Beiträge von Ruffy

    Hier muss ich mal eine Lanze für Taran brechen. Das Forum hier ist ein Ort der Toleranz, hier wird niemand diskriminiert wegen seiner Fantasie. Für den Mainstream sind übrigens ALLE Fantasien hier creepy! Deshalb gibt es dieses Forum ja auch, hier sollen Menschen mit gleichen und/oder ähnlichen Fantasien zusammenfinden. Ich finde an Tarans Frage jetzt nichts verwerfliches, Schlumpf hat Bilder gepostet die zu Tarans Vorlieben passen, warum sollte also Taran nicht nachfragen?


    Ich denke alle sollten sich zusammenreißen und tolerieren das es eben auch andere Vorlieben gibt als die eigenen.

    Bei allem Respekt: Du hast überhaupt nicht verstanden, worum es mir bei dem Post ging. Ich habe ihn nicht kinkshamed, sondern den Umgang mit seinen Vorlieben kritisiert. Ich stehe u. a. selbst auch auf car crush, aber deswegen nerve ich doch nicht jeden User mit der Frage, ob er/sie nicht mal ein paar Bilder für mich machen kann. Es ging absolut nicht darum, was er toll findet. Das ist mir egal.

    Ich finde so ein Verhalten jedenfalls unangebracht - und das kann er ja ruhig weiter so machen. Ich wollte es nur mal gesagt haben, da ich mir auch vorstellen kann, dass das neue User direkt abschreckt. Ihr wisst doch, wie das läuft. Ich finde es bedenklich, dass der Kern meiner Aussage komplett an euch beiden vorbeigegangen ist.

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    1. Das hier ist ein FETISCHforum. Und ich frage nach meinem FETISCH. Eben WEIL er selten ist. Ich mache das hier in der Öffentlichkeit, damit es nicht als "heimliche Belästigung" via PM angesehen werden kann. Aber mich zu schämen? Auf einer Seite voller sexueller Devianten? Wo, wenn nicht hier?

    1.1.: Leah schreibt in ihrem Profil, dass sie an car crushing interessiert ist. Da dies zwei Ausprägungen des Crushfetischs bezeichnet, wollte ich es genauer wissen.

    2. Mein eigener Content. Nun, das Forum hat eine Suchfunktion, aber ich hab' Dir das mal abgenommen. Siehe oben. Hast aber recht: von meinen über 200 Collagen sind hier sehr wenige. Einige sind allerdings explizit; die kann ich nicht mehr posten und Stories gehen auch fast alle nicht mehr.

    Auf den Post und 5-10 Jahre alte Threads gehe ich gar nicht erst ein. Siehe oben.

    Wenn man es öffentlich macht, ist es natürlich keine Belästigung. Die Mental Gymnastics sind definitiv on point.

    Schade. Dann nix für mich.🤷‍♂️

    EDIT: Also, nicht wegen des Wehtuns - das muss natürlich nicht sein. Aber nur weil ein Spielzeugauto splittern kann (und auch wird), wenn ein Mensch drauftritt, muss dieser sich auch zwangsläufig daran verletzen.

    Ich selbst zertrete auch Autos und habe mich nur einmal fast und einmal wirklich verletzt. Letzteres, weil ich eine Schraube nicht entfernt hatte.

    Aber mein Fetisch beinhaltet halt nackte Riesinnen(füße).

    Sorry, dass ich das in diesem Thread auspacken muss, aber hast du eigentlich noch alle Latten am Zaun?

    Es kann doch nicht sein, dass du in wirklich jedem Willkommensthread diese Frage stellst und direkt den Obercreep raushängen lässt. Merkst du denn selbst nicht, wie seltsam und unangebracht das ist?

    Schlumpf ist sogar eines der coolen Mitglieder und postet regelmäßig guten Content. Aber selbst da schaffst du es, mit deinen creepy Fragen à la "barfuß auf Auto XD" schlechte Stimmung zu verbreiten, indem du sagst, dass dir "so Zeug mit Stiefeln" ja nicht gefällt. Behalt das doch in Zukunft einfach für dich. Falls es dir nämlich nicht aufgefallen ist: es wirkt verdammt verzweifelt, creepy und übergriffig.

    Wo ist denn dein eigener Content? Ich sehe hier nix von dir. Nur beschweren kannst du dich, weil nicht alle nach deiner Nischenfetisch-Pfeife tanzen. Meine Herren. Und sowas ist Mod.

    Das gleiche ist übrigens wieder passiert im Thread von Leah, die aber glücklicherweise gar nicht erst darauf eingegangen ist. Shame on you, Bruder.

    Nein das reicht nicht, eine reine Altersprüfung reicht leider nicht, zusätzlich muss die Community auflagen erfüllen u.a. die Aufgabe der Anonymität, es muss eine Jugendschutzbeauftragter bereitgestellt (auch nicht anonym) werden, Datenschutz und DSGVO sind ebenfalls einzuhalten. Das ist alles zu viel für mich als Freizeitprojekt ohne Gewinnabsicht! Außerdem sind die Strafen bei Nichteinhalten extrem hoch.

    Danke für die Einsicht. Was für ein Quatsch, echt.

    Wie hier andere schon erwähnt haben, bringt das nämlich genau gar nichts. Die Leute können einfach ins "Ausland ausweichen". Da waren sicher wieder ganz schlaue konservative Opas in einem Gremium am Werk, die nicht mal wissen, was ein Smartphone überhaupt ist. Besten Dank auch.

    Sorry, aber ich finde es irgendwie befremdlich, sowas in einem Fetischforum zu posten. ^^

    Es gibt doch sicherlich weitaus bessere Anlaufstellen, um über den eigenen Urlaub zu diskutieren. Nicht, dass du damit aufhören sollst- ich find es einfach nur bemerkenswert seltsam.

    Und wenn Anina ein "echte Riesin" wäre, so wäre es kein Mord? Das ergibt wenig Sinn.

    Doch, wäre es. Allerdings würde ich das auf einer psychologischen Ebene anders einschätzen. Wenn sie eine "echte" Riesin gewesen wäre, hätte das Vergiften eher einen abstrakten Touch gehabt. Als würde man ein wildes Biest einschläfern lassen, zu dem man als Mensch nicht wirklich relaten kann. Kann man aber auch anders sehen, klar.

    Danke fürs Kommentieren, Catriam! Es macht wirklich einen Unterschied. :)

    Und ja, eine Story ohne ein bisschen Action in der Stadt ist ja bei mir sowieso selten. Das musste ich dann noch dranhängen. Ohne fühlte es sich irgendwie so an, als würde etwas fehlen.

    @Substanzen trinken: Ist natürlich absolut richtig, spielt in fiktiven Geschichten über big girls meiner Meinung nach aber keine Rolle. ;)

    Dann bin ich mal gespannt wie es weitergeht. (Muss ich ja erst noch lesen.)

    Der Anfang gefällt mir auf jeden Fall.

    Ich habe aber angenommen die Insel wäre ein Ort welcher "von Natur aus" von Riesinnen bewohnt wird und Fiona nach kurzer Kadenz eine von ihnen wird, da Frauen auf jener Insel nun einmal zu Riesinnen werden.

    Dies ist nicht der Fall, aber muss es ja auch nicht sein. ^^

    Freut mich, dass es gefällt! Und danke für deinen Kommentar.

    Ja, für den Plot brauchte ich etwas anderes, sorry. :D

    Ich hab irgendwie das Gefühl das Fiona etwas der Flüssigkeit für sich selber aufgespart hat :D

    Vor allem mich als experimentierfreudigen würde es interessieren wenn auf die Füße kippen das Ergebnis hat. Was bewirkt trinken?

    Das ist eine echt gute Frage!

    Ich bin mir fast sicher, dass ich diese Möglichkeit in einer zukünftigen Fortsetzung mal ausloten werde! Danke! ^^

    - - -

    Melina sah hinab auf ihre nun winzige Heimatinsel.

    „Wie sieht dein Plan aus?“, fragte sie.

    Ava verschränkte die Arme. „Wir machen einfach alles platt. Da...! Sieh dir unsere Hauptstadt an – es ist fast nichts mehr übrig. Sie haben alles niedergebrannt.“

    „Hmph. Dann müssen wir wenigstens keine Rücksicht mehr nehmen. Machen wir sie einfach fertig. Jeden einzelnen von ihnen.“

    „Diese Insel wird uns gehören. Uns beiden.“, antwortete Ava. „Fangen wir an.“

    Händchenhaltend gingen die Riesinnen los. Die Erde bebte unter ihnen, als sie sich einen Weg zur anderen Seite der Insel bahnten.

    Bäume knickten erneut wie Grashalme um, als sie achtlos durch die Ländereien wanderten. Sie achteten nicht einmal auf intakte Häuser. Sie zertrampelten sie einfach zu Staub, ohne auch nur das Geringste davon mitzubekommen. Vereinzelte Soldaten des Feindes, die das Pech hatten, unter ihren Fußsohlen zu landen, wurden mühelos in rote Pfützen verwandelt. Bauernhöfe, Getreidesilos... sie waren nicht viel mehr als zerbrechliches Spielzeug, das unter dem massiven Gewicht der Gigantinnen zerquetscht und völlig zerstört wurde.

    KRACH.

    KRACH.

    KRACH.

    Der Klang ihrer ohrenbetäubenden Schritte war auf der gesamten Insel zu spüren – sehen konnte die Riesinnen sowieso jeder. Egal, wo er sich gerade befand. Atemlos und ängstlich sahen die Menschen überall auf der Insel zu den Göttinnen auf, die sich unaufhaltsam auf das verfeindete Schloss samt Stadt zubewegten.

    „Wir sind schon fast da“, sagte Ava. „Das ging schnell.“

    Melina grinste. „Ich kann es kaum abwarten...!“

    Nach nur wenigen Momenten standen die Gigantinnen auch schon mit überheblichen Gesichtsausdrücken genau vor der Stadt der verfeindeten Nation.

    Ava lachte und sprach zu den für sie winzigen Menschen. „Seid gegrüßt, Insekten! Ihr wisst sicher nicht, wer wir sind – aber das spielt jetzt keine Rolle. Ihr müsst nur eins wissen: Ihr habt keine Chance gegen uns! Hah~!“

    „So ist es. Wir werden jetzt ein wenig Spaß mit euch so haben. So, wie ihr ihn auch mit unserer Heimat hattet...! Macht euch was gefasst, ihr kleinen Bastarde!“

    Schiere Panik brach in der gesamten Stadt aus. Die Menschen fingen lautstark an zu schreien, als sie die Riesinnen vor ihnen auftauchen sahen. Jeder versuchte nun, irgendwie zu entkommen. Nur stellte sich das als schwierig heraus – die Stadt und die Festung waren von einer hohen Mauer umringt. Tausende kleine Menschen drängten in Richtung des einzigen Eingangs, und genau vor diesem hatten sich die Gigantinnen wohlwissend platziert.

    Ava lachte. „Guck! Die glauben allen Ernstes, dass sie uns entkommen können!“

    Melina warf ihr Haar auf den Rücken, dann blickte auch sie zu ihren Füßen. „Dumm nur, dass sie uns genau in die Arme laufen. Ganz schön ärgerlich, was?“

    Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, hob Melina ihren rechten Fuß und setzte ihre Zehen vorsichtig auf dem einzigen Tor in der Mauer ab. Hunderte winzige Menschen sahen nun ihre 75 Meter lange und 25 Meter breite Fußsohle genau über sich schweben, als sie versuchten dieser Hölle zu entkommen.

    Ava kniete sich hin und betrachtete interessiert das Schauspiel, das sich ihr bot. Sie konnte die Panik der Leute fast schon schmecken, als sie wie Ameisen aus dem Tor drängten und hofften, nicht unter dem gigantischen Fuß von Melina zu enden.

    „Mach schon“, drängte sie schließlich. „Ich will zusehen.“

    Dies ließ sich Melina nicht zweimal sagen. Mit einem schnellen Ruck verlagerte sie ihr Gewicht auf ihren rechten Fuß. Das Tor und die Mauer gaben sofort nach und zerfielen unter dem unfassbaren Gewicht ihres Fußes zu Staub. Etwa 500 Menschen verloren in einer Sekunde ihr Leben, als ihre Fußsohle schließlich den Boden berührte und sich erneut tief in die Erde grub. Das so entstandene Loch war für einen normalen Menschen nicht mehr überwindbar, so tief war der Krater.

    „Dieser Weg ist ab jetzt gesperrt!“, lachte Melina. Sie hob ihren Fuß wieder an. Trümmer, Steine und leblose Körper lösten sich von ihrer weichen Sohle und schlugen brutal auf dem Boden ein. Selbst diese so kleine Bewegung kostete mehrere Menschenleben. Keine von den Riesenfrauen bemerkte es.

    „So, jetzt ich!“, sagte Ava. „Das war ziemlich spannend. Hast du gut gemacht, Melina!“

    Melina grinste. „Nicht wahr?“

    Ava stand wieder auf. Sie stemmte die Hände in die Hüften und sah hinab auf die panischen Massen zu ihren Füßen. „Tja, wohin jetzt? Oh-oh...! Ich glaube, es sieht heute wirklich schlecht für euch aus!“

    Achtlos hob auch sie nun ihren Fuß und stampfte kraftvoll genau in der Mitte der Stadt auf. Die Erde bebte so stark, dass alle Häuser im direkten Umkreis des Einschlags direkt in sich zusammenstürzten und weitere hunderte Menschen unter sich begruben. Die Häuser, Tiere und Menschen direkt unter ihrer Sohle wurden in nicht einmal einer Sekunde zu feinem Staub verarbeitet. Ein erneuter, kollektiver Aufschrei war von unten zu hören, als sich Risse um den Riesenfuß bildeten und große Schluchten in den Erdboden schlugen. Weitere hundert Menschen fielen einfach in die Tiefe und verschwanden in der Dunkelheit.

