!“

    Ich konnte es nicht glauben, aber die jüngere Gigantin vor uns versuchte tatsächlich, uns Zeit zu verschaffen. Was war hier los? Wollte sie uns wirklich helfen? Ich verstand gar nichts mehr. Fiona, immer noch neben mir, schien nicht mehr als ein Häufchen Elend. Ich konnte spüren, wie sie zitterte.

    Die ältere Riesin setzte einen argwöhnischen Blick auf. „Lüg mich nicht an!“

    Sie holte aus und schlug der blonden Riesin mit der flachen Hand ins Gesicht.

    KLATSCH!

    „Aah...!“

    Die blonde Gigantin hielt sich vor Schmerz die Wange und machte unbewusst einen Schritt zurück, wobei ihr Riesenfuß mitten auf einem der Häuser des Dorfes landete und es komplett zerstörte. Ihre Zehen brachen mit Schwung durch die Holzbalken des Daches und pulverisierten die Mauern in weniger als einer Sekunde. Steine und Staub regneten ihren Spann hinab und landeten auf dem Boden. Sie blickte erschrocken hinunter auf das demolierte Haus, und ich sah, wie ihre Augen feucht wurden.

    „Ah...! D-Das tut mir leid! Das wollte ich nicht! Bitte vergebt mir!“

    Die ältere Riesin schnaufte.

    „Halt deine Klappe! Hör endlich auf, diese lächerlichen Kreaturen zu bemitleiden! Wo sind deine kleinen Freunde hin? Ich weiß, dass ihr mit jemandem gesprochen habt!“

    Manchmal, aber wirklich nur manchmal, war ich schon etwas klug. In der Zeit, in der die Riesen mit sich selbst beschäftigt waren, schnappte ich mir Fiona und zerrte sie in eine Scheune, die nicht weit von uns entfernt stand. Ich beobachtete die Szene durch einen Riss in der Wand. Mein Herz schlug mir bis in den Hals, mein Puls musste die 300 sicherlich weit überschritten haben.

    Nun sprach die andere jüngere Gigantin das erste mal. Ihre braunen Haare flatterten leicht im Wind.

    „Hier war wirklich niemand, Anina. Du musst uns glauben!“

    Die ältere Riesin stemmte ihre Hände in die Hüften. „Nun gut. Ich sehe niemanden...! Also, kümmert euch jetzt endlich um das Essen. Ich hole das Wasser. Wir treffen uns später.“

    Die braunhaarige Riesin nickte leicht und stampfte hinüber zu der jüngeren Blonden. Sie legte ihren Arm um ihre Schulter.

    „Es wird schon nichts passiert sein. Komm, wir müssen gehen.“

    Die blonde Gigantin nickte. Alle drei Titaninnen drehten sich um und waren so schnell wieder weg, wie sie gekommen waren. Sie schienen darauf zu achten, keine weiteren Häuser zu zertrampeln.

    THUD.

    THUD.

    THUD.

    Macht das bitte, bitte nicht.

    Ich bezweifle zwar, dass das jemand ernsthaft mitbekommt, aber das ist offensichtlich cringe af und lässt uns andere Size-Fans auch als ziemliche Trottel dastehen. Ich würde jedenfalls nicht damit in Verbindung gebracht werden wollen.

    Denk mal zurück an die berühmte Jeans-Werbung. Massenweise haben minderbemittelte GTS-Fans Produzenten und die Schauspielerin belagert und ihnen irgendeinen Fetischmist geschrieben, was am Ende dazu führte, dass alles gecancelt wurde. Genauso wie es geistig nicht ganz zurechnungsfähige Fußfetischisten immer wieder schaffen, die ganze Szene durch ihre lächerlichen und teilweise strafbaren Aktionen IRL in den Dreck zu ziehen und das öffentliche Bild dieser eigentlich harmlosen Vorliebe extrem zu verzerren.

    Ich finde, dass Aktionen wie deine stark dazu beitragen, dass Leute eine negative Meinung von der Sache bekommen könnten. Kann mich also nur wiederholen: cringe af. Wieso verspürt man den Drang, anderen Leuten seine Vorlieben aufzudrängen? Das interessiert niemanden und führt am Ende nur zu Drama. Aber ich schätze, das ist einfach die moderne Internetkultur...

    Noch ein kleiner Tipp, falls ihr es doch machen solltet: Rechtschreibprüfung anlassen! :*

    Wenn du mit RPs Geld verdienen willst, dann ist die GTS-Community definitiv der falsche Ort. Da du den Fetisch vermutlich auch nicht hast, wird da niemand für bezahlen, der nicht auch so auf "normale" SM-Spielchen abfährt. Die meisten Leute wünschen sich jemanden, der das alles hier mit Herzblut und Verstand auslebt. Nicht jemanden, der einfach nur Geld damit verdienen will weil er sonst nix gelernt hat. Ist vielleicht im SM-Bereich möglich, da laufen genug Leute rum, die genau darauf abfahren. Aber hier? Eher nicht. Schon gar nicht in DE.

    Stimme hier Trustman 100% zu.

    Wenn mich ein Clip wirklich interessiert, gebe ich auch Geld dafür aus. Passiert vielleicht einmal alle 2 Jahre, aber dann bin ich in der Regel auch zufrieden. Man merkt leider sofort, wenn sowohl Regisseur als auch Model keinen Schimmer von der Materie haben und das führt für mich dazu, dass der Clip das Geld nicht wert ist. Ist einfach langweilig und fühlt sich nach Cashgrab an. Das ist momentan sowieso die übelste Pestilenz im Onlinemarkt, der ist total überschwemmt von irgendwelchen Leuten, die sich mit Plastikfiguren filmen und omega cringy Dialog abliefern, der einfach nur krass peinlich und null erotisch ist. Also "einfach mal hinsetzen und Clips filmen" funktioniert für mich überhaupt nicht, sofern der Fetisch nicht wirklich gelebt wird. Gibt natürlich gute Schauspielerinnen, aber ist selten. Bei den Filmen von Pranzo ist das aber auch nicht anders, da muss man auch bei 99% der Clips den Ton ausmachen, sonst stirbt man an Cringe.

    Hinzu kommt, dass ich Shrinking-Zeugs eher gar nicht konsumiere und mich da meistens auf Modellstadtvideos verlasse. Aber sobald ich da sehe, dass sich null Mühe gegeben wird und das Model da auf irgendwelchen Pappbechern rumtrampelt, ist es eben auch uninteressant weil lazy af. Come on.

    Fazit: Mühe geben ist wichtig, und man merkt sofort, wenn es nicht so ist. Ebenso merkt man, wenn das Model nicht weiß, was es tut.

    EDIT: Was hier irgendwas mit "Akzeptanz in der Gesellschaft" zu tun haben soll, erschließt sich mir auch nicht ganz. :/

    Ich habe mir mal vor Ewigkeiten bei Ebay Kleinanzeigen ein H0-Konvolut mit etwa 20-30 Modellbauhäusern, Bäumen, Autos und Figuren gekauft. War extrem günstig, und ich hab mich schon etwas weird gefühlt, als ich das Zeug bei so 'nem älteren Herren abgeholt habe und er fragte, wofür ich die Sachen denn bräuchte. Ich würde nämlich nicht wie jemand aussehen, der Modelle baut. :S

    Hab die Sachen dann ab und zu dazu verwendet, ein paar Fotos/Videos meiner Ex in einer Miniaturstadt zu machen. Ist schon ziemlich genau mein Ding und für mich auch besser als 99% aller FX-Videos. Es ist halt irgendwie "real" und meine Ex ist in diesen Momenten für mich eine richtige Riesin gewesen. Macht schon echt Spaß, da zuzusehen.

    In letzter Zeit bin ich aber etwas curious geworden und schlüpfe auch mal in die Rolle des Großen. Dafür sind die Sachen dann ganz cool, und es macht Spaß, damit ein bisschen zu RP'en. Hört sich seltsam an, ist es vermutlich auch, aber hey - who cares? :*

    Okay, allzu oft hält sie sich offenbar nicht daran.

    Wie es ihr gerade in den Kram passt, schätze ich. Oder was mehr Spaß macht.

    Ich bin mir sicher das sie sich beschweren würde falls sie mal auf eine Rasse trifft welches ihr nennenswerten Widerstand entgegensetzen kann... In Richtung "Bah! Die wehren sich ja richtig, das ist mir viel zu stressig. Ich bin weg!"

    :D

    GENAU so wird es vermutlich aussehen, haha! Einfach eine arrogante, faule Schnepfe.

    Danke für deinen Kommentar!

    Kyoko sah noch ein letztes Mal an sich hinab zu den Überresten der Verlierer, spuckte respektlos auf den Boden und marschierte weiter.

    Die Berge waren nun fast genauso hoch wie sie, und sie hatte Mühe, sich durch das nun immer enger zulaufende Tal zu bewegen. Würde sich das noch lohnen? Irgendwie war es hier doch nicht so spannend gewesen, wie sie gedacht hatte.

    Irgendwann ging es nicht mehr weiter. Es war keine Menschenseele in Sicht und sie hätte jetzt klettern müssen, um über die Berge zu kommen. Mit skinny Jeans und engem Top nicht so eine geile Idee. Sie blieb einen Moment nachdenklich stehen.

    „Ach, fuck it. Die Region hier ist scheiße.“

    Sie drehte sich um und ging wieder in Richtung Dorf zurück. Besonders weit war es nicht entfernt, vielleicht ein paar Minuten. Die Überlebenden atmeten jedoch auf, als die riesigen Füße der Gigantin an ihnen vorbei stampften und sie einfach ignorierten. Kannte sie doch so etwas wie Gnade?

    *Thud*

    *Thud*

    Langsam näherte sich wieder dem Plateau mit dem ehemaligen Restaurant und ließ ihre blau-grünen Augen darüber schweifen. Von Weitem schon erkannte sie dort etwas Ungewöhnliches. War das Blaulicht? No way!

    *Thud*

    *Thuddddd*

    Das Plateau erbebte erneut, als der massive Körper der Riesin über der Felskante aufragte.

    „Ooooh nein. So nicht. Nicht mit mir.“

    Die kleinen Polizisten und Notärzte begannen zu schreien. Sie waren gekommen, um den Überlebenden im und um das Restaurant zu helfen. Niemand hätte damit gerechnet, dass die Gewaltige so schnell zurückkehren würde! Diese sah indes mit gespielt dramatischem Blick hinab.

    „Ey, ich hab mir s~o eine Mühe gegeben, und ihr wollt meine harte Arbeit einfach so zunichte machen? Ich bin echt traurig.“

    Jeder wusste, dass die Riesin nur mit ihnen spielte. Es war vorbei.

    „Ich zeig euch mal, wie man Winzlingen *wirklich* hilft. Ist ganz einfach.“

    Wieder hob sie ihren Arm, ballte die Hand zu einer Faust und schlug gezielt auf alles, was sich auch nur ansatzweise da unten bewegte. Die Menschen versuchten zu flüchten, aber es war komplett sinnlos.

    *Craashhhhh*

    In wenigen Sekunden war alles auf dem Plateau pulverisiert. Nun konnte man nicht mal mehr erkennen, dass dort jemals ein Gebäude stand. Oder Autos dort oben waren. Es bliebt nichts als Schrott, halb vergraben in der Erde.

    „Müsst mir nicht danken.“

    Kyoko strich sich die langen Haare hinters Ohr und blickte grob in Richtung der Stadt, die sie heute früh „besucht“ hatte. Sie beschloss, ihre Sandalen abzuholen und sich an irgendeinen Strand zu verziehen. Für heute hatte sie erst mal genug Zerstörung. Und die Winzlinge langweilten sie sowieso. Ihre dummen Spielchen amüsierten Kyoko zwar für eine kurze Zeit, aber im Grunde begegnete sie den immer wieder gleichen Reaktionen. Angst, Panik, Ohnmacht, Geschrei. Wie unglaublich uninteressant. Die Menschen waren wohl einfach eine eher unspannende Rasse.

    Die Erde bebte, als die Riesin wieder durch den Wald und an den zerstörten Bauernhöfen vorbei stolzierte. Sie war immer noch begeistert von dem Gefühl der Macht, dass sich selbst beim Spazierengehen in ihr ausbreitete. Alles erzitterte vor ihr. Wirklich *alles*. Dabei ging sie doch einfach nur! Zu gut. Und wie witzig es war, aus Spaß genau neben einzelnen Winzlingen aufzutreten und sie in Angst und Schrecken zu versetzen!