    Ava lachte laut. „Eieiei... es wird wirklich nicht besser für euch.“

    Mit diesen Worten hob sie jetzt auch ihren anderen Fuß über die für sie lediglich 5 Zentimeter hohe Festungsmauer und richtete erneut so viel Zerstörung an, dass zahlreiche weitere Gebäude einfach nur durch das entstandene Beben einstürzten,

    Plötzlich meldete sich Melina. Sie befand sich immer noch hinter Ava, die jetzt mitten in der Stadt stand. „Hey, hörst du das?“

    Ava sah zu ihren Zehen hinab, konnte aber nichts auffälliges entdecken. „Was meinst du?“

    „Guck mal, die schießen allen Ernstes mit Kanonen auf dich! Hahah!“

    Ava drehte sich kichernd um. „Was? Wo?“

    „Da vorn. Am Schloss. Ein ganzes Bataillon! Oh nein!“

    „Tatsache! Ich zittere schon!“, lachte Ava.

    Die blonde Göttin kniete sich nieder. Ihre Riesenfüße pressten sich dabei so tief in den Boden, dass sie fast 10 Meter tief in der Erde versanken. Ein unglaublich lautes Krachen erschütterte die gesamte Stadt, als Ava ihre Aufmerksamkeit den Kanonen widmete.

    „Glaubt ihr wirklich, dass ihr uns verletzen könnt? Lächerlich! Seht ihr nicht, was hier los ist? Wir sind Riesen!“

    Sie fackelte nicht lange. Sie ballte ihre Hand zu einer Faust, holte aus und schlug mit voller Kraft ein so großes Loch in die Festung, dass alle Kanonen mitsamt Mannschaft in nur einem Moment pulverisiert wurden. Winzige Menschen fielen aus einer Höhe von 50 Metern zu Boden, als das neu entstandene Loch ihnen den Boden unter den Füßen wegriss.

    „Puh. Die Festung steht sogar noch!“, bemerkte Melina. „Kaum zu glauben.“

    Ava lachte erneut auf. Ihre goldblonden Haare flatterten anmutig im Wind, als sie respektlos auf die kleinen Menschen hinabsah. „Seht es endlich ein! Ihr seid NICHTS gegen uns!“

    Melina kam nun auch näher. Leider gab es in der Stadt nicht genug Platz für beide Riesenfrauen, also blieb sie genau vor der Festungsmauer stehen und suchte anderswo nach etwas Spaßigem. Dann fiel ihr etwas ins Auge.

    Es war ein Marktplatz, gefüllt mir hunderten von mikroskopisch kleinen Menschen, die alle angsterfüllt und schreiend zu den Riesinnen aufsahen. Eigentlich war es keine schlechte Idee, dorthin zu flüchten – immerhin konnte dort niemand von einstürzenden Gebäuden erwischt werden. Aber das hier war kein normaler Krieg.

    Melina grinste diabolisch. Sie kniete sich ebenfalls hin und streckte ihre Hand nach den etwa 1000 Menschen aus, die jetzt hysterisch aufschrien.

    Mit viel Gefühl bildete sie mit ihren Fingerspitzen eine Art Käfig um den Marktplatz, den sie nur mit ihrer Handfläche locker hätte zerdrücken können. Langsam begann sie, ihre Finger um die Menschenmassen zu schließen. Sie konnte nur ahnen, wie viele allein durch die Berührung mit ihren Fingern ums Leben kamen.

    Vorsichtig drückte sie die Menschen zu einem Haufen zusammen und hob gemächlich ihre Hand. Hunderte winziger Körper waren nun zwischen ihren Fingern eingequetscht. Die Schreie wurden nur lauter, als sie die Menschentraube leicht anhob und sachte auf ihre freie Handfläche fallen ließ.

    Sie beobachtete, wie die winzigen Menschen hilflos auf dem fleischigen Boden umherstolperten und um ihr Leben schrien. Einige waren sogar auf die Knie gegangen und bettelten um Gnade.

    Melina lachte auf. „Ihr wollt, dass ich euch Gnade zeige? So, wie ihr meiner Familie Gnade gezeigt habt? Oder meinen Freunden? Das könnt ihr vergessen.“

    Ihr Gesicht verwandelte sich nun fast schon in eine verrückten Grimasse.

    Sie hob die Menschen auf ihrer Handfläche zu ihrem Gesicht. „Ihr werdet jetzt ein Teil von mir. Fühlt euch geehrt!“

    Damit öffnete sie ihren Mund. Schneeweiße, perfekte Zähne kamen zum Vorschein. Als die winzigen Menschen in die unfassbar gigantische Mundhöhle sahen und die für sie mehrere Meter hohen Zähne sahen, gab es kein Halten mehr. Mehrere Winzlinge stürzten sich von Melinas Handfläche in den Tod. Alles war besser, als gegessen zu werden.

    Nur wenige schafften es rechtzeitig.

    Mit einer schnellen Bewegung ließ Melina etwa 700 Menschen lebendig in ihren Mund fallen. Es kitzelte ein wenig, wie sie sich auf ihrer Zunge bewegten und um ihr Leben kämpften. Sie spielte ein wenig mit ihnen, rührte sie mit ihrer Zunge richtig durch. Es gab kein entkommen. Ihr Speichel war so klebrig, dass niemand auch nur den geringsten Hauch einer Chance hatte.

    Dann schluckte sie. Die winzigen Menschen glitten ihre Speiseröhre hinab und fanden sich kurze Zeit später tief in den Irrungen ihres Körpers wieder.

    Ava, die alles gespannt beobachtet hatte, lächelte. „Und, schmecken die?“

    Melina verzog die Mundwinkel. „Eh. Geht so.“

    Beide lachten laut auf, und es dauerte eine Zeit, bis sie sich wieder beruhigt hatten.

    „Ich glaube, wir sind hier fast fertig“, sagte Ava schließlich anerkennend. „Ziehen wir einen Schlussstrich.“

    Melina stand wieder auf und nickte. Sie griff erneut nach Avas Hand, und die beiden blickten nun gemeinsam auf ihr Werk hinab.

    Dann hoben sie fast gleichzeitig ihre rechten Füße und ließen sie wie Presslufthämmer immer und immer wieder auf die Stadt niederprasseln. Die Festung, Türme, Wohnhäuser, Mauern. Alles wurde innerhalb weniger Sekunden zu Staub verwandelt. Die verbliebenen Menschen waren verloren. Niemand überlebte den Angriff dieser unfassbar gewaltigen Riesinnen.

    BOOM!

    BOOM!

    BOOM!

    Sie hörten erst auf, als die ehemals stolze Festung nur noch ein mit tiefen Fußabdrücken übersätes Feld war. Nichts deutete auch nur im Ansatz darauf hin, dass hier mal eine Stadt gestanden hatte.

    Erleichtert fielen sich die beiden Gigantinnen in die Arme.

    „Das hat Spaß gemacht“, freute sich Ava.

    „Ja...“, antwortete Melina. „Es ist endlich vorbei...!“

    Ava löste die innige Umarmung plötzlich und sah ihrer Freundin direkt ins Gesicht. „Nein. Noch nicht ganz.“

    „Was meinst du?“

    Die riesige Ava zeigte auf einen Landstrich, für sie nur wenige Meter entfernt. „Siehst du sie?“

    Melina bekam einen kleinen Schreck. „Ja! Natürlich! Du hast recht...! Wie konnten wir die nur vergessen?“

    Beide Riesinnen richteten ihren Blick gen Norden. Die gewaltige Armee des einstmals stolzen Königreichs stand in Reih und Glied auf einem weitläufigen Feld. 30.000 Soldaten blickten voller Angst auf die nun näher kommenden Gigantinnen. Jeder von ihnen wusste, dass sie keine Chance gegen sie hatten.

    Die Riesinnen stampften auf die Armee zu.

    KRACH.

    KRACH.

    Es dauerte nicht lange, bis sie sich erneut genau vor der für sie nicht besonders eindrucksvollen Menschenmasse räkelten. 30.000 kleine Menschen sahen hoffnungslos zu den Göttinnen auf, die wie unbesiegbare Titanen in den Himmel aufragten.

    Ava sprach aus, was Melina sowieso schon dachte.

    Sie grinste frech. „Und ihr... werdet unsere Sklaven sein! Glückwunsch!“

    Auch Melina grinste. „An die Arbeit! Ihr dürft jetzt alles wieder aufbauen. Ich wünsche euch viel Spaß dabei!“

    „...und wenn ihr fertig seid, sehen wir, was wir mit euch machen“, ergänzte Ava besserwisserisch.

    Die Göttinnen drehten sich von der winzigen Armee weg und sahen sich tief in die Augen. Melina legte ihre Arme um Avas Hals.

    „Und jetzt küss mich endlich“, flüsterte sie.

    - - -

    E N D E

    Anina standen die Tränen in den Augen, als sie zu ihrer nun noch viel größeren Schwester und ihrer Freundin aufsah. Es musste unglaublich wehtun, sie so zu sehen – war sie doch bis vor Kurzem noch die Stärkere.

    „W-Was ist mit euch passiert? Wie habt ihr das gemacht?!“, rief sie ihnen zu.

    Melina setzte einen bösen Blick auf. „Halt deinen Mund, Anina! Dir sagen wir gar nichts!“

    Anina erschrak heftig und zitterte nun sichtlich. Ihre ehemals so stolze Körperhaltung war der eines Angsthasen gewichen. Sie sah Ava an, von der sie sich eine andere Antwort erhoffte. „Ava, bitte! Was geht hier vor?“

    Auch die blonde Göttin schien schnell die Geduld verloren zu haben. „Ich fürchte, dass das unser Geheimnis bleiben wird, Anina. Und jetzt...“

    Ava machte eine theatralische Pause.

    „...bist du dran.“

    Melina machte einen Schritt auf die winzige Anina zu. „So sieht's aus. Pass gut auf!“

    RUMMS.

    Wieder sank Melinas gigantischer Fuß metertief in die Erde und pulverisierte alles, was unter ihn geriet. Sie hob den Fuß erneut und schmetterte ihren großen Zeh ohne Umschweife gegen Aninas Brust. So, wie sie es mit dem Schmied getan hatte. Anina schrie fürchterlich auf und ging mit einem lauten Krachen zu Boden.

    Schiere Panik breitete sich in ihren Augen aus. „Augh...! W-Was h-habt ihr vor! Hört auf, b-bitte! Was habe ich euch denn getan?!“

    Melina lachte laut auf. „Ist das dein verdammter Ernst? Du hast uns wochenlang fertig gemacht, geschlagen und unterdrückt! Noch dazu hast du fast 400 Menschen getötet! Hast du das etwa schon wieder vergessen?!“

    Wütend senkte sie ihren Fuß nun auf Anina hinab, welche komplett darunter verschwand - Melinas Fußsohle war um Einiges größer als Aninas gesamter Körper. Wie sie es schon mehrmals gesehen hatte, positionierte sie Anina nun so, dass ihr Kopf zwischen ihrem großen und zweiten Zeh hinausschaute. Anina schrie wie am Spieß und versuchte, Melinas Zehen mit ihren schwächlichen Armen wegzudrücken.

    „Ich-- ich b-bekomme keine Luft, M-Melina...! S-Stop...! A-Ava! Tu doch was!“

    Ava regte sich nicht. Stattdessen grinste sie fies. „Keine Chance. Ich kann nichts tun. Tut mir leid! Ups!“

    Melina hatte sichtliche Freude daran, Anina zu quälen. Sie erhöhte langsam den Druck auf ihren kleinen Körper und drohte, sie komplett unter ihrem Riesenfuß zu zerquetschen.

    Doch dann ließ sie plötzlich von ihr ab und hob ihr Bein. „Das reicht. Und du lebst noch. Bedank' dich bei uns!“

    Anina rollte sich sofort zusammen und griff mit beiden Händen an ihren Hals. Sie hustete.

    Ava schnaufte. Sie trat den Körper ihrer Schwester achtlos und ungestüm ein paar Meter weit weg. Es rummste laut, als sie erneut zu Boden fiel. „Hast du nicht gehört? Bedank' dich bei uns!“, donnerte sie.

    Anina hustete erneut, die Schmerzen waren nun beinahe unerträglich. Wütend sah sie zu den beiden Gigantinnen auf. „V-Vielen D-Dank...“

    Das reichte Melina. Sie verschränkte die Arme vor ihrer Brust und grinste. „Geht doch. Und jetzt hör genau zu, du blödes Stück.“ Sie atmete tief durch. „Du wirst den Rest deines Lebens auf dieser Insel versauern! Wir beide gehen jetzt zurück und beenden den Krieg. Wenn wir dich noch einmal sehen, machen wir dich fertig. Hast du das kapiert?!“

    Anina sah angespannt zu Melina auf. „Wie-- Wie stellst du dir das vor? Wie soll ich hier allein überleben?!“

    Melina zuckte mit den Schultern. „Kannst du dir ja dann überlegen. Du hast ja alle selbst abgemurkst. Sieh zu.“

    Anina brach nun in Tränen aus. Weinend vergrub sie ihr Gesicht in ihren Händen und blieb regungslos liegen.

    Dann schaltete sich Ava wieder ein. Etwas fehlte noch. „Anina. Wo ist das kleine Schiff? Du weißt schon. Wir brauchen es.“

    Anina schreckte plötzlich auf. War das ihre Trumpfkarte? „T-Tja, d-das wüsstet ihr wohl gerne. Es ist--“

    Ava trat Anina noch einmal, ohne jegliche Ankündigung. „Augh--!!“

    „Wo. Ist. Das. Schiff?“, donnerte sie lautstark.

    Anina rappelte sich auf. „Ihr-- Ihr könnt mich so oft treten, wie ihr wollt...! O-Ohne das Schiff kommt ihr nicht zurück, oder?“

    Melina lachte laut auf. „Bist du blöd? Ich kann unsere Heimat von hier oben SEHEN...!“

    Die ehemals so stolze Riesin Anina resignierte nun endlich. „Ich... ich verstehe. Es ist in der Bucht... dort drüben...“

    Ava und Melina blickten noch einmal auf die geschundene Anina herab und stiegen dann wortlos über sie hinweg. Ihre Schritte ließen die gesamte Insel erneut gewaltsam erzittern.