    *Thud*

    *Thud*

    Ihre Sandalen waren nun in Sichtweite. Scheinbar hatte sich in dem Schrotthaufen, der mal eine Stadt war, nicht viel getan. Noch ein, zwei Minuten, dann konnte sich sich etwas entspannen. Irgendwo in der Nähe würde sie schon ein Gewässer finden. Füße waschen, ganz wichtig.

    Gerade bückte sie sich um ihre Schuhe aufzuheben, als sie die Mini-Streitkräfte entdeckte, die sich um ihre süßen Sandalen herum (und sogar darauf!) stationiert hatten und offenbar auf sie warteten. Reflexartig schreckte sie wieder hoch. Scheiße. Da waren ein paar unangenehme Dinger dabei. Panzer. Artillerie. Geschütze. Unzählige winzige Soldaten. Instinktiv wollte sie einen Schritt zurück machen um sich ein wenig zu schützen, als jemand über ein Mikrofon zu ihr sprach.

    „Bleiben Sie stehen! Keine Bewegung, oder wir schießen!“

    Fuck! Kyoko versuchte, sich ihre Nervosität nicht anmerken zu lassen. Das war wirklich eine ausgesprochen blöde Situation für sie. Es war sowieso ein Wunder, dass die Winzlinge noch nicht versucht hatten, sie mit Atombomben und Jets zur Strecke zu bringen. Wieso auch immer, sie war immerhin schon ein paar Tage auf der Erde. Aber mit einem Panzer wollte sie trotzdem nicht unbedingt diskutieren. Sie hatte sich nämlich alles über die Waffen der Menschen von irgendeinem wichtigen Winzling mit Anzug erklären lassen.

    „Ich beweg mich, so viel ich will.“

    Sie erblickte die vielen Soldaten, die allen Ernstes AUF ihren Sandalen standen und dort unbeholfen in den von ihren Zehen und Sohlen hinterlassenen Abdrücken herumstolperten. Sie konnte sich einen kurzen Lacher nicht verkneifen. Was sollte *das* bitte bringen?

    „Habt ihr irgendwie 'nen Schuhfetisch oder sowas? Richtiger Traum für euch, oder? Könnt einfach auf meinen großen Sandalen rumlaufen und euch so richtig gehen lassen! Tobt euch ruhig aus! Bin mir sicher, dass die für euch auch ganz besonders gut riechen.“

    Eine Antwort ließ nicht lang auf sich warten.

    „Ruhe! Sie legen sich nun langsam hin und warten auf weitere Anweisungen! Wenn sie dem nicht Folge leisten, werden wir das Feuer eröffnen! Und lassen Sie es sich gesagt sein: sie haben keine Chance!“

    Kyoko schüttelte den Kopf und grinste frech.

    „Erst, wenn ihr euer Fußfetisch-Kommando von meinen Schuhen abzieht! Ich brauch die noch.“

    *Zischhhhhh*

    Der plötzliche Warnschuss eines Mini-Panzers verfehlte nur knapp ihr Gesicht. Okay, Scheiße. Wenn der getroffen hätte, wäre es das wohl für sie gewesen. Ach Mann. Jetzt musste sie es wohl tun. Eigentlich hatte sie ihre Größe speziell für diesen Planeten gewählt, damit sie ein wenig Spaß mit den Winzlingen haben und mit ihnen spielen konnte. Aber das wurde ihr jetzt alles ein wenig zu gefährlich.

    „Das ist ihre letzte Warnung!“

    Kyoko schob den linken Ärmel ihres Hoodies ein wenig nach oben. Ein sonderbares Gerät an ihrem Arm kam darunter zum Vorschein. Es sah aus wie eine Armbanduhr, aber auf dem digitalen Display waren nur seltsam leuchtende Symbole zu erkennen. Die Riesin tippte für zwei Sekunden darauf herum und wandte sich wieder an die Soldaten.

    „Pfft. Ihr könnt mich. Was wollt ihr mit euren Spielzeugpanzern schon ausrichten?“

    Die Gigantin spuckte genau vor dem Panzerbataillon zu ihren Füßen auf den Boden.

    „Versucht's doch.“

    Blitzschnell machte sie einen Satz nach vorne und griff sich ihre Sandalen. Alle Menschen, die sich gerade auf ihnen befanden, segelten hart und grauenhaft zu Boden. Sicher 200 Soldaten hatten das peinliche Schicksal, von einem riesigen Damenschuh zu fallen und dabei zu sterben.

    Die Panzer eröffneten sofort das Feuer, aber es war bereits zu spät.

    Die Riesin wurde scheinbar noch riesiger. Unmöglich!

    Hallo,

    hier der dritte Teil der Story! Viel Spaß damit.

    Achtung: nichts für schwache Nerven! :saint:

    ---

    - Kyoko in der Stadt - Teil 3 -

    von Ruffy

    Kyoko zog ihr Bein zurück. Dann drehte sie sich um und legte sich vorsichtig auf den Bauch. Es war ein fantastisches Schauspiel. Ihr riesiger Körper bewegte sich beinahe anmutig, und keiner der Anwesenden konnte seinen Blick von dem titanischen Hintern lenken, der nun immer näher kam.

    „Achtung da unten! Bleibt genau da stehen, wo ihr seid!“

    Die offenen Handflächen der Gigantin berührten den Boden. Langsam streckte sie sich aus und kam schließlich in einer liegenden Position inmitten des Dorfes zur Ruhe. Einige Häuser und Fahrzeuge wurden dabei in Mitleidenschaft gezogen, aber das interessierte die Titanin nicht weiter. Ihre Füße platzierte sie nur wenige Meter von den Winzlingen entfernt, die ihre Zehen und Sohlen nun wie Berge vor sich aufragen sahen. Kyokos kleiner Zeh allein war sicher an die zwei Meter hoch, und ihre wirklich schmutzigen Sohlen über 40 Meter lang. Auf jeden Fall genug Platz – und Arbeit - für alle. Die Riesin verschränkte die Arme unter ihren Kopf und machte es sich gemütlich.

    „Dann fangt mal an! Ich chill ein bisschen. Wenn ich wieder aufwache schauen wir nach dem Ergebnis, okay?“

    Die kleinen Menschen schauten sich ratlos an. Pure Panik war in jedem einzelnen Gesicht zu erkennen. Was nun? Das war einfach nur ekelhaft, grausam und demütigend! Niemand bewegte sich, bis auf einmal ein paar mutige Leute aus der Gruppe traten und einen Schritt nach vorne machten. Voller Angst streckten sie ihre Arme aus und berührten vorsichtig Kyokos riesige Zehen. Sie waren überraschend weich und trotz ihrer gewaltigen Dimensionen irgendwie niedlich. Immer mehr Menschen lösten sich jetzt aus ihrer Schockstarre und gingen zitternd ans Werk. Ein paar von ihnen blieben auf dem Boden stehen und schleckten zaghaft den Dreck von Kyokos Fußnägeln, aber die meisten der etwa 500 Personen kletterten entschlossen auf die Sohlen der Riesin. Es fühlte sich fast schon an als würde man einen Berg besteigen, und irgendwo in der Ferne konnte man hinter ihren Fersen den Riesenhintern sehen, der unfassbar weit entfernt schien. Es war wirklich seltsam, auf dem Körper einer Gigantin zu stehen. Man fühlte sich unbedeutend. Wie ein wertloses Insekt. Ihren Herzschlag konnte man ganz deutlich spüren, selbst auf ihren Füßen noch.

    Die zarten Sohlen der Riesin gaben leicht nach, als die Menschen über sie spazierten. Sie verteilten sich und fingen an, Kyokos Füße wie kleine Hunde auf allen Vieren sauberzulecken. Viele von ihnen weinten und jammerten. Der ein oder andere musste sich sogar übergeben. Den wohlverdienten Feierabend hatte man sich halt anders vorgestellt.

    Kyoko grinste zufrieden. Die Winzlinge tummelten sich wie ein Haufen Ameisen auf ihrem Körper. Es kitzelte, und sie hatte Mühe, nicht laut loszulachen oder sich zu stark zu bewegen. Die kleinen Trottel waren sogar zwischen ihren Zehen und schienen dort mit ihren Händen und Zungen zu arbeiten. Die Riesin fühlte sich großartig und war auch ein wenig stolz auf sich. Wer würde sonst auf so ein ekliges „Spiel“ kommen? Schon cool, oder?

    Langsam wurden ihre Augenlider schwer, und sie begann in eine Art Dämmerschlaf abzusinken. Flüchten würde eh niemand, und was antun konnte ihr auch keiner. Ein perfekter Moment für ein Nickerchen.

    Die kleinen Menschen indes waren überhaupt nicht glücklich. Erde, Dreck, Steine, Metall, zerquetsche Körper, Tiere, Blut... was klebte eigentlich nicht an diesen Füßen? Leider hatten sie keine Wahl und taten ihr Möglichstes, um das Spiel für sich zu entscheiden. Ekelhafter ging es wirklich nicht, und die Minuten verstrichen langsamer als bei einem 10-stündigen Business Meeting.

    Plötzlich zuckte der Körper der Riesin leicht, doch selbst diese für die Gigantin minimale Bewegung ließ jeden Winzling auf der Stelle umfallen und Kyokos Fußsohlen hinabkullern.

    „Uff... *so* lang wollte ich jetzt echt nicht pennen. Fuck.“

    Die Riesin gähnte herzhaft und unterstrich damit nochmal ihre Unbekümmertheit. Es schien ihr einfach egal zu sein, wie sehr die die kleinen Menschen demütigte.

    „Äh... geht mal alle von meinen Füßen. Die Zeit ist um.“

    Das ließ sich niemand zweimal sagen. Alle rannten in Richtung von Kyokos Zehen und rutschten von ihnen herunter. Die Gigantin wartete geduldig, bis sich die zwei Teams ein wenig von ihr entfernt hatten.

    „Okay, dann schauen wir doch mal, was ihr so geschafft habt. Bitte vermischt die Gruppen nicht, das wär unfair!“

    Das blonde Riesenmädchen drehte sich im liegen um die eigene Achse, richtete sich auf und ging in den Schneidersitz. Die Menschenmasse vor ihr stand wie angewurzelt da und blickte ängstlich zu ihr hinauf. Was würde jetzt passieren? Kyoko nahm ihren rechten Fuß in beide Hände, drehte ihn in Richtung ihres Gesichts und inspizierte die Sohle.

    „Hm. Hm. Das sieht ja schon echt nicht so schlecht aus. Da sind zwar noch ein, zwei Flecken hier und da, aber wow! Nicht schlecht! Habt bestimmt alle 'nen richtig trockenen Hals jetzt, hahah~! Hoffe, es hat euch geschmeckt.“

    Nun war der linke Fuß dran. Die Winzlinge erwarteten schwitzend, ausgelaugt und zutiefst verletzt die Entscheidung über ihr Schicksal. Wer würde überleben? Die Augen der Titanin weiteten sich, als sie die andere Fußsohle sah.

    „Alter! Ihr habt ja GAR NIX hinbekommen! Was ist das denn für ein Mist?! Habt euch ja mal echt gar keine Mühe gegeben.“

    Wütend ließ sie ihren Fuß los und senkte ihren Oberkörper. Ihr schönes Gesicht fixierte Team „linker Fuß“ und kam schnell näher. Ihre süße Nase berührte nun fast den Boden, und die Winzlinge fingen erneut an zu schreien, als die bedrohlichen Augen der Riesin nun genau über ihnen schwebten und sie musterten.

    „Sorry, ihr habt verloren.“

    Kyoko warf einen Blick zu Team „rechter Fuß“, welches (für sie) nur wenige Zentimeter weiter weg stand.

    „Verpisst euch. Ihr könnt abhauen.“

    War das jetzt ihr ernst? Kaum jemand hatte den Mut, sich zu bewegen. Die Riesin war einfach zu gigantisch, zu einnehmend, zu faszinierend, zu angsteinflößend, zu... schön?