    - - -

    Wir konnten die Stimmen der Gigantinnen zwar wahrnehmen, aber nicht genau ausmachen, was sie sagten. Wir sahen nur ihre riesenhaften Erscheinungen, dort hinten in der Ferne. Irgendetwas taten sie definitiv, und wir hofften, dass sie unser Schiff und unsere Crew unbeschadet zurückbrachten. Nach nur kurzer Zeit bewegten sie sich dann auch schon wieder mit unfassbarer Geschwindigkeit auf uns zu. Offenbar hatten sie sich um Anina gekümmert. Ich hoffte, es tat weh.

    KRACH.

    KRACH.

    KRACH.

    Ihre Schritte waren so unfassbar gewalttätig, dass es Fiona und mich zu Boden warf. Wenige Momente später standen sie genau vor uns, am Rand des Bauernhofs. Leider kann ich nicht sagen, ob sie uns überhaupt erkannten. Die Zehen der Riesinnen ragten wie Berge vor uns auf. Es war einfach nicht zu glauben. Ich konnte nicht mehr sehen als den Saum ihrer Kleider, als ich an ihnen hoch blickte.

    Ava begann zu sprechen. Diesmal war es so laut, dass ich mir die Ohren zuhalten musste.

    „Hey, Rykard! Du bist irgendwo da unten, oder? Wir können dich nicht sehen. Aber wir haben dein Schiff. Keine Ahnung, ob deine Crew da noch drauf ist. Das müsst ihr selber herausfinden.“

    Die Gigantin ging in die Knie. Sie senkte ihren Arm zu Boden, und in ihrer rechten Hand hielt sie ganz locker das gesamte Schiff. Wie war das nur möglich? Ich drohte, in Ohnmacht zu fallen. Fiona erging es nicht anders. Sie zitterte erneut am ganzen Körper.

    „Wenn ihr hier irgendwo seid, klettert hoch. Wir warten.“

    Das ließen wir uns nicht zweimal sagen. Ich schnappte Fiona und rannte mit ihr zu der riesenhaften Hand, die vor uns auf dem Boden ruhte. Durch das unfassbare Gewicht sank sie sicher ein oder zwei Meter in die weiche Erde, und wir konnten problemlos auf Avas Handfläche spazieren. Natürlich erst, nachdem wir unseren ganzen Mut zusammengenommen hatten. Es war gespenstisch. Wir fühlten uns wirklich wie Insekten, die auf einem Menschen herumkrabbelten.

    Wir vernahmen die Stimme von Melina.

    „Das müssen sie sein. Ich glaube, sie haben es geschafft. Siehst du diese kleinen Punkte da? Die bewegen sich auf das Schiff zu.“

    Ava nickte sanft. „Ja. Also dann. Gehen wir nach Hause.“

    Sie stand unvermittelt auf. Uns allen wurde schlecht, als wir so plötzlich hochgehoben wurden. Es fühlte sich nicht richtig an. Avas Hand war so riesig, dass sie auf uns eher wie eine Naturgewalt wirkte, völlig losgelöst von dem noch viel größeren Körper, der sie kontrollierte. Es war seltsam. Wir waren nun fast 400 Meter über der Erdoberfläche. Ich hatte zwar keine Höhenangst, aber die schiere Tiefe, in die ich nun hinabsah, jagte mir eine ungeheure Angst ein. Wahrlich, wir standen auf den Schultern von Titanen.

    Die Riesinnen liefen ohne Umwege auf das Meer zu. Die gesamte Insel erbebte einmal mehr unter ihrem unglaublichen Gewicht. Ohne zu zögern stiegen sie in das Wasser und liefen zielstrebig los, während Fiona und ich unserer geretteten Crew in die Arme fielen. Alle hatten überlebt. Was für eine unglaubliche Erleichterung!

    Nach nur etwa einer halben Stunde dieser doch recht unangenehmen Reise stoppten die Gigantinnen schließlich.

    Wir waren scheinbar angekommen.

    Die Riesenfrauen stiegen aus dem Meer und platzierten ihre Füße auf dem Strand vor ihnen.

    Die fast 40 Meter hohen Wellen, die durch ihre Wanderung im Ozean entstanden waren, preschten nun bedrohlich durch ein Dorf, das sich genau am Strand befand. Fast alles dort wurde innerhalb weniger Sekunden komplett überflutet oder weggespült. Vermutlich bemerkten die Riesinnen nicht einmal, dass sie gerade einen großen Teil ihrer Heimat unter Wasser setzten. Ich konnte mir nur ausmalen, wie viele Leute in diesen wenigen Sekunden ihr Leben lassen mussten. Freund oder Feind.

    Ava kniete sich erneut ruckartig hin und begann zu sprechen.

    „So, wir sind quitt.“

    Damit setzte sie unser Schiff ungeschickt auf der Wasseroberfläche ab, indem sie ihre Hand einfach unter Wasser tauchte. Uns alle warf es sofort zu Boden.

    „Und jetzt verzieht euch. Ihr wollt das hier nicht sehen.“

    Es war seltsam, sie so sprechen zu hören. Dennoch ließen wir uns das nicht zweimal sagen.

    „Hisst die Segel!“, rief ich meiner Crew zu. „Hauen wir hier endlich ab!“

    Wir alle sahen vom Deck aus dabei zu, wie die Gigantinnen nach einem kurzen Gespräch tiefer in das Herz der Insel stampften und sich scheinbar keinen Deut mehr um uns zu kümmern schienen. Während ich verträumt ihre schönen Rücken anstarrte, tauchte Fiona neben mir auf.

    „War es das jetzt?“, fragte sie mich. „Sie hätten sich wenigstens verabschieden können.“

    „Ich hoffe, wir haben keinen allzu großen Fehler gemacht“, antwortete ich ihr.

    Fiona senkte ihren Blick. „Ja... das wird wohl nur die Zukunft zeigen.“

    Nach kurzer Zeit waren die Riesinnen und ihre Heimatinsel außer Sichtweite, und wir schipperten erschöpft dem Sonnenuntergang entgegen.

    „Weißt du, Captain... Für einen Tag wäre ich auch gern mal so groß wie die beiden“, säuselte Fiona.

    Ich sah sie entgeistert an. „Ach ja? Willst du etwa unser Dorf versklaven?“

    Wir lachten laut.

    Fiona stand mit verschränkten Armen vor den beiden Riesinnen.

    „Und... wie machen wir das jetzt?“, fragte sie.

    Ava dachte kurz nach. „Beim letzten mal hat er uns einfach mit der Flüssigkeit benetzt. Aber ich kann es dir leider nicht genau sagen. Wir sind genauso ratlos wie ihr.“

    „Was ist mit euren Kleidern?“, fragte Fiona. „Wachsen die mit euch?“

    Die blonde Gigantin nickte leicht. „Ich... ich denke schon. Schließlich tragen wir sie ja immer noch.“

    Fiona schien kurzzeitig in ihren Gedanken zu versinken, doch dann blickte sie Ava entschlossen in die Augen.

    „Hm. Nun gut. Alles klar. Dann stellt euch mal nebeneinander. Am besten so, dass ich euch beide gut erreichen kann.“

    Ava warf Melina ein aufbauendes Lächeln zu, dann stellte sie sich direkt neben sie. Melina griff nach Avas Hand und drückte sie fest. „Wir schaffen das schon irgendwie“, flüsterte sie.

    Fiona machte den Glasbehälter bereit und stellte eine letzte Frage.

    „Können wir loslegen?“

    Beide Riesinnen nickten und schlossen die Augen.

    Ich sah dabei zu, wie Fiona die bläuliche Flüssigkeit auf den Füßen und Beinen der Riesinnen verteilte, und nach einem kurzen Moment der Anspannung war die Flasche auch schon leer. Die junge Forscherin drehte sich zu mir um. „Komm, lass uns loslaufen. Wer weiß, wie viel Zeit wir haben.“

    Wir wollten kein Risiko eingehen, also vereinbarten wir mit den Riesinnen, dass wir uns später an der letzten verbliebenen Farm im Norden des Dorfes einfinden würden. Sie versprachen, unser Schiff und unsere Crew mitzubringen, damit wir uns gemeinsam auf den Weg zur Heimatinsel der Gigantinnen machen konnten. Von dort aus, so plante ich es, wollte ich wieder nach Hause segeln. Endlich. Ich hatte genug von dieser verrückten Reise!

    Wir liefen so schnell wir konnten. Wir waren inzwischen sogar ganz gut darin! Immer wieder drehte ich mich zum Strand um, aber nichts schien zu passieren. Ava und Melina standen immer noch dort, und es wirkte so, als wüssten sie selbst nicht, was sie tun sollten.

    Kurz bevor ich mit Fiona einmal mehr den Rand des nun zerstörten Dorfes erreichte, drehte ich mich nochmal um. Da sah ich es. „Was zum...?“

    Ich blieb wie angewurzelt stehen und stoppte Fiona. „Hey...! D-Das... musst du dir ansehen!“

    Auch sie drehte sich nun um und erschrak fürchterlich. „Un-- Unmöglich...!“

    Aus der Ferne konnten wir es besonders gut erkennen. Die ohnehin schon gewaltig großen Frauen wurden nun sichtlich noch größer. Atemlos sah ich dabei zu, wie ihre Körper immer weiter in die Höhe schossen. Konnten wir gerade so noch ihre Köpfe über den Baumkronen ausmachen, ragten die Riesen schon wenige Momente später weit über sie hinaus. Die gewaltigen Körper streckten sich, expandierten und wuchsen mit einer monströsen Geschwindigkeit gen Himmel. Erst konnten wir von unserem sicheren Versteck nur ihre Oberkörper sehen, dann ihre Oberschenkel, dann ihre Schienbeine. Ich konnte es nicht glauben. Träumte ich? Sie waren so massig, gewaltig, angsteinflößend.

    Es schien nicht aufzuhören. Die beiden jungen Frauen sahen sich fragend in die Augen, als sie sich in unaufhaltsame Titanen verwandelten. Es war unbeschreiblich. Sie waren jetzt so gigantisch, dass die eigentlich nicht gerade kleinen Bäume nicht mal mehr ihre Knöchel streichelten. Ich konnte ihre Gesichter nicht mehr erkennen, so hoch oben waren sie. Das einzige, das ich sah, waren gewaltige Säulen aus Fleisch, die hunderte von Metern in die Luft reichten.

    Fiona stockte der Atem. „Wann... wann hört das auf...?“

    Auch ich stellte mir diese Frage.

    Gebannt sahen wir weiter zu, wie die Riesinnen auf das Ende ihres Wachstumsschubs zusteuerten und schließlich ruhig stehen blieben. Es schien endlich vorbei zu sein.

    Ava und Melina sahen sich um. Vermutlich konnten sie selbst nicht begreifen, was mit ihnen geschehen war. Wie versteinert blieben sie stehen, ihre Münder standen offen. Sie versuchten offenbar nachzuvollziehen, wie groß sie nun waren. Sie sagten kein Wort, und ihre Blicke waren auf den Boden gerichtet.

    Wenn ich eine Schätzung hätte abgeben müssen, hätte ich gesagt, dass sie jetzt etwa 500 Meter groß waren. Sie waren keine Riesinnen mehr. Sie waren allmächtige Göttinnen. Nichts und niemand auf diesem Planeten hätte ihnen nun noch etwas antun können. Ich fühlte mich in ihrer Gegenwart nicht mehr wie eine Maus. Nein. Ich fühlte mich wie eine verdammte Ameise. Für die Titaninnen waren normale Menschen nun sicher nicht größer als einen halben Zentimeter. Ich konnte nicht in Worte fassen, wie unbedeutend und klein ich mich im Vergleich zu ihnen fühlte.

    Wir hatten die neuen Herrscher der Welt erschaffen.

    Als ich die beiden Riesinnen weiter gebannt beobachtete, fiel mir auf, dass ihre Größe scheinbar nicht das einzige war, das sich verändert hatte.

    Mein Blick fiel auf Avas Haare. Sie waren nicht mehr blond, sie glänzten in einem schimmernden Gold. Auch ihr blaues Auge war verheilt, und sie wirkte nicht mehr ausgemergelt und schwächlich. Im Gegenteil – sie sah so aus, als wäre sie nie gesünder gewesen. Vor Kraft und Energie strotzend. Ehrfürchtig sahen Fiona und ich zu ihr auf.

    Aber auch Melina hatte sich transformiert. Ihre Verletzungen waren ebenfalls verheilt, und ihre jetzt hell glänzenden Haare flatterten geschmeidig im Wind. Beide wirkten wie der Inbegriff von Gesundheit und Schönheit. Wie Göttinnen eben. Was war das nur für ein Zeug?

    Fiona stand atemlos neben mir. Auch sie war von diesem unglaublichen Anblick überwältigt.

    „Was... was haben wir getan...?“, flüsterte sie.

    Ich wollte ihr gerade antworten, doch plötzlich vernahmen wir die Stimmen der gewaltigen Riesinnen. Ihre Worte waren so extrem laut und deutlich, dass wir sie problemlos verstanden. Und das, obwohl wir ein paar (Menschen-)Kilometer von ihnen entfernt waren.

    Es war Ava, die sprach. Doch was sie sagte, jagte mir aus irgendeinem Grund Angst ein.

    „Ich kann sie sehen. Machen wir sie fertig.“

    Melina antwortete ihr mit einem ohrenbetäubenden Kichern, welches über unsere im Vergleich mikroskopischen Körper wusch und für uns eher wie eine Explosion klang.

    „Ja. Sie starrt uns bereits an. Gehen wir.“

    Ich blickte aufgeregt zu Fiona. „Bitte sag mir nicht, dass die beiden...“

    „...den Verstand verloren haben?“, fügte sie hinzu.