    „Seid ihr taub? VERPISST EUCH!“

    Als der warme, süßliche Atem der Gigantin über sie wusch, begriffen die Winzlinge endlich und rannten. Niemand hatte ein Ziel. Alle wollten einfach nur weg von dieser grausamen Tyrannin. Ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, dass die andere Gruppe wohl nun ihr Leben lassen musste. Kyoko sah den Fliehenden einen Moment hinterher, dann richtete sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf das Verliererteam.

    „Ja, was war denn da los, ihr faulen Säcke? Wolltet ihr nicht gewinnen? War euch das zu eklig, oder was?“

    Niemand antwortete. Die allgemeine Panik wurde nun fast unerträglich. Jeder wollte einfach nur weg. Weg von dieser Situation, weg von dieser grausamen Riesin. Diese schnaufte empört.

    „Also... wollt ihr mich beleidigen, oder was? Sind sich die edlen Damen und Herren zu fein, um mir die Füße zu lecken? Ihr solltet euch geehrt fühlen dass ihr die überhaupt anfassen dürft, ihr dummen Penner!“

    Gefühlt heulte jetzt jeder. Frauen brachen zusammen und fielen in Ohnmacht. Gestandene Männer gingen auf die Knie und vergruben das Gesicht in den Händen. Das war alles einfach zu schlimm. Nicht auszuhalten. Die schiere Präsenz dieser Riesenschlampe war schon zu viel. Allein, wie sie da saß. Arrogant, überheblich, selbstgefällig. Es war so was von unfair. Aber es war nichts daran zu ändern. Sie war zu mächtig.

    „WAS IST LOS?!“

    Der Mund der Gigantin befand sich nur wenige Meter über der Menschentraube. Sie schrie so unfassbar laut, dass einigen Winzlingen das Trommelfell platzte.

    „Wo ist euer scheiß Teamkapitän?“

    Es gab Teamkapitäne? Wieder bewegte sich niemand. Kyoko wartete ein paar Sekunden und fing dann unerwarteterweise an zu lachen.

    „Hahah. Okay, okay. Ihr seid fickend langweilig. Ich hab die Schnauze voll. Immer der gleiche Mist.“

    Sie lehnte sich wieder zurück und blickte nun wieder von weiter oben auf die Menschen hinab. Sie hob langsam ihren Arm und spreizte die Finger.

    „Dann geben wir uns doch mal lieber die Hand auf ein gutes Spiel, oder?“

    Ohne Gnade und mit voller Wucht rammte Kyoko ihre offene Handfläche mit einem lauten Donnern in den Boden und zerquetschte etwa 150 der Verlierer auf einen Schlag. Die kleinen Körper zerplatzen wie Trauben, als sie zwischen der Erde und dem Muskelfleisch der Gigantin eingeklemmt wurden. Ihre Hand färbte sich blutrot, und die meisten der kleinen Körper klebten noch an ihr, als die Riesin erneut ausholte und den Rest des Teams mit einem weiteren mächtigen Klatscher vernichtete.

    „Menschen sind einfach so langweilig, Mann...“

    Kyoko stand auf. Sie hatte genug von dem ganzen Mist hier. Irgendwo weiter weg sah sie noch, wie sich das Gewinnerteam immer weiter von ihr entfernte und sich am Fuße eines Berges zu sammeln schien. Als hätte sie sie da nicht gefunden. Lächerlich. Aber sie würde diesmal ihr Wort halten.

    Das Dorf selbst sah auch nicht mehr allzu gut aus. Ein paar eingestürzte Häuser, ein paar umgekippte Autos und Busse. Wieder ein paar rote Flecken. Meh.

    „Byebye, ihr Schwachmaten.“

    Danke für den Kommentar!

    Ach, der Avatar war alt und total verpixelt. Ich such mir die Tage mal einen neuen...

    Das ist das Grausamste was Kyoko bisher getan hat. Diese ungewöhnliche Beschreibung lässt durchblicken das sie bereits einmal (wahrscheinlich um Jemanden in einem Park das Picknick zu verderben) einen Haufen Waffeln zertreten hat? Was für ein Monster tut so etwas?

    :D Ja, so ungefähr.

    Keine Ahnung, muss bei Bauernhäusern immer an viel Holz denken. Hab mir den Effekt dann ähnlich vorgestellt. :/

    Die Berge wurden schnell höher. Nach wenigen Minuten waren sie bereits auf Hüfthöhe.

    ---

    Klara lachte aus vollem Herzen und musste beinahe ihren Tee ausspucken.

    „Nein. Wirklich?“

    Ein gutaussehender Mann saß ihr gegenüber. Er trug ein Hemd und eine schicke Frisur. Er gestikulierte wild mit den Händen.

    „Ja, kein Scherz! Genau so war's! Ist direkt da vorne passiert, am Tresen!“

    Das Restaurant in denen die beiden saßen erfreute sich seit Jahrzehnten großer Beliebtheit. Direkt am Hang eines Berges gelegen, zog es täglich hunderte Besucher an. Der Kaffee war etwas teurer, aber das machte der wundervolle Ausblick wieder wett. Auch heute war es wieder voll. Sicher 100 Gäste genossen das gute Wetter und sonnten sich bei einem Stück Kuchen im Biergarten.

    Plötzlich begannen die Kaffeetassen rhythmisch auf ihren Untersetzern zu klappern.

    *Klinkkk*

    *Klinkkk*

    Allgemeine Verwirrung setzte ein. Was war das? Ein Erdbeben? Klara stand auf und rannte an den Zaun am Berghang, um vielleicht etwas zu sehen. Und da war auch was.

    Etwas... gigantisches schob sich hinter einer Bergkante hervor. So gigantisch, dass sie nicht mal erkennen konnte, was es überhaupt war. Sie fing an zu schreien. So wie jeder andere im Restaurant auch. War SIE es?

    ---

    Kyoko erblickte ein kleines Gebäude in Höhe ihres Bauchnabels. Davor ungefähr 50 Mini-Autos und ein paar Winzlinge. Eine kleine Straße führte hier hoch, auf eine Art Plateau. Es bot exakt genug Platz für das Gebäude und ein paar Parkplätze. Die Gigantin blickte überrascht hinab auf die einen Zentimeter großen Winzlinge, die nun alles stehen und liegen ließen und zu ihren Autos rannten.