    „J-Ja...“, stotterte ich. „Sie nehmen ihre neue Größe einfach so hin. Das ist kein gutes Zeichen, o-oder?“

    Fiona bekam nun auch einen ängstlichen Gesichtsausdruck. „Ich... Ich weiß es nicht...!“

    Die nun über einen halben Kilometer großen Titaninnen setzten sich wortlos in Bewegung. Ihre Schritte waren so laut und krachend, dass ich mir beinahe die Ohren zuhalten musste. Es waren nun keine kleinen Erdbeben mehr, es waren ausgewachsene Kontinentalplattenverschiebungen. Die Erde verformte sich zu feinen Fußabdrücken, als sich ihre 75 Meter langen Fußsohlen metertief in die Erde pressten.

    Bäume waren für sie nichts weiter als unbedeutende Grashalme, und sie walzten hunderte von ihnen achtlos unter ihren nackten Riesenfüßen platt, während sie sich auf den Weg zurück zu Anina machten. Wie diese wohl auf Ava und Melina reagieren würde?

    - - -

    „Und, wie fühlst du dich?“ fragte Melina, die nicht einmal darauf achtete, dass sie gerade die gesamte Insel in eine lebensfeindliche Kraterlandschaft verwandelte.

    Ava grinste herzlich. „Großartig. Spürst du das? Die Erde erzittert unter uns...! Wie groß wir wohl sind? Ich kann die Bäume von hier oben kaum noch erkennen. Die sehen aus wie Unkraut!“

    „Ja...! Niemand wäre jetzt noch dumm genug, uns anzugreifen!“, sagte Melina. „Jetzt machen WIR die Regeln!“

    Die blonde Riesin blickte ihre Freundin an. „Und gut siehst du aus.“

    Melina lächelte. „Du auch!“

    Nicht weiter interessiert an der Zerstörung, die sie nur durch ihren Spaziergang anrichteten, gingen die beiden geradewegs auf Anina zu, die die Riesinnen bereits voller Panik erwartete. Nach nur wenigen Minuten standen sie bereits vor ihr. Die vorher so stolze Anina war für sie nur noch magere 20 Zentimeter groß und reichte ihnen gerade so bis zu ihren Schienbeinen.

    Beide Göttinnen stemmten die Hände in die Hüfte und blickten auf ihre ehemalige Peinigerin hinab.

    Ava grinste überheblich.

    „Nicht mehr so lustig, wenn sich das Blatt plötzlich wendet. Oder, Schwesterherz?“

    Fiona nahm all ihren Mut zusammen und trat einen Schritt nach vorn. Bestimmt sah sie Melina in die Augen.

    „Muss ich es wirklich aussprechen?“

    Melina knirschte angestrengt mit den Zähnen. „Du willst allen Ernstes, dass wir noch größer werden? Das ist WAHNSINN! Was ist, wenn eine von uns genauso durchdreht wie Anina? Wir wären unaufhaltsam! Und wie sollen wir überleben? Es ist jetzt schon schwer genug, ausreichend Nahrung zu finden! Du bist VERRÜCKT! VERRÜCKT!!“

    Fiona blickte wortlos zu Boden, doch dann schaltete sich Ava ein.

    „Genug! Genug...! Ich kann nicht mehr...! Hört bitte auf damit!“

    Melina ließ das nicht auf sich sitzen. „Dann soll die Alte den Trank doch selbst nehmen! Ich habe genug durchgemacht! Ava! Du kannst nicht ernsthaft wollen, dass...“

    Die blonde Riesin schluckte. „Anina ist meine Schwester. Ich muss... es wenigstens versuchen.“

    Es war nicht zu übersehen, dass Melina nun die blinde Wut gepackt hatte. „Nein! Das lasse ich nicht zu! Ava! Wie stellst du dir das vor? Bist du jetzt völlig durchgeknallt?!“

    Die blonde Gigantin sah bedrückt zu Boden. „Vielleicht könnten wir so auch endlich nach Hause zurück, und...“

    „Und WAS?“, schrie Melina.

    „...und uns für das Rächen, was uns angetan wurde.“

    Melina kochte. „Nein. Nein! Das kann nicht dein ernst sein! Niemand weiß, was mit dir passieren wird!“

    „Melina. Es... gibt keine andere Lösung! Wir müssen Anina aufhalten! Das weißt du genau!“

    Die braunhaarige Riesin ballte ihre Hände zu Fäusten. „Verdammt nochmal...“

    Es schien, als würde sie sich langsam beruhigen. Ihre Hände entspannten sich, und sie blickte ausdruckslos zu Boden. „Verdammt nochmal, Ava. Willst du... willst du das wirklich tun?“

    „Ich... Ich denke schon. Nein... Ich muss.“

    Die braunhaarige Riesin sah ihrer Freundin tief in die Augen und seufzte lautstark. „Nun... Nun gut. Ich sehe schon, es ist zwecklos. Aber dann tun wir es zusammen. Ich lasse dich nicht allein.“

    Ein seltsames Gefühl breitete sich plötzlich in mir aus. Der Plan war gut, doch war er wirklich so klug? Denn tatsächlich konnte niemand wissen, was mit den beiden geschehen würde. Was, wenn sie wirklich durchdrehen würden? Wären sie noch größer, könnten sie vermutlich die gesamte Welt versklaven...! Ich dachte an meine Crew. An mein Schiff. Es war auch ihre letzte Chance. Wir mussten es einfach probieren. Eine Art Weltuntergangsstimmung machte sich in mir breit. Eigentlich war mir inzwischen sowieso alles egal. Es konnte nicht mehr viel schlimmer werden. Ich war bereits im Abgrund angekommen.

    Melina umarmte Ava schließlich herzlich.

    „So sei es. Tun wir es.“

    Bedrückt liefen wir durch den Wald zurück. Unsere Tour hatte sich in ein totales Desaster verwandelt. Unsere Crew war vermutlich erledigt, unser Schiff zerstört und zu allem Überfluss waren drei Riesinnen hinter uns her, die uns nach dem Leben trachteten. Es war endgültig vorbei.

    Fiona wirkte fast depressiv. „Das ist doch alles sinnlos...! Wir können uns nicht ewig vor ihnen verstecken!“

    „Lass uns erstmal zurück zum Haus der alten Dame gehen. Dort können wir besprechen, wie es weitergeht. Eins steht allerdings fest“, sagte ich. „Wir haben alles versaut.“

    Fiona atmete laut aus. „Ja... Ja, das haben wir. Anina wird sicher auch nicht allzu freundlich mit Ava umgehen...“

    Wir schwiegen uns den Rest des Weges an. Der morgen dämmerte, und nach einigen Stunden kamen wir wieder dort an, wo wir vor drei Tagen gelandet waren. Wir suchten den im Wald ausgehobenen Weg und machten uns bereit, die letzte halbe Stunde Richtung Dorf zurückzulegen. Wir hatten keine Sekunde geschlafen. Aus schierer Angst, dass uns die Gigantinnen vielleicht aufspüren würden.

    Völlig ausgelaugt und hungrig gingen wir endlich auf den Rand des Dorfes zu. Nur noch ein paar Meter.

    Doch als wir ankamen, bot sich uns ein Bild des Grauens.

    Alles war zerstört. Das ganze Dorf lag in Trümmern.

    Kein Stein stand mehr auf dem anderen. Rauchende Ruinen, plattgewalzte Bäume und ein Haufen lebloser Körper. Es sah aus, als wäre eine gewaltige Bombe eingeschlagen. Doch natürlich wussten wir genau, was hier passiert war.

    Ich blickte zu Fiona, und ich merkte, wie mir zum ersten Mal seit unserer Ankunft die Tränen kamen. Ich ließ mich auf meine Knie sinken und sah zu Boden. „Nein... nein...“

    Fiona war nicht weniger geschockt. Tränen schossen nun auch aus ihren Augen.

    „Oh Gott“, flüsterte sie. „D-Das...“

    „...war unsere Schuld“, antwortete ich.

    Die Forscherin sank ebenfalls zu Boden und fing an, heftig zu weinen. Es war zu viel für sie.

    Für mich auch.

    - - -

    Ich weiß nicht, wie lange wir dort lagen. Regungslos, traurig, am Boden zerstört. Wir waren für den Tod dieser Menschen verantwortlich. Wir hatten Anina so sauer gemacht, dass sie in schierer Wut das ganze Dorf zertrampelt hatte. Es war unmenschlich grauenvoll. Wie konnte sie so etwas nur tun? Selbst das Haus der alten Dame war dem Erdboden gleich gemacht worden. Wir hofften, dass es wenigstens schnell ging.

    Nach einiger Zeit schaffte ich es, mich ein wenig zu fangen. „Was... was machen wir jetzt?“

    Fiona war immer noch untröstlich. „Keine Ahnung. Keine Ahnung...“, entgegnete sie mir zitternd.

    „Komm, wir müssen hier weg. Ich weiß, dass es schlimm ist, aber es bringt nichts, hier zu bleiben. Wir müssen später lernen, damit umzugehen.“

    Die weinende Forscherin stand langsam auf, blieb aber stumm.

    Ich drehte mich und ging in den Wald zurück. Richtung Strand. Ich zog Fiona hinter mir her, die unbeholfen und völlig aufgelöst über den Waldboden stolperte.

    Am Waldrand angekommen setzten wir uns erneut hin. Wir hatten uns inzwischen beide ein wenig beruhigt.

    Ich versuchte, positive Gedanken zu vermitteln. Aber es gelang mir einfach nicht. „Wir sind aufgeschmissen. Wir können uns eigentlich auch gleich die Kugel geben.“

    Fiona nickte wortlos.

    „Wem sollen wir jetzt noch helfen? Die Crew ist tot, das Dorf ist zerstört... nur noch wir sind über. Es ist zwecklos. Die finden uns doch sowieso...“

    Ich merkte deutlich, wie mich meine negativen Gedanken zu übermannen schienen. Doch dann sprach Fiona etwas aus, über das ich nicht mehr groß nachgedacht hatte.

    „Wir... wir haben noch die Phiole mit der Flüssigkeit“, sagte sie.

    „Und? Was willst du jetzt noch damit?“

    „Weiß nicht...“

    „Warum erwähnst du sie dann?“

    „Weiß nicht...“

    Sie war einfach zu geschafft und wirkte völlig verwirrt. Aber auch ich fühlte, wie die blanke Erschöpfung über meinen gesamten Körper wusch. Ich legte mich kurz hin und nickte schnell ein. Es ging einfach nicht mehr. Ich war am Ende.

    - - -

    „Hey...! Wacht auf!“

    Wir wurden von einer lauten Stimme geweckt. Ich öffnete langsam die Augen.

    „Bitte erschreckt euch nicht.“

    Genau über uns kniete Ava, und hinter ihr stand Melina. Die beiden sahen traurig auf uns herab.

    Ich konnte nicht anders und fing sofort an, panisch zu schreien. Sie hatten uns gefunden! Wie blöd waren wir? Wir hatten uns einfach mitten auf den Sand gelegt! Natürlich würden sie uns hier finden!

    Auch Fiona bemerkte schnell unsere Situation und stimmte in den Schreikanon ein.

    „Beruhigt euch! Bitte! Wir tun euch nichts“, bekräftigte die blonde Riesin erneut.

    Es dauert eine gewisse Zeit, bis dieser Satz in meinem Gehirn ankam. Ich entspannte mich etwas, blieb jedoch liegen. Ich war zu fertig. Ich sagte kein Wort.

    Dann fiel mir jedoch etwas Ungewöhnliches auf. Ich sah genauer in Avas Gesicht. Sie hatte ein blaues Auge. Auch Melina schien eine Art Verletzung im Gesicht zu haben. Was war geschehen?

    „Hört zu“, sagte Ava. „Wart ihr es, die Anina...“

    Ich musste plötzlich lachen. Ich fühlte mich fast so, als hätte der Wahnsinn von mir Besitz ergriffen.

    „Hahah! Ja, verdammt! Ich habe ihr ins Auge geschossen! Ich hoffe, es tut weh!“

    Die blonde Riesin drehte sich einmal mehr mit ernster Miene zu ihre braunhaarigen Freundin um. Diese schwieg, wie immer.

    Ich wurde indes noch mutiger. „Wir mussten uns ja schließlich verteidigen, oder? Geschieht ihr recht! Und guckt mich nicht so an!“

    Ava schien nun besorgt und sprach wieder zu uns.

    „Dann wart ihr es also wirklich“, sagte sie. „Ich kann es euch nicht verdenken. Sie hat es wirklich verdient...! Sie war stinksauer und hat getobt...! Ich habe sie noch nie so erlebt.“

    Diese Antwort hatte ich nicht erwartet. Verdutzt sah ich in ihr riesiges Gesicht.

    „Was danach geschehen ist, muss ich euch wohl nicht erzählen. Ihr wart im Dorf, oder?“

    Fiona und ich nickten kaum merklich.

    „Sie wollte uns dazu zwingen, mit ihr das Dorf zerstören...! Aber wir haben uns geweigert! Sie hat uns geschlagen, als wir versucht haben, sie zu stoppen...! Es... es tut uns Leid. Wirklich... Wir haben das alles nicht gewollt...! So viele Menschen sind... wegen uns... wir hätten sie aufhalten müssen...“

    Auch ihr schossen wieder die Tränen in die Augen. Ich konnte es nicht mehr ertragen. Das war einfach zu viel Leid in nur drei gottverdammten Tagen.

    „Und wo ist sie jetzt? Was habt ihr vor?“, fragte ich die Gigantinnen. Es war besser für alle, von diesem Thema abzulenken.

    Ava sah an uns vorbei zu Boden, und traurig sprach sie weiter. „Sie... sie möchte nun doch auf unsere Heimatinsel zurück. Sie hält einen von eurer Crew als Geisel und hat die anderen beiden losgeschickt, um den Weg zu finden. Sie sollten schon bald zurück sein. Euer Schiff ist viel schneller als unser Boot es war...! Sie sagte, dass es hier nichts mehr zu holen gäbe...“

    Dieser letzte Satz weckte mich wieder auf. Ich gab mir eine Ohrfeige und blickte erwartungsvoll in Avas feuchte Augen.