    „Sieh mal einer an.“

    Die Gigantin hob wortlos ihren Arm und ballte ihre Hand zu einer Faust. Ohne eine einzige Gefühlsregung zertrümmerte sie das Restaurant blitzschnell mit einem kraftvollen Schlag, der den ganzen Berg erzittern ließ. Das Gebäude hatte dem nicht viel entgegenzusetzen und gab ohne jeglichen Widerstand nach. Die Leute im inneren Gastraum wurden in Bruchteilen einer Sekunde zu Hackfleisch verarbeitet. Trümmer des Daches regneten auf die kleinen Menschen auf der Terrasse und ihre Autos hinab, und der ein oder andere wurde von einem zerbrochenen Holzbalken erwischt. Der Riesin fiel das ebenfalls auf.

    „Boah, das muss ganz schön wehtun. Hahah.“

    Achtlos hob sie ihre Hand von dem Trümmerhaufen und fing an, die geparkten Miniaturautos mit ihren gewaltigen Fingern zu traktieren. Wie Spielzeuge schob sie die Fahrzeuge auf einem Haufen zusammen und manövrierte sie geschickt Richtung Abgrund. Mehrere Menschen wurden zwischen dem tonnenschweren, sich bewegenden Metallschrott eingeschlossen und wurden jämmerlich zerquetscht.

    *Klankkkk*

    *Klirrrr*

    Mindestens 30 Autos krachten an der Seite des Hangs hinab. Sie fielen 150 Meter in die Tiefe und zerschellten auf dem Waldboden. Einige landeten auf Kyokos nackten Füßen, aber das bemerkte sie nicht mal. Die meisten Menschen auf dem Plateau realisierten jetzt, dass das Auto keine Option war und begannen, die Bergstraße hinab zu rennen. Aus Kyokos Blickwinkel schienen sie sich lächerlich langsam zu bewegen.

    „Pfft. Ihr habt Glück, dass ich grad superfaul bin. Haut bloß ab!“

    Sie ließ die Menschen diesmal einfach laufen. Das war ihr dann doch zu viel Arbeit. Sie wischte sich erneut die Hand an ihrem Hoodie ab und entfernte sich wieder von ihrem „Spielplatz“. Sie wanderte noch tiefer in das Gebirge. Ein wenig weiter in der Ferne schienen die Berge fast so hoch wie sie selbst zu sein. Als sie um den nächsten Knick im Tal bog, bot sich vor ihr jedoch ein willkommener Anblick. Ein kleines Dorf, genau vor ihren süßen Füßen. Sie lächelte arrogant.

    „Hättet wohl nicht gedacht dass ich euch hier finde, was?“

    Das Übliche passierte. Schreie. Sirenen. Da stand doch allen Ernstes ein riesiges Mädchen vor den Dorfbewohnern! Sicher 300 Meter war sie groß. Aber trotz ihres enormen Körpers bewegte sie sich geschmeidig wie eine Katze. Ihr Gesicht war wunderschön, und ihre enge Jeans betonte ihre schlanken Beine. Kaum jemand konnte wegsehen.

    „Aber keine Angst! Ich tu euch nichts. Wirklich. Ich will nur, dass ihr euch alle da vorn auf dem Marktplatz versammelt~“

    Fragend sahen sich die Menschen in die Augen. Sollte man jetzt dorthin gehen oder besser nicht?

    „BEWEGT EUCH!“

    Der Boden erzitterte, als Kyokos laute Stimme durch das Dorf fegte. Dann sah sie, wie aus allen Ecken die Winzlinge auf die Straßen strömten und sich zum Marktplatz in der Mitte der Siedlung bewegten. Wie viele waren es? Um die 500?

    „Geht doch! Und jetzt hört gut zu. Wir machen einen kleinen Wettbewerb!“

    Sie streckte den Winzlingen ihre gigantischen Fußsohle entgegen und ließ sie ein paar Meter über ihren Köpfen schweben. Wieder erklangen zahlreiche infernalische Schreie.

    „Wie ihr sehen könnt, sind die ganz schön dreckig. Bin auch den ganzen Tag in Sandalen rumgelaufen und hab ein wenig... Sport gemacht. Ich will, dass ihr euch jetzt in zwei Gruppen aufteilt und mir die Füße sauberleckt! Die Gruppe, die nach einer Stunde mehr geschafft hat... darf weiterleben~!“

    Das konnte jetzt nicht wahr sein, oder?

    Hallo,

    hier der zweite Teil der Story. Achtung: nichts für schwache Nerven!

    Hoffe es gefällt.

    ---

    - Kyoko in der Stadt - Teil 2-

    von Ruffy

    „Einen brauchen wir aber noch.“

    Die Riesin kniff die Augen zusammen und schaute sich die Personen auf ihrer Hand noch einmal genau an.

    „Ey, du da! Die Tussi mit der Handtasche! Komm' mal etwas näher.“

    Als die junge Frau bemerkte, dass die Gigantin SIE meinte, schaltete sich ihr Gehirn aus. Die schiere Aufmerksamkeit eines solch unfassbar riesigen Wesens war – neben der Tatsache, dass sie sich etwa 250 Meter hoch in der Luft befand – eindeutig zu viel für sie. In Todesangst begann sie unkontrolliert zu schreien und zu zittern. Kyoko rümpfte die Nase.

    „Was ist denn jetzt los, du dumme Bitch? Komm mal runter.“

    Die kleine Frau schrie weiter wie am Spieß. Nichts zu machen.

    „Okay. Dann halt nicht.“

    Die Gigantin starrte die Frau noch einen Moment lang an und schnipste sie dann einfach so von ihrer Handfläche. Genervt blickte sie zurück zu den anderen Winzlingen.

    „Will noch jemand 'nen Freiflug?“

    Niemand bewegte sich auch nur einen Millimeter.

    „Fein! Ich brauch aber trotzdem noch jemanden. Du! Die Alte mit den blonden Haaren! Stell dich mal neben Nina.“

    Die kleine Frau begriff sofort, gab keine Widerworte und rannte schnurstracks herüber zu Nina. Kyoko konnte sich ein Kichern nicht verkneifen.

    „Das hast du toll gemacht! Dann können wir ja jetzt endlich anfangen.“

    Nina schluckte. Was kam jetzt? Kyokos Kichern verwandelte sich unterdessen in ein fieses Grinsen.