    „Warte...! Das heißt, unsere Crew ist noch am Leben?“

    Mit neu entdeckter Freude in den Augen sah ich Fiona an, die meinen Blick erwiderte und sanft lächelte.

    Sogar die blonde Gigantin versuchte, zu lächeln. „Ja. Sie leben.“

    Die erste gute Nachricht seit langem! Es gab einen Grund, weiterzumachen! Ich stand unvermittelt auf, ein neuer Schub Energie durchfuhr meinen geschundenen Körper.

    „Das sind fantastische Nachrichten!“

    Die Riesin sah mich allerdings nicht mit freudestrahlenden Augen an. Es war Mitleid.

    „Es tut mir Leid. Ihr könnt leider nichts tun. Und wir auch nicht. Wir haben keine Chance gegen Anina. Sie wird auch unsere Heimatinsel unterwerfen, wenn es so weitergeht...! Es ist vorbei.“

    Plötzlich regte sich Fiona. „Nun, nicht ganz!“, sagte sie.

    Sie griff in ihren Rucksack und zog die Phiole mit der geheimnisvollen blauen Flüssigkeit hervor.

    „Wir haben noch das hier!“

    Ava und Melina wussten offenbar, was Fiona da in der Hand hielt und erschraken sichtlich.

    Die blonde Riesin begann aufgeregt zu sprechen. „Wo-- Wo habt ihr das her?“

    Fiona grinste. „War auf eurem Landungsboot! Dort, wo wir unser Treffen mit Anina hatten.“

    Ava sah zu ihrer riesigen Freundin, dann blickte sie wieder auf uns hinab.

    „Und... und was habt ihr damit vor?“

    Plötzlich schaltete sich die sonst so stumme Melina ein. Entschlossen machte sie einen Schritt auf uns zu und starrte uns mit ernstem Blick an.

    THUD.

    „Ihr werdet dieses Zeug sofort vernichten, oder ich vernichte EUCH! Es hat schon mehr als genug Schaden angerichtet! Seht ihr das nicht?“

    Fiona und ich machten instinktiv einen Schritt zurück.

    „Los! Tut es endlich!“

    Ava stand ohne Vorwarnung auf und legte ihre Hand auf Melinas Schulter. „Beruhige dich. Bitte. Wut macht unsere Situation nicht besser.“

    Doch Melina war außer sich. „Verstehst du es nicht? Was ist los mit dir? Sieh uns doch nur an!“

    Ich drehte mich zu Fiona um. Sie beachtete mich nicht. Stattdessen erhob sie ihre Stimme und umklammerte dabei fest die Phiole.

    „Wie stellt ihr euch denn eure Zukunft vor? Soll das jetzt immer so weitergehen?“, schrie sie den Gigantinnen zu. „Wollt ihr wirklich den Rest eures Lebens als Sklaven von Anina verbringen?“

    Melina schien noch wütender zu werden. Sie stampfte mit dem Fuß auf den Boden. Das folgende Erdbeben sorgte beinahe dafür, dass Fiona und ich wieder auf den Boden zurückfielen.

    „Und was soll dieses verdammte Zeug jetzt bitte ändern? SAGT ES MIR! WAS HABT IHR VOR?“, schrie die braunhaarige Riesin.

    Am nächsten Tag machte ich mich mit Fiona im Schutze der Nacht auf einen Trip um die Insel, nachdem wir uns den ganzen Tag über im Haus der alten Dame versteckt hielten und erneut das grausame „Ritual“ beobachten mussten.

    Unser erklärtes Ziel war es, Avas Landungsboot und hoffentlich noch mehr von der Flüssigkeit zu finden, die die drei Frauen in Riesinnen verwandelt hatte.

    „Ich verstehe immer noch nicht, warum wir Anina nicht einfach trotzdem vergiften“, bemerkte ich. „Was soll schon passieren?“

    Fiona schien genervt. „Wie oft noch? Das geht nicht! Ich bin mir fast sicher, dass Ava nicht allzu erfreut darüber wäre.“

    „Und? Glaubst du wirklich, dass sie uns einfach plattmachen würde, oder was? Sie wäre wahrscheinlich ein paar Wochen traurig und wir könnten endlich hier abhauen. Ich meine... gerechtfertigt wäre es doch schon, oder findest du nicht?“

    „Ich bin mir nicht mehr so sicher“, sagte Fiona. „Da wir nun wissen was passiert ist, wäre das kaltblütiger Mord. Sie waren bis vor Kurzem noch normale Menschen. Vergiss das nicht, Captain.“

    Ich stöhnte laut auf. „Ja, ja, verdammt. Es wird schon einen anderen Weg geben.“

    „Noch dazu glaube ich, dass sie ihr Trinkwasser jetzt genau überprüfen werden. Wir hätten Ava einfach nichts davon erzählen sollen. Jetzt ist unsere Trumpfkarte sowieso weg“, ergänzte Fiona.

    Ich schwieg. Sie hatte recht.

    Wieder schien der Mond durch die Baumkronen. Wir bewegten uns langsam am Rand des Waldes, immer am Strand entlang. Früher oder später mussten wir so auf das Landungsboot der Riesinnen stoßen. Wir hofften, dass sie es nicht bereits zerstört oder an einen anderen Ort gebracht hatten.

    Immerhin behauptete die alte Dame, dass die Insel nicht allzu groß sei und wir sie in etwa 24 Stunden einmal komplett umrunden konnten. So verstrich Stunde um ereignislose Stunde. Wir redeten nicht viel. Zu viel stand auf dem Spiel. Wir waren beide extrem angespannt.

    Nach einer kurzen Verschnaufpause erreichten wir schließlich einen weiteren Strand. Zunächst war auch hier nichts zu sehen, bis Fiona mir in die Rippen stieß und auf die Brandung deutete.

    „Siehst du das auch? Ich glaube...“

    Sie ging ohne ein weiteres Wort los und verließ den Schutz der Baumkronen. Ich eilte ihr hinterher auf den Sand, und wir rannten hinunter zum Wasser.

    „Was... was hast du denn?!“, hechelte ich.

    „Ich habe etwas gesehen!“

    Sie sollte recht behalten.

    Als wir ankamen, lag ein einsames, kleines Holzboot vor Anker. Es war nicht mehr ganz intakt, das Segel war abgebrochen und trieb leblos in den Wellen umher.

    Fiona wirkte freudig überrascht. „Ist es das?“

    „Da gibt es wohl nur einen Weg, das herauszufinden. Sehen wir nach.“

    Vorsichtig stiegen wir auf die klapprigen Holzplanken des Bootes. Auf den ersten Blick war allerdings nichts zu sehen. Ich wollte mich schon enttäuscht umdrehen und die ganze Sache abblasen, doch Fiona deutete auf eine Klappe im Boden des Schiffs.

    „Warte. Was ist das hier?“, fragte sie.

    „Sieh nach.“

    Langsam streckte sie ihren Arm aus und packte den metallenen Griff, der an der Klappe befestigt war. Sie zog leicht daran, und die Klappe öffnete sich knirschend.

    Fionas Augen begannen zu leuchten. „Was ist...das?“

    Sie zog einen schwarzen Lederbeutel aus dem Geheimfach hervor.

    Ich sah sie verwundert an. „Huh? Ein Beutel? Ist das alles?“

    „Nein, da ist sonst nichts drin. Aber der Beutel ist nicht leer.“

    Ich verdrehte die Augen. „Dann öffne ihn!“

    „Ja, ja. Immer mit der Ruhe, Captain.“

    Sie ließ den Griff der Geheimtür los und wir verließen das Boot. Wir setzten uns am Wasser auf den Sand und ich sah gebannt dabei zu, wie sie langsam den tiefschwarzen Beutel öffnete.

    Eine Phiole mit einem Zerstäuber kam zum Vorschein. Eine blau leuchtende Flüssigkeit schien sich darin zu befinden.

    „Das... das kann doch nicht wahr sein! Fiona! Du bist ein Genie!“

    Sie fing an zu lächeln und drehte das Fläschchen in ihrer Hand. „Ich weiß.“

    „Unglaublich! Wir haben es gesch--“

    Eine laute Stimme schallte plötzlich zu uns herüber. Einmal mehr wurde ich von den Worten einer Riesin unterbrochen.

    „Hah! Habe ich es mir doch gedacht!“

    Wir drehten uns panisch Richtung Wald um. Dort stand sie. Anina. Wie war das möglich? Hatte sie sich etwa angeschlichen?

    THUD.

    THUD.

    Sie bewegte sich genau auf uns zu.

    „Ihr seid die anderen vom Schiff, richtig? Also hat Ava doch versucht, jemanden zu schützen!“

    Ich sah herüber zu Fiona. Sie zitterte am ganzen Körper und sah voller Angst zu der Gigantin auf. Aber mir erging es nicht anders.

    „Das war's. Wir sind erledigt!“, flüsterte Fiona. „Das kann doch nicht wahr sein!“

    THUD.

    THUD.

    Anina stand nun nur noch wenige Meter von uns entfernt. Sie stierte wütend auf uns hinab. Wir konnten nicht viel mehr tun, als einfach regungslos dazustehen. Was hätten wir auch sonst tun sollen?

    „Was zur Hölle macht ihr hier?“

    Wir antworteten ihr nicht.

    „WAS MACHT IHR HIER?!“, wiederholte Anina donnernd.

    Ich nahm den letzten Funken Mut in meinem Körper zusammen.

    „W-Wir m-machen n-nur einen kleinen S-Spaziergang...!“

    Die Riesin schien nicht erfreut.

    „Lächerlich! Das reicht jetzt! Ihr kommt mit mir. Und dann unterhalten wir uns wie Erwachsene!“

    Die mit Goldschmuck behangene Titanin ging in die Knie und streckte ihre gigantische Hand in unsere Richtung aus. Geistesgegenwärtig nahm ich Fionas Flinte in die Hand und lud sie, so schnell ich konnte.

    Aninas riesige Hand bewegte sich nun genau auf Fiona zu. Langsam schlossen sich ihre gewaltigen Finger um den winzigen Körper. Fiona begann wie am Spieß zu schreien.

    „C-Captain! H-Hilfe! Hilfe--!! Aaaahh--!! Neeein!!“

    Gerade als Anina die völlig aufgelöste Fiona greifen und hochheben wollte, zielte ich auf das rechte Auge der Riesin. Da sie in die Knie gegangen war, schien ein direkter Treffer ein wenig wahrscheinlicher. Ich drückte ab.

    BANG!

    Ich hatte einen Volltreffer gelandet. Anina ließ sofort von Fiona ab und schrie so laut auf, dass uns beinahe die Trommelfelle platzten.

    „Aaagh--!! IHR VERDAMMTEN MADEN! Agh...!! WAS HABT IHR GETAN?!“

    Die Riesin stand taumelnd auf und presste sich beide Hände gegen ihr Auge. Jetzt musste es schnell gehen. Ich griff Fionas Arm und zerrte sie Richtung Wald. Wir liefen so schnell wir konnten.

    Ich warf ihr einen hastigen Blick zu. „Hast du-- hast du die Phiole?“

    „J-Ja... ich habe sie!“

    „Dann lauf! Lauf um dein Leben!“

    Wir trauten uns nicht, uns noch einmal umzudrehen. Die Riesin stampfte über den Strand und schrie erneut voller Schmerzen auf. Wir konnten es vielleicht schaffen!

    Nach gefühlt ewigen Sekunden kamen wir wieder am Waldrand an und rannten tiefer hinein. Weiter, weiter... Ich kann nicht mehr sagen, wie lange wir gerannt sind. Immer wieder hörten wir Anina wie wild hinter uns brüllen und laut stampfen.

    „WO SEID IHR? ICH MACHE EUCH PLATT! ICH FINDE EUCH--!! IHR WERDET DAFÜR BEZAHLEN!!“

    Wir ließen uns nicht davon beeindrucken und rannten weiter. So lange, bis wir nicht mehr konnten und die Riesin außer Hör- und Sichtweite war. Erschöpft brachen wir unter einem Baum zusammen. Es dauerte bestimmt zwanzig Minuten, bis wir uns von dem anfänglichen Schock erholt hatten.

    Fiona lächelte endlich und sah zu Boden, völlig außer Puste. „Du hast es geschafft, Captain! Du hast es tatsächlich geschafft! Du hast mir das Leben gerettet!“

    Ich wollte ihr gerade stolz auf die Schulter klopfen, doch dann kam mir plötzlich nur noch eins in den Sinn.

    „Fiona...! Die Crew! Sie hat das Schiff! Sie weiß, dass wir zusammengehören! Nein!“

    Die sonst so ruhige Forscherin wurde auf einmal kreidebleich. Mehr, als sie es sowieso schon war.

    „Ah...! Du... du hast recht! Verdammt! W-Was machen wir jetzt?!“

    Ich wusste keine Antwort auf ihre Frage.

    THUD.

    THUD.

    Meine Knie verwandelten sich in Pudding. Was, wenn es schiefgehen würde? Nein... derlei Gedanken waren nun fehl am Platze.

    THUD.

    THUD.

    Ich konnte sie nun sehen. Anmutig kamen die Riesinnen genau auf mich zu. Sie waren nur noch wenige Sekunden entfernt und steuerten genau auf die Weide zu, auf der ich stand.

    THUD.

    Die blonde Gigantin blieb genau vor mir stehen. Ihre braunhaarige Freundin folgte kurz hinter ihr und sah ebenfalls auf mich hinab. Ich machte mir nun beinahe in die Hose. Oh Gott! Das war ein schlechter Plan!

    Ich atmete tief ein, während ich den Blick der Riesinnen auf mir spürte. Du kannst das! Du kannst das! Komm schon!

    Ich hob einen Arm und winkte ihnen zu.

    „S-S-Seid g-gegrüßt, G-Gigantinnen...!“

    Die blonde Riesin wirkte verwundert und kniete sich nun vorsichtig hin, um mich genauer betrachten zu können. Scheinbar schien sie keine bösen Absichten zu haben, sonst wäre ich vermutlich schon tot gewesen. Ihre gigantischen Zehen sanken genau vor mir tief in die Erde, als sie ihr gesamtes Gewicht auf sie verlagerte. Es war absurd. Wie viel sie wohl wog?

    Trotz meiner nun sehr akuten Todesangst war der Anblick nicht weniger als atemberaubend. Meine Panik wich fast schon einer Art Ehrfurcht. Ich konnte kaum an mich halten, als sie ihren Mund öffnete. Sie war... wunderschön!

    „Du...! Du warst doch gestern auf dem Marktplatz! Wer bist du? Wo ist deine Frau?“

    Ich zitterte. Es war kein schönes Gefühl, von so einem mächtigen Wesen direkt angesprochen zu werden. Verdammt noch eins!

    „Oh, äh... ja...! I-Ihr habt recht! D-Das war ich!“

    Die Riesin musste plötzlich lächeln. Ich verstand nicht ganz, was sie beabsichtigte.

    „Du musst keine Angst haben. Wir tun dir nichts. Versprochen!“

    Ich atmete ein wenig auf. Meine Anspannung war immer noch deutlich zu spüren, aber ich fühlte mich etwas lockerer. Ich fand es fast schon beeindruckend, dass sie meine Körpersprache so gut lesen konnte, obwohl ich im Vergleich zu ihr so winzig war.

    „Ich... möchte mich mit euch unterhalten. Es ist wichtig!“

    Die blonde Riesin drehte sich zu ihrer braunhaarigen Freundin um, die immer noch hinter ihr stand und einfach nur zuzuhören schien. Dann wandte sie ihre Aufmerksamkeit wieder mir zu.

    „Unter... unterhalten...? Es tut mir leid, aber Anina erlaubt uns nicht, mit euch zu sprechen. Eigentlich dürfte ich auch jetzt nicht mit dir reden! Wenn sie uns sieht, macht sie uns fertig. Und dich auch! Also gehst du jetzt am besten in dein Haus zurück. Wir holen nur ein paar Rinder und sind wieder weg.“

    So ein Mist! Nein! Das war nicht gut! Ich rang nach Worten.

    „O-oh, ähm...“ stotterte ich. „B-Bitte! Ich möchte euch helfen. Nein - UNS helfen...!“

    Die beiden Gigantinnen lächelten. „Helfen? Wie willst du uns bitte helfen? Du kannst uns nicht helfen, Kleiner.“

    „I-Ich habe einen Plan! Aber dafür müssen wir reden! Ihr müsst mir glauben!“

    Ich ging nun ein Risiko ein. Ich legte meine Karten auf den Tisch - ich musste es einfach probieren!

    Zitternd sprach ich weiter. „Ich weiß, dass Anina euch unterdrückt! Ihr wollt das hier alles gar nicht, oder? Ihr seid keine Monster wie sie!“

    Die blonde Riesin wurde plötzlich still und sah erneut zu ihrer Freundin, die jetzt verwundert und nachdenklich in die Ferne blickte.

    „Ich kann euch wirklich helfen! Aber dafür müssen wir zusammenarbeiten! B-Bitte...! Lasst uns reden!“

    Die blonde Riesin setzte eine ernste Miene auf. Sie schien nachzudenken und sah mich dann mit traurigen Augen an.

    „Ich... ich kann mir zwar nicht vorstellen, wie jemand wie du uns helfen könnte. Aber... ich möchte dir glauben. Du... du hast recht. Wir können das hier nicht mehr länger mit ansehen! Es tut uns weh, die Menschen so leiden zu sehen!“

    Mein Herz setzte kurz aus. Ich hatte es geschafft! Hah! Gerade, als ich zur Erklärung ansetzen wollte, unterbrach mich die blonde Riesin jedoch.

    „Wir können es nicht hier tun. Wenn Anina uns sieht, haben wir keine Chance! Wir treffen uns heute Nacht am Strand. Ist das für dich in Ordnung? Ich werde alleine kommen, dann sollten wir sicher sein. Ich möchte euch so gern glauben...“

    Plötzlich fiel mir etwas ein, als sie den Strand erwähnte. Das Schiff und meine Crew...! Obwohl ich um alles in der Welt wissen wollte, was mit ihnen geschehen war, schluckte ich diese Frage herunter. Es war der falsche Zeitpunkt dafür.

    „In Ordnung“, antwortete ich ihr. „Ich werde da sein.“

    Die blonde Gigantin lächelte mild und stand dann wieder zu ihrer vollen Größe auf. Ich konnte trotz meiner Angst nicht genug von diesem Schauspiel bekommen. Es war einfach faszinierend. Einnehmend. Eindrucksvoll.

    Ich sah den Riesinnen dabei zu, wie sie etwa ein Dutzend Rinder mit ihren Fingerspitzen einsammelten und sie in ihren riesenhaften Händen hielten, fest eingeklemmt zwischen ihren Fingern. Ich konnte mir nur ausmalen, was die Tiere denken mussten. Realisierten sie überhaupt, was gerade mit ihnen passierte?

    Ich blickte den Gigantinnen noch eine Weile hinterher, als sie in der Ferne verschwanden. Als sie schließlich nicht mehr zu sehen waren, brach ich atemlos in mich zusammen. Uff. Eine unglaublich große Last fiel von meinen Schultern. Ich hatte es tatsächlich geschafft. Unfassbar. Immer noch zitternd, aber freudig gestimmt machte ich mich auf den Weg zurück ins Haus der alten Dame, um allen von meinem Treffen zu berichten. Was Fiona wohl denken würde?

    - - -

    „Ich kann echt nicht glauben, dass du dich einfach vor sie gestellt hast! Du bist doch krank!“

    Ich lachte laut auf. Fiona konnte es immer noch nicht begreifen. Immer und immer wieder fragte sie, wie ich dieses Treffen organisiert hatte. Wir waren inzwischen zusammen auf dem Weg zum Stand, die Sonne war bereits untergegangen und der Mond schien schwach durch die Baumkronen des Waldes.

    „Ich hab' ihnen einfach gesagt, was Sache ist!“

    Fiona schnaufte. „Ja, klar. Erzähl doch keinen Mist!“

    Ich resignierte schließlich. „Ja, ja. Du hast ja recht. Mir haben die Knie gezittert. Aber sie waren wirklich freundlich. Unsere Vorahnungen haben sich also bewahrheitet!“

    Wir setzten unseren Weg fort und erreichten erneut den Waldrand. Wir versteckten uns zwischen ein paar Büschen und machten uns darauf gefasst, eine lange Zeit zu warten. Es wurde immer später, und ich merkte, wie Fiona unruhiger wurde.

    „Mach dir keine Sorgen. Uns wird nichts passieren.“

    Sie lachte. „Das sagst du so leicht.“

    Weitere zwei Stunden vergingen, ehe wir die typischen Beben wahrnahmen.

    THUD.

    „Das muss sie sein“, flüsterte ich.

    THUD.

    THUD.

    Es dauert nicht lange, bis die blonde Riesin auftauchte und sich vorsichtig auf dem Sand niederließ. Nicht weit von uns entfernt. Fiona stand der Mund offen. Sie konnte immer noch nicht fassen, wie groß diese Frau war.

    Ich packte ihren zitternden Arm und zog sie nach oben. „Komm, gehen wir zu ihr.“

    Langsam stolperten wir auf die Riesin zu. Sie hatte uns bereits entdeckt und nickte uns freundlich zu. Als wir genau vor ihren Füßen stehen blieben, hob sie ihre Hand zum Gruße.

    Sie lächelte freundlich. „Guten Abend. Ich hoffe, ihr seid wohlauf.“

    Wir nickten ihr zu, ehe der Blick der Gigantin auf Fiona fiel.

    „Du...! Du warst doch auch auf dem Markplatz, nicht wahr?“

    Fiona fiel fast in Ohnmacht. „J-J-Ja, w-war ich...!“

    Die Riesin lächelte sanft. „Hab keine Angst. Bitte. Ich tue dir nichts. Wir sind hier um zu reden, oder?“

    Das war mein Zeichen. Ich ging in die Initiative.

    „Ja, richtig. Vielleicht wäre es angebracht, dass wir uns erstmal vorstellen. Ich bin Rykard, Schiffskapitän. Neben mir steht Fiona, meine Expertin für Botanik. Wir grüßen euch.“

    Die Riesin lächelte erneut. „Seid gegrüßt. Ich bin Ava.“ Sie machte eine kurze Pause. „Du erwähntest, dass du Kapitän bist. Heißt das, dass ihr beide...“

    „Genau. Wir sind gestern auf dieser Insel gestrandet. Wisst ihr vielleicht, was mit unserem Schiff passiert ist? Es ist verschwunden. Es lag hier draußen samt Crew vor Anker. Auch unser Landungsboot hat sich scheinbar in Luft aufgelöst.“

    Die Gigantin sah zu Boden. Scheinbar war ihr das Thema unangenehm. „Ich... ich denke schon. Anina hat uns befohlen, das Schiff und die Crew zu entführen...“

    Ich bekam einen Schreck. „Ent... Entführen?!“

    „Macht euch keine Sorgen. Eure Crew ist wohlauf...! Wir haben sie auf die andere Seite der Insel gebracht. Anina wollte sie... befragen.“

    Fiona war plötzlich hellwach, ihre Angst schien wie weggeblasen. „B-Befragen? Was meint ihr damit?“

    Ava senkte erneut ihren Blick. „Das ist eine lange Geschichte...“

    Fiona breitete fordernd ihre Arme aus. „Dann erzählt sie uns! Was geht hier überhaupt vor? Wie seid ihr so gigantisch geworden?“

    Ava sah uns nun traurig an. Sie tat mir fast leid.

    „Bis vor Kurzem waren wir noch so groß wie ihr...! Ja. Wir waren ganz normale Menschen. Aber alles änderte sich, als wir hier ankamen.“

    Fiona und ich lauschten gespannt. Keiner von uns wagte es, sie zu unterbrechen.

    „Auf unserer Heimatinsel gab es einen grausamen Krieg. Es ist eine recht kleine Insel, dennoch haben sich dort zwei völlig unterschiedliche Kulturen entwickelt. Mit der Zeit haben sich diese Kulturen in verfeindete Nationen entwickelt, und...“

    Sie schluckte merklich.

    „...vor wenigen Wochen haben sie uns angegriffen. Alles stand in Flammen. Freunde, Familie... ich glaube, sie haben es nicht geschafft...“

    Ich sah, wie Avas Augen feucht wurden und versuchte schnell, sie zu beruhigen. „Das... das tut mir Leid. Ihr habt mein Mitgefühl.“

    Die Riesin wischte sich die Tränen aus den Augen und versuchte, zu lächeln.

    „Schon... schon in Ordnung.“ Sie machte eine erneute Pause und seufzte. „Als... als es fast schon zu spät war, wurde ich zusammen mit Anina und Melina auf ein Boot verfrachtet. Ein seltsamer Mann war mit uns an Bord. Ich hatte ihn noch nie zuvor gesehen, aber er versprach uns, uns von der Insel und in Sicherheit zu bringen. Wir glaubten ihm. Zwei Tage später landeten wir hier an einer Küste... auf der anderen Seite der Insel. Alles schien in Ordnung, er hatte uns gerettet. Seine Navigation war tadellos.“

    Ich musste sie kurz unterbechen. „Ist Melina eure braunhaarige Freundin?“

    Ava nickte sanft und fuhr fort.

    „Wenige Stunden nach unserer Ankunft verhielt sich der Mann merkwürdig. Er redete nur noch wirres Zeug über Vergeltung. Rache. Er hatte scheinbar eine Art Plan. Er sagte, dass er uns dafür brauchen würde. Zu der Zeit verstanden wir noch nicht, was er meinte.“

    Die Geschichte nahm plötzlich eine dunkle Wendung. Was mag wohl passiert sein?

    „Dann geschah es. Er reichte uns schließlich seine Feldflasche und sagte, dass uns das Wasser guttun würde. Wir nahmen alle ein paar Schlücke und... wachten gefesselt wieder auf. Er hatte uns an einen Baum gebunden und starrte uns mit einem wahnsinnigen Blick an.“

    Fiona erschrak. „Das... das ist ja grauenhaft! Was geschah dann?“

    „In seiner Hand hielt er ein dünnes Fläschchen mit einem Zerstäuber. Er lachte und sagte uns, dass wir die letzte Hoffnung für alle seien. Wir verstanden ihn nicht. Dann richtete er die Flasche auf uns und benetzte uns mit einer bläulich leuchtenden Flüssigkeit...“

    Ich konnte mir nun denken, wohin das Ganze führte, ließ Ava aber ausreden.

    „Als wir wieder zu uns kamen, waren wir Riesen. Wir konnten es nicht fassen. Der Mann stand zu unseren Füßen und lachte wie ein Verrückter. Er schrie uns an. Wir sollten zurück zu unserer Heimatinsel und alle Feinde plattmachen! Ich... ich beachtete ihn und sein Gerede aber nicht. Ich sank zu Boden und fing an zu weinen... schließlich hatte er uns in Monster verwandelt!“

    Mal wieder konnte ich nicht glauben, was passiert war. Das klang wie eine Geschichte aus einem Märchenbuch! Auch Fiona wirkte sichtlich geschockt. Sie hatte ihre Hand über den Mund gepresst und lauschte gebannt.

    „Anina war... wütend. So wütend, dass sie ihn auf der Stelle...“

    Ava sah erneut zu Boden und schwieg.

    Trotz aller Sentimentalität konnte ich nun nicht mehr anders. Ich musste es einfach ansprechen.