    „Nina, pass auf. Hier sind die Regeln.“

    Die Riesin machte eine theatralische Pause.

    „Ich will, dass ihr beide rummacht und euch m~ega leidenschaftlich küsst! Und wenn ihr das nicht wollt, lass ich euch alle fallen! Richtig gutes Spiel, oder?“

    Nina konnte die Tränen jetzt nicht mehr zurückhalten. Was für eine unglaubliche Erniedrigung! Die andere Frau blickte schockiert in ihr Gesicht und begann ebenfalls zu weinen. Kyoko wurde ungeduldig.

    „Macht jetzt!“

    Nina wusste, dass sie keine Wahl hatte. Langsam machte sie einen Schritt nach vorn und küsste vorsichtig die Lippen der Frau vor ihr, die sie weder kannte noch jemals gesehen hatte. Die ältere Frau wusste nicht, was hier passierte. Sie ließ es einfach geschehen und blieb stocksteif stehen. Kyoko sah aufgeregt zu und schien sich zu freuen.

    „Ihr macht das ja wirklich! Oh Mann! Hahah~! Voll niedlich, echt. Noch nicht aufhören!“

    Die kleinen Frauen waren inzwischen eng umschlungen und steckten sich gegenseitig die Zungen in die Hälse. Die Riesin sah noch eine Weile belustigt zu und wandte sich dann wieder an ihre Gefangenen.

    „Okay, okay. Ihr könnt aufhören. War voll sexy! Und weil ihr das so gut gemacht habt, lass ich euch alle gehen! Bin ich nicht großzügig?“

    Die Menschen auf ihrer Handfläche atmeten kollektiv auf.

    „Setzt euch alle mal hin, ich bring euch runter.“

    Vorsichtig ging Kyoko in die Hocke und führte ihre Hand Richtung Boden, wo sie nach wenigen Momenten schließlich zur Ruhe kam.

    „Los, klettert runter. Ich mag euch nicht anfassen, das wär viel zu gefährlich für euch. Geht am besten über den kleinen Finger, der ist nicht so hoch!“

    Es sah seltsam aus, als die Menschen wie kleine Käfer über ihre Hand spazierten und sich halfen, von ihrem fast 2 Meter dicken Finger zu rutschen. Als der letzte winzige Mann den Boden berührte, zog die Riesin ihre Hand zurück und blickte nochmal hinab auf ihre „Gäste“. Diese starrten ängstlich zurück. Nina und die ältere Frau waren zusammengebrochen und lagen weinend auf dem Asphalt.

    „Ja, dann danke nochmal, ne?“

    Wieder breitete sich ein sadistisches Grinsen auf den Lippen der Titanin aus.

    „Und jetzt zertret ich euch trotzdem! Einfach nur weil ich's kann!“

    Schnell stand sie auf, hob ihren rechten Fuß und stampfte krachend auf die kleine Menschengruppe, die sie soeben freigelassen hatte.

    „Tch. Fickt euch.“

    Kyoko verschwendete keinen weiteren Gedanken an das soeben Geschehene und zog unbekümmert weiter durch die Straßen. Wieder landeten ihre Sandalen explosionsartig in Vorgärten, auf Fahrzeugen und Gebäuden. Alles wirkte für sie wie aus nassem Sand gebaut, und die Stadt glich nun mehr einem Haufen Schutt als sonst irgendwas. Die Gigantin hielt kurz inne und blickte sich um. Eigentlich waren nur noch Ruinen in Sicht.

    „Sieht nicht so aus als würd hier noch viel gehen. L~angweilig! Scheint, als müsst--“

    Plötzlich bemerkte sie etwas Seltsames. Eine Fahrzeugkolonne? Etwa 10 rote Miniaturautos fuhren mit Blaulicht und Sirenen durch einen noch halbwegs intakten Stadtteil. Nah. Echt jetzt? Waren die wirklich so dumm? Kyoko marschierte los und platzierte einen ihrer Füße genau im Weg der Krankenwagen, deren quietschende Bremsen selbst für sie noch hörbar waren. Die Riesin blickte überheblich hinab.

    „Seid ihr bescheuert? Was macht ihr hier? Euch ist schon klar was hier abgeht, oder?“

    Sie musste nicht lang auf eine Antwort warten. Einer der Wagen benutzte offenbar ein Mikrofon und eine Verstärkeranlage, um mit ihr zu kommunizieren.

    „Bitte lassen Sie Gnade walten! Wir versuchen, den Überlebenden zu helfen!“

    Kyoko schnaufte.

    „Pfffft! Hat euch wirklich einer hier raus geschickt? Ziemlich mutig, ganz ehrlich.“

    - „Nein! Wir sind Freiwillige! Alle anderen sind schon geflüchtet, aber wir alle wollten irgendwie helfen! Bitte tun Sie uns nichts! Sie können doch Sanitäter und Ärzte nicht einfach so töten! Lassen Sie uns durch! Wir flehen Sie an!“

    Kyoko schüttelte leicht den Kopf und stemmte die Hände in ihre schlanken Hüften.

    „Glaubt ihr Deppen echt, dass es mich interessiert was ihr für Jobs habt? Ich geb keine Ficks auf eure scheiß Ethik. Also doch, ich *kann* euch sehr wohl einfach so töten!“

    - „Bitte! Sind Sie wirklich ein so herzloses Monster?“

    Die Gigantin wirkte plötzlich ergriffen. Wie aus dem Nichts. Sie schien kurz nachzudenken.

    „Hmpf... Na gut. Ihr habt gewonnen. Das wär wohl echt einfach nicht fair, schätze ich.“

    Die Stimme aus dem Mikrofon klang beinahe überrascht.

    - „V-Vielen Dank! Wir danken Ihnen!“

    Kyoko nahm ihren gigantischen Fuß von der Straße und sah dabei zu, wie sich die kleinen Krankenwagen langsam in Bewegung setzten und sich von ihr fortbewegten. Sie blieb ein paar Sekunden bewegungslos stehen und beobachtete gerade noch, wie die Autos um die nächste Ecke fuhren und aus ihrem Sichtfeld verschwanden. Dann ging sie ihnen hinterher.