    „Und seitdem seid ihr hier und... terrorisiert die Dorfbewohner?“

    Ava sah mich schockiert an.

    „N-Nein...! So ist es nicht!“

    Fiona wurde nun auch etwas mutiger. „Wie würdet ihr das heute morgen denn sonst bezeichnen?“

    „Das ist Aninas Schuld! Ihr müsst mir glauben! Melina und ich würden nie... Sie zwingt uns dazu! Wir können nichts tun! Sie ist viel stärker als wir! Wir sind auf sie angewiesen!“

    Ich wusste zunächst nicht, wie ich reagieren sollte, nickte aber schließlich verständnisvoll. Ich glaubte ihr tatsächlich.

    „Keine Sorge, ich glaube euch“, antwortete ich ihr. „Aber wieso seid ihr nicht zu eurer Heimatinsel zurückgekehrt?“

    Ava wirkte frustriert. „Ich... ich würde gehen und helfen, aber... wir würden den Weg niemals ohne einen Navigator finden! Anina hat uns verboten, zu gehen! Sie genießt ihre Macht und sagte, dass es das Beste sei, was ihr je passiert ist...!“

    Das war mein Stichwort. „Ich verstehe. Aber genau da kommen wir ins Spiel. Wir haben einen Vorschlag für euch.“

    Die Riesin schaute gebannt auf meinen für sie winzigen Körper hinab. „Ja...?“

    „Fiona hat eine Phiole mit Schlangengift! Wir glauben, dass wir Anina damit vergiften könnten. Ihr wärt frei, und die Dorfbewohner könnten zu einem normalen Leben zurückkehren! Was sagt ihr?“

    Ava schien geschockt.

    „Das... das geht leider nicht.“

    „Wieso?“, fragte ich sie herausfordernd.

    „Sie ist meine große Schwester. Ich werde meine eigene Schwester nicht vergiften – und IHR werdet das auch nicht tun. Haben wir uns verstanden?“

    V-Verdammt! Das konnte doch nicht wahr sein!

    „Und was schlagt ihr vor, Ava? Was sollen wir tun?“

    Die Gigantin sah wieder zu Boden. „Ich... ich weiß es nicht...“

    - - -

    Und wieder hockte ich mit Fiona im dunklen Zimmer der alten Dame.

    Fiona starrte mit leerem Blick aus dem Fenster. „Das ist ja super gelaufen, Captain.“

    „Wer konnte das denn auch ahnen? So ein großartiger Mist! Wir sind am Ende!“

    „Immerhin ist unserer Crew nichts passiert. Sie sind am Leben. Das ist doch immerhin etwas Positives.“

    „Ja. Das ist es. Ich würde gern mit ihnen sprechen...“

    „Ava erwähnte, dass Anina sie befragen möchte. Wahrscheinlich denkt sie, sie wären vom Feind gesandt...“

    „Halte ich auch für möglich“, antwortete ich. „Aber wir können nicht einfach zu den Riesen spazieren und sie danach fragen.“

    Fiona dachte kurz angestrengt nach. „Captain. Eine Idee hätte ich vielleicht doch noch. Es ist eigentlich unlogisch, aber vielleicht doch möglich.“

    Ich blickte ungläubig zu ihr herüber. „Ach ja? Lass hören.“

    „Was wäre, wenn wir Avas Rettungsboot finden und es untersuchen? Was ist, wenn der wahnsinnige Mann noch mehr von dieser Flüssigkeit dabei hatte?“

    War sie nun völlig durchgedreht? „Und was sollte das bitte bringen?“

    „Nun. Es gäbe eine Möglichkeit, wie wir Anina in Schach halten könnten, wenn wir ihr schon keinen Schaden zufügen dürfen...“

    „Warte. Warte. Verstehe ich das gerade richtig? Du willst Ava und Melina noch größer machen, damit sie sich Anina schnappen und verschwinden?“

    Fiona lächelte beinahe diabolisch. „Korrekt, Captain.“

    Es war sinnlos, weiter danach zu suchen. Das Schiff war weg. Hatte meine Crew uns einfach hier sitzen lassen? Ich konnte es mir nicht vorstellen. Irgendetwas musste passiert sein, und ich fürchtete, dass es nichts Gutes war.

    Ich saß mit Fiona am Waldrand, im Schutz der Bäume. Ich sah sie eindringlich an.

    „Und? Irgendwelche Ideen?“

    Sie lächelte gequält. „Nein. Ich schätze, wir sitzen hier erstmal fest.“

    „Sieht so aus...“

    Keiner von uns ließ es sich anmerken, doch von „schlechter Stimmung“ zu sprechen war noch weit untertrieben.

    Wir beschlossen dennoch, zurück zum Dorf zu gehen und der alten Dame noch ein paar Informationen zu entlocken. Irgendetwas mussten wir schließlich tun.

    Die Sonne war inzwischen untergegangen, und die Wanderung durch den Wald war weitaus angenehmer als am Nachmittag. Außerdem boten uns die Bäume Schutz vor den Riesinnen, die uns aber glücklicherweise nicht über den Weg liefen. Sie waren nicht einmal zu hören. Gut.

    Es mag wohl nicht die höflichste Art und Weise gewesen sein, wie wir mitten in der Nacht bei der Frau anklopften, dennoch öffnete sie die Tür, sichtlich erleichtert.

    „Da seid ihr ja! Und? Wie sieht es aus? Habt ihr einen Plan?“

    Fiona und ich blickten uns kurz in die Augen.

    „Nun...“, begann ich, „es gibt da wohl ein Problem.“

    Die alte Frau bat uns hinein, und wir setzten uns gemeinsam an den großen Holztisch in der Mitte ihres Hauses. Sie reichte uns Gläser mit frischem Wasser.

    „Euer... euer Schiff ist weg?“

    Ich traute mich fast nicht, ihr in die Augen zu sehen. Schließlich hatten wir Hilfe versprochen.

    „Ja, es war nirgends zu sehen. Und ich glaube nicht, dass meine Mannschaft mich je im Stich lassen würde. Was meinen Sie? Könnten die Gigantinnen es zerstört haben?“

    Die alte Frau dachte nicht lange nach. „Durchaus. Vermutlich haben sie es entdeckt und...“

    Wir schwiegen alle für ein paar Sekunden.

    „Ich weigere mich zu glauben, dass meine Crew tot ist! Ich muss herausfinden, was passiert ist!“

    Fiona warf mir einen bedrückten Blick zu. „Und wie willst du das anstellen? Wir wissen nichts über die Insel. Und wir haben keine Chance gegen die Riesen.“

    Ich dachte kurz nach und sprach die alte Dame an. „Sie sagten vorhin, dass die jüngeren Riesinnen harmlos seien. Was meinten sie damit?“

    „Sie... sie sind nicht gewalttätig. Wenn die ältere nicht da wäre, würden sie uns vermutlich in Frieden lassen. Warum fragt ihr?“

    „Vielleicht... vielleicht können wir ja mit ihnen sprechen.“

    Fiona entwich ein seltsames Geräusch. „B-Bitte was? Bist du wahnsinnig?“

    „Hast du eine bessere Idee? Ich habe jedenfalls keine Lust, den Rest meines Lebens in Sklaverei zu verbringen! Eher sterbe ich!“

    Fiona wirkte außer sich. „Das kann nicht dein Ernst sein! Wie stellst du dir das vor? Sollen wir sie einfach nett darum bitten, uns zu helfen?“

    Ich grinste. „Genau das. Erinnerst du dich nicht? Sie haben versucht, uns zu retten. Und wir haben es nur wegen ihnen geschafft, oder nicht?“

    Beide Frauen sahen mich an, als wäre ich komplett verrückt geworden.

    - - -

    Ich saß mit Fiona im zweiten Stock des Hauses der alten Dame. Sie hatte uns ein kleines Zimmer zur Verfügung gestellt. Eine einsame Kerze erleuchtete den Raum, und ihr Licht flackerte Schwach in der Dunkelheit der Nacht.

    Ich lag auf dem Bett und starrte angestrengt an die Decke.

    „Die alte Dame hat gesagt, dass die Dorfbewohner nur ihrem Tagesgeschäft nachgehen dürfen. Das heißt, dass sie die Zeit von nachmittags bis morgens in ihren Häusern verbringen müssen.“

    Ich hörte ein Schnaufen aus Fionas Richtung. „Ja, und?“

    „Die Riesinnen kommen zweimal am Tag ins Dorf. Einmal morgens, einmal Nachmittags. Wir müssen sie irgendwie abfangen.“

    „Wie stellst du dir das vor? Es tut mir leid, aber ich denke immer noch, dass du verrückt bist.“

    „Ich weiß. Vielleicht bin ich es auch. Aber ich sehe keine andere Lösung. Wir müssen es zumindest versuchen. Also lass mich dich nochmal fragen. Hast du eine bessere Idee?“

    „Nein... nein. Habe ich nicht. Ich habe nur kein gutes Gefühl bei der Sache. Ich möchte nicht, dass du dich in derlei Gefahr begibst.“

    „Zum dritten Mal. Was zur Hölle sollen wir sonst tun? Uns die nächsten 50 Jahre in diesem Haus verstecken? Eher trinke ich Gift!“

    Plötzlich fiel mir etwas ein. Gift. Gift! Ja!

    „Fiona. Warte mal. Was hast du alles für die Expedition eingepackt? Irgendetwas, das uns weiterhelfen könnte?“

    „Ich wüsste nicht, wie uns ein paar Glasphiolen und Pinzetten helf--“

    Sie unterbrach sich selbst.

    „Nein, vergiss das. Vielleicht gibt es doch etwas.“

    Sie sprang auf und lief zu ihrem Rucksack, der neben der Tür stand. Sie wühlte kurze Zeit darin herum und zog eine Phiole mit einer durchsichtigen Flüssigkeit daraus hervor.

    „Das hier“, sagte sie stolz.

    „Und was zum Teufel soll das sein?“

    „Schlangengift. Ich trage es immer bei mir, wenn wir eine Insel erkunden. Es dient einerseits der Abwehr, andererseits kann man darin andere Flüssigkeiten auflösen und neutralisieren.“

    Meine Augen leuchteten auf. Es war fast so, als hätte sie meine Gedanken gelesen. „Und... und was heißt das jetzt?“

    „Vielleicht könnten wir eine von den Riesinnen damit abmurksen!“

    Ich sah misstrauisch auf den kleinen Glasbehälter. „Und das reicht? Ist nicht gerade viel, oder?“

    Fiona setzte einen gemeinen Blick auf. „Ein Tropfen reicht locker aus, um einen Menschen in wenigen Momenten zu töten. Das hier sollte ausreichen, um eine von ihnen fertig zu machen! Ich bin mir sicher!“

    „Das ist doch schon mal etwas. Allerdings stellt sich mir die Frage, wie wir sie dazu bekommen sollten, es zu trinken.“

    Wieder sah mich Fiona eindringlich an. „Die Menschen hier stellen den Gigantinnen Wasser zur Verfügung, oder? Wenn du tatsächlich mit ihnen reden möchtest, könntest du sie davon überzeugen, die ältere Riesin damit zu vergiften. Da hast du deinen Plan!“

    Ich lachte laut auf. „Das klingt wahnsinnig! Hahah! Probieren wir es!“

    Selbst Fiona musste nun lachen. Es gab einen Hoffnungsschimmer. So dünn und schwach wie er auch war, es war ein Anfang. Nun mussten wir nur noch einen Weg finden, ungestört mit den jüngeren Riesinnen zu sprechen. Und ich hatte bereits eine Idee.

    - - -

    Wir wurden unsanft aus dem Schlaf gerissen.

    THUD.

    THUD.

    THUD.

    Das Geräusch war unverkennbar, Die Riesinnen waren auf dem Weg in das Dorf, und ich blickte verschlafen aus dem Fenster. Die Sonne war gerade aufgegangen. Doch bevor ich einen klaren Gedanken fassen konnte, klopfte es an der Tür. Es war die alte Dame. Sie wirkte angespannt.

    „Guten Morgen, ihr beiden.“

    Ich flüsterte ihr ein grummeliges „Morgen“ zu.

    Die alte Dame verlor jedoch keine Zeit und sprach schnell. Jetzt wirkte sie nicht mehr nur angespannt, sie war es auch.

    „Ich... ich muss jetzt zum morgendlichen Appell. Ihr bleibt hier und versteckt euch, habt ihr verstanden? Ihr dürft unter keinen Umständen das Haus verlassen. Egal, was passiert!“

    Ich sah die Frau argwöhnisch an. „Appell? Was?“

    „Keine Zeit für Erklärungen. Wir sehen uns später! Bitte vertraut mir!“

    Ohne auf eine Antwort zu warten schloss sie die Tür und machte sich wieder auf den Weg in das Erdgeschoss. Kurze Zeit später konnte ich hören, wie sie die Haustür öffnete und wieder abschloss.

    Fiona, immer noch verschlafen, gähnte laut. „Appell? Was das wohl heißt?“

    „Keine Ahnung, Warten wir es ab.“

    Ich zog mich an und schnappte mir einen Stuhl. Ich platzierte ihn genau vor einem Fenster und hatte einen direkten Blick auf den Marktplatz, auf dem wir gestern noch um unser Leben fürchteten. Eine eindrucksvolle Anzahl an Menschen hatte sich bereits dort versammelt und schien auf irgendetwas zu warten. Auch die alte Frau war auf dem Weg dorthin. Was passierte nun?

    THUD.

    THUD.

    Die Riesen waren schneller da, als ich erwartete. Sie stellten sich direkt vor die Menschen auf dem Marktplatz und blickten auf sie hinab. Der Anblick war immer noch unglaublich. Ich fühlte mich, als wäre ich in einem Traum. Ich konnte wirklich nicht anders, als diese unbegreiflichen Geschöpfe einfach nur anzustarren. Ihre unfassbare Kraft, ihre schiere Größe... wie aus einem Märchen! Allein ihre Beine waren massiger als die dicksten Baumstämme, die ich in meinem Leben je gesehen hatte. Ich hatte Probleme, ihre Gesichter klar zu erkennen, so weit oben im Himmel waren sie. Es hatte etwas Faszinierendes, etwas Übernatürliches. Als wären sie nicht von dieser Welt. Es sah seltsam aus, wie die Menschenmassen vor ihnen nicht einmal bis zu ihren Knöcheln reichten und wie aufgeschreckte Mäuse herumwuselten.

    Als ich die Gigantinnen so beobachtete, bekam ich erneut Angst. Vielleicht war mein Plan doch nicht so intelligent...? Ich versuchte, den Gedanken zu verdrängen.

    Die ältere Riesin, Anina, begann nun zu den Menschen zu sprechen.

    „Guten Morgen, meine Kleinen! Habt ihr alle gut geschlafen?“

    Niemand antwortete.

    „Ja, ja. Wie auch immer. Durchzählen!“

    Fiona, die inzwischen neben mir stand, schreckte kurz auf. „Jetzt verstehe ich! Sie zählen jeden Morgen die Dorfbewohner!“

    „Wahrscheinlich, damit keiner abhaut“, ergänzte ich.

    Anina wartete geduldig, bis der letzte Mann seine Zahl nannte. 407.

    „Schön. Es sind also alle da. Das freut mich.“

    Sie setzte einen arroganten Blick auf. Nicht, dass er nicht vorher schon überheblich gewesen wäre, aber ich konnte einen Anflug von Wut in ihren Augen entdecken.

    „Kommen wir nun zu etwas weniger Schönem. Wo ist der Schmied? Vortreten!“

    Ein älterer Mann trat aus der Menge hervor, sichtlich zitternd und mit gesenktem Kopf trat er genau vor die Zehen der Riesin Anina. „Hier“, rief er ihr zu.

    Anina sah abschätzig auf ihn hinab. Wie auf ein unartiges Hündchen. „Du hast gestern schlechte Arbeit geleistet. Was sollte das? Nur ein dünner Goldring? Willst du dich über mich lustig machen?“

    Der Mann schien in Panik auszubrechen. „Ich... Es tut mir leid! Das... das Rohmaterial geht uns aus! Ich weiß nicht, wo ich--“

    Anina stemmte erneut die Hände in die Hüften. „Genug! Schweig!“

    Sie hob langsam ihren riesigen Fuß, holte leicht aus und stieß dem alten Schmied mit dem großen Zeh gegen die Brust. Dieser schrie sofort laut auf und fiel rücklings zu Boden. Nun lag er da, und ängstlich starrte er hoch in den Himmel. „Bitte! Verschont mi--“

    Die Riesin ließ ihm keine Zeit, auszusprechen. Sie setzte ihre Ferse vor ihm auf den Boden und senkte ihre gewaltige Fußsohle so über ihn, als würde sie ihn zertreten wollen. Der Schmied schrie, als hätte man ihn mit einer Flinte angeschossen. Seine Panik konnte ich bis in das Haus der alten Dame spüren.

    Anina senkte ihren Fuß weiter und positionierte ihn nun so, dass der Kopf des Schmiedes zwischen ihrem großen und zweiten Zeh hinausschaute. Ihre weiche Fußsohle hielt den Rest seine Körpers unter Kontrolle und drückte ihn sanft in den weichen Boden.

    Die Menschen auf dem Marktplatz schrien aufgebracht. Es war schlimm, dieses Schauspiel aus der Ferne zu beobachten. Wieder breitete sich Wut in mir aus.

    Die Riesin begann erneut zu sprechen.

    „Das ist deine letzte Warnung. Hast du verstanden? Nächstes Mal zerquetsche ich dich einfach wie ein Insekt! Wenn du auch nur noch einmal so eine schlechte Arbeit ablieferst, bist du dran! Kapiert?! Deine Frau und deine Kinder können sich dann auch auf etwas gefasst machen, das kannst du mir glauben!“

    Der Schmied antwortete nicht. Er schnappte nach Luft und schien kurz vor dem Ersticken zu sein.

    Anina wartete noch wenige Sekunden und hob dann endlich ihren Fuß von dem Mann, der sich sofort an den Hals fasste und zusammengekrümmt auf dem Boden liegen blieb.

    Die Riesin lachte. „Keiner hilft ihm! Ihr bleibt, wo ihr seid!“

    Dabei stampfte sie fest auf den Boden, um ihren Worten Nachdruck zu verleihen.

    KRACH!

    Das Haus der alten Dame wackelte brutal. Erneut konnten wir die unglaubliche Kraft der Gigantinnen direkt spüren.

    „So, und jetzt auf die Knie! Alle!“

    Fiona und ich sahen hilflos dabei zu, wie die Menschen auf dem Marktplatz auf die Knie gingen und ihre Gesichter gen Boden senkten. Regungslos verharrten sie mehrere Minuten in dieser unwürdigen Position, während Anina amüsiert kicherte.

    „Gut, gut. Ihr macht das fein, meine Kleinen!“

    Es war grauenhaft, schrecklich...! Wie konnte sie die Leute nur so behandeln? Es war mir ein Rätsel. Ich drohte, in meinen Gedanken zu versinken, doch Fiona stieß mir plötzlich mit dem Ellbogen in die Brust.

    „Schau! Du könntest recht haben! Sieh dir die jüngeren Riesinnen an!“

    Ich schüttelte die Gedanken ab und sah erneut herüber zum Platz. Die beiden anderen Gigantinnen standen einfach nur da, hinter Anina, und sie wirkten fast beschämt. Keine von ihnen sagte auch nur ein Wort. Ganz offensichtlich schien ihnen dieses Verhalten nicht zu gefallen. Als wäre es ihnen unangenehm. Es mag meine Fantasie gewesen sein, aber ich glaubte, in ihren Augen Mitleid zu erkennen.

    Fiona wirkte euphorisiert. „Du hast tatsächlich recht. Es könnte funktionieren...!“

    Bevor ich antworten konnte, war das „Gebet“ vorbei. Anina verabschiedete sich mit einem frechen Grinsen und stampfte davon, die anderen beiden Riesinnen im Schlepptau. Die Menschen blieben noch einige Sekunden regungslos stehen und verteilten sich dann im Dorf, um ihrer Arbeit nachzugehen. Die Erde bebte, als die Gigantinnen am Horizont verschwanden.

    So wütend ich war – ich war nun sicher, dass ich zumindest eine kleine Chance hatte. Fiona und ich sahen uns in die Augen und nickten.

    „Captain, du musst es versuchen! So grauenvoll diese Sache ist – ich bin nun auch überzeugt, dass wir zumindest mit ihnen reden könnten! Aber du musst höllisch aufpassen!“

    - - -

    Seit einigen Stunden wartete ich nun an einem der Bauernhöfe im Norden des Dorfes. Die alte Dame berichtete, dass die jüngeren Riesinnen sich hier täglich einige Rinder mitnahmen, um sie zu verspeisen. Da ich morgens natürlich nicht schnell genug vor Ort sein konnte, hoffte ich nun, dass der nachmittägliche Besuch der Riesinnen mir Glück bringen würde. Fiona wartete im Haus der Dame auf mich und wünschte mir viel Erfolg, nachdem ich sie erfolgreich davon abbringen konnte, mich zu begleiten. Es war einfach zu gefährlich. Falls ich es nicht schaffen würde, wäre sie wenigstens in der Lage, irgendwie weiterzuleben.

    Üblicherweise, so sagte man mir, war Anina für die Wasservorräte zuständig. Deswegen waren die Chancen hoch, die jüngeren Riesinnen hier allein anzutreffen.

    Stunde um Stunde verstrich, und meine Angst stieg mit jedem Augenblick. Was, wenn sie mich einfach zertrampeln würden? Mich ignorieren würden? Verdammt. Ich konnte einfach nicht vorhersagen, was passieren würde.

    Ich unterhielt mich ein wenig mit dem Bauern, der zwar neugierig nach meinem Herkunftsort fragte, mich aber genauso wenig mit aufbauenden Worten unterstützte. Er hielt mich für verrückt. Verständlich.

    Als die charakteristischen Beben schließlich zu hören waren, verkroch er sich in seinem Haus. Ich hätte gerne gesagt, dass ich mich nun mutig zu den Rindern auf die Weide stellte und wartete, aber das wäre gelogen gewesen.

    Ich sackte in mich zusammen, als ich ihnen hinterher sah. Heilige Scheiße! Was war hier los?!

    Neben mir lag Fiona. Sie hatte einen leeren Blick und stierte auf den Boden. „W...W...Was geht hier vor? Wir müssen sofort verschwinden! Sofort!“

    Ich stimmte ihr zu. „Verdammt, ja. Komm, wir gehen! Ich kann es nicht fassen!“

    Zitternd stand ich auf und öffnete die Tür der Scheune. Gegenüber sah ich das zerstörte Haus. Oder das, was davon übrig geblieben war. Was für eine unglaubliche Kraft! Ich half Fiona auf und ging mit ihr ins Freie.

    Wir sahen uns kurz um. Von den Riesinnen war nichts zu sehen. Zeit, aufzubrechen.

    Als wir das zerstörte Haus passierten, hörte ich ein Stöhnen. Nein – jemand rief um Hilfe! Ich blickte hinüber zu Fiona.

    „Hast du das gehört? Wir müssen ihnen helfen!“

    Fiona schüttelte den Kopf. „Nein! NEIN! Captain! Wir müssen gehen! Bitte!“

    „Nein. Geh vor, wenn du musst. Ich schaue, was ich tun kann!“

    Fiona zögerte kurz. „Gah...! N-Na gut!“

    Wir liefen zu dem geplätteten Haus. Es sah wahrlich grauenhaft aus, und ich wusste nicht, wie ich an den aufgestapelten Trümmern vorbeikommen sollte, die den Eingang des Hauses versperrten.

    „Hallo?! Ist hier jemand?“ rief ich in die Ruine.

    Eine schwache Stimme antwortete mir. Es war eine Frau. „Ich... ich bin hier! Bitte! Helfen sie mir!“

    Ich folgte der Stimme, und durch ein intaktes Fenster konnte ich die Silhouette einer jungen Frau erkennen, deren Bein unter einem schweren Holzbalken eingeklemmt war. Selbst Fiona konnte angesichts der Situation nicht mehr an sich halten. „Los, Captain. Helfen wir ihr!“

    - - -

    „Woher kommt ihr? Europa? Wo ist das?“

    Die alte Dame, die uns nach der Rettung der eingeklemmten Frau zu sich einlud und ihr Bett für die Verletzte anbot, stellte einen Topf mit Kartoffeln auf den Tisch.

    „Nun, das ist... sehr weit weg von hier.“

    Die alte Dame nickte verständnisvoll. „So so. Aber jetzt haut rein! Ihr habt es euch verdient.“

    Das ließen wir uns nicht zweimal sagen. Und obwohl ich aufgrund der Geschehnisse hungrig wie nie war, musste ich einfach ein paar Fragen stellen.

    „Können Sie uns sagen, was hier vorgeht? Wer oder was sind diese riesigen Frauen?“

    Die alte Dame seufzte schwer.

    „Sie kamen vor einigen Monaten auf unsere Insel. Die beiden jüngeren allein sind harmlos, aber die ältere ist eine grauenvolle Tyrannin! Sie zwingt unser Dorf, ihr Goldschmuck anzufertigen, sie anzubeten und ihr Essen bereitzustellen! Jeden Tag verschlingen die drei mehrere Rinderherden! Wir sind am Ende...! Die ältere zwingt die anderen beiden dazu, uns zu terrorisieren. Scheinbar macht ihr das Spaß!“

    Fiona wirkte betroffen. „Das ist ja schrecklich! Warum verschwindet ihr hier nicht?“

    „Sie haben unsere Schiffe zerstört und erlauben uns nicht, neue zu bauen. Wir sind nur Spielzeuge für sie!“

    Ich spürte, wie die blanke Wut in mir aufstieg. „Das kann doch nicht wahr sein...! Es muss doch etwas geben, das ihr tun könnt!“

    Die alte Frau senkte den Kopf. „Glaubt ihr wirklich, wir hätten nicht schon alle Möglichkeiten durchdacht? Es ist zwecklos. Wir haben keine Ahnung, woher sie kommen oder wie es etwas wie sie überhaupt geben kann!“

    Es war unglaublich. Diese Riesinnen tauchten also einfach eines Tages auf und fingen an, die Menschen des Dorfes zu terrorisieren? Es war so unfair!

    Die alte Dame seufzte erneut. „Macht euch keine Gedanken. Ihr solltet besser verschwinden, bevor sie zurückkommen!“

    Fiona sah mich an. „Können wir nicht ein paar Leute auf unserem Schiff mitnehmen und mit einer Flotte zurückkehren?“

    Ich dachte kurz nach. „Durchaus...! Am besten kehren wir jetzt zum Schiff zurück und bereiten alles vor.“ Ich sah zur alten Frau. „Wäre das in ihrem Sinne, werte Dame? Wir könnten ein paar von ihren Leuten mitnehmen.“

    Sie lächelte schwach. „Das... das wäre toll. Vielen Dank, Reisende.“

    - - -

    Es fühlte sich falsch an, einfach so zu gehen. Aber es gab nichts, was wir jetzt noch im Dorf tun konnten. Wir machten uns auf den Weg zurück zum Landungsboot. Der Wald wirkte unverändert, doch als wir den Strand erreichten, wurde uns unsere miese Lage schlagartig bewusst.

    Der Strand war übersät mit gewaltigen Fußabdrücken. Und unser Boot nirgends zu sehen. Als hätte es sich einfach in Luft aufgelöst. Hatten die Riesinnen es gestohlen? Verdammt!

    Ich drehte mich atemlos zu Fiona um. Sie sah hinaus auf das Meer. Ihr Blick wirkte erneut leer und ausdruckslos.

    „Captain... unser Schiff...! Ich sehe es nicht! Es... es ist weg!“