    „Nicht. So. Schnell.“

    Ihre donnernden Schritte ließen die Karosserien der Krankenwagen wackeln. Panik breitete sich bei den Fahrern aus, als die Riesenfüße der Gigantin wieder in ihren Rückspiegeln auftauchten. Kyoko schaute verächtlich auf die Flüchtenden hinab und hob einmal mehr ihren Fuß.

    *Krccchhhhhh*

    Die Rettungswagen wurden geplättet wie Alufolie. Die Fußsohle der Riesin berührte den Boden und verwandelte sechs von den Gefährten in dünne Stahlscheiben.

    *Zinnnnnng*

    Und die letzten drei auch noch. Niemand hatte auch nur die geringste Chance zu überleben.

    „Ihr dummen Lappen! Pffhahah!“

    Kyoko stampfte freudig weiter. Sie war nun fast am Rande der Stadt angekommen und sah vor sich nur noch zahlreiche ausschweifende Kornfelder und einen recht großen Wald. Irgendwo weiter weg war ein Gebirge. Ein letztes Mal noch drehte sie sich um. Rauchende Ruinen, Feuer, Schutt, zerquetschte Bäume. Keine Menschenseele mehr zu sehen. Hier konnte man wohl keinen Spaß mehr haben.

    „Puuuuh~ Hah.“

    Die Gigantin streckte sich entspannt. Fast so, als hätte sie gerade ein großes Werk vollbracht. Sie lächelte zufrieden.

    „Dann checken wir doch mal die Berge aus. Aber vorher...“

    Sie kniete sich nieder und öffnete vorsichtig die Schnallen ihrer Riemchensandalen. Langsam zog sie diese aus und stellte ihre nackten Füße auf einem der Kornfelder ab. Metertief sanken ihre riesigen Sohlen in den weichen Boden und zerstörten alles, was dort wuchs.

    „Ahh. Viel besser~“

    Sie schnappte sich ihre Schuhe und warf sie rücksichtslos hinter sich, wo sie scheppernd in einem Gebäudekomplex landeten und diesen völlig pulverisierten. Staub breitete sich um den Einschlagpunkt aus und ließ die paar Überlebenden in der näheren Umgebung hustend zusammenbrechen.

    „Passt mal auf meine Sandalen auf, okay? Ich hol die später wieder ab. Und wehe, ihr macht damit irgendwas Unanständiges!“

    Ihre schönen Riesenfüße setzten sich in Bewegung.

    *Thud*

    *Thuddd*

    Gnadenlos zertrampelte sie erneut alles, was sich ihr in den Weg stellte. Ein Bauernhaus zerbrach unter ihren Zehen wie ein Haufen Waffeln. Knack! Eine Scheune mit Kühen verschwand einfach unter ihrer Ferse. Einzelne flüchtende Winzlinge zerplatzten wie überreife Tomaten unter ihren Fußballen. Herzlos zerschmetterte sie eine Kirche, die mit betenden Menschen gefüllt war. Der Wald kam langsam näher, und damit auch das Gebirge. Kyoko hinterließ erneut nichts als Fußabdrücke und grenzenloses Leid. Hauptsächlich, weil es ihr Spaß machte.

    Nachdem sie eine ganze Zeit gewandert war, hielt sie kurz inne und versuchte, sich einen Überblick zu verschaffen. Im Gebirge gab es ein Tal. Sie würde wohl zwischen zwei Gebirgsketten entlang laufen können. Wie cool! Vergnügt stampfte sie weiter, Bäume und Tiere des Waldes wurden gleichermaßen unter ihrem unglaublichen Gewicht begraben. Ihre Fußsohlen waren inzwischen komplett schwarz gefärbt.

    Über diesen Satz bin ich ein wenig gestolpert. Eine Person würde ich eher mit "über 300 Meter groß" als mit "über 300 Meter hoch" beschreiben, aber das mag Geschmackssache sein.

    Inhaltlich sehr gelungen und handwerklich sauber. Abseits von dem einem Zitat (und auch das ist schon eher Erbsenzählerei) keine Beschwerden meinerseits.

    Ich mochte den erzählerischen Kniff mit dem du mittels Sarah und Nina, mit welchen Kyoko jeweils ein Gespräch sucht, Anfang und Ende des Kapitels indirekt verknüpft hast.

    Meine Lieblingsszene war als Kyoko den letzten Waggon geleert hat. "Vorische Interaktionen" mit Fahrzeugen, insbesondere Zügen und Flugzeugen mag ich besonders gern.

    Ich kannte Kyoko vom Aussehen her tatsächlich da mich ein Kumpel auf Discord vor etwa einem Jahr mal damit genervt hat das ich mir zumindest einen Playthrough ansehen sollte, "link,link,link" da er unbedingt darüber sprechen wollte. Hab' dann durchgeskippt. Einen Hoodie hat sie in dem optisch stark "Shrink Highs Micro City-esken" RPG-Maker Spiel aber so weit ich mich erinnere nicht getragen, somit waren die verlinkten Bilder für mich auch was wert. ^^

    Danke sehr für den ausführlichen Kommentar.

    Bei dem "hoch" hab ich mir nicht viel gedacht, mal was anderes als "groß". ^^

    Und stimmt. Soweit ich weiß, kommt das Outfit so in dem Spiel nicht vor.

    Was für ein GTS Game? ^^

    Jetzt noch zur Geschichte: Ich find sie klasse! Eine Schöne brutale Riesin die nichts außer zerstören will ist immer was feines ^^ Allerdings habe ich mich ein Wenig in die Geschichte geschmissen gefühlt, dadurch dass es so ein offener Anfang ist. Vielleich hättest du am Anfang das Outfit vorstellen können - das hilft mir immer gut bei der Vorstellung

    Aber sonst sehr schick. :)

    Das Game findest du hier:

    https://kyoko.jimdosite.com/

    Und danke für das Lob! :)

    Hey ließt sich ganz gut.

    Nur wäre eine Beschreibung vom aussehen der Riesin ganz schön gewesen

    Danke!

    Ja, hätte vielleicht ein paar Bilder hinzufügen sollen.

    Ich klau mir die einfach mal:

    https://imgur.com/CN6Cn0E

    https://imgur.com/vZxxWPu

    https://imgur.com/wxHizvr

    Man kann sich auch mehr von dem Charakter auf der Page oben ansehen (über Twitter glaub ich